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Pollenflug

03.07.2019

Augsburg – eine Hochburg der Pollen und Pilze

Wann fliegen welche Pollen? Für Menschen, die unter einer Allergie leiden, ist das eine wichtige Information.
Bild: Bernhard Weizenegger

Pollen nehmen mit dem Klimawandel zu. Umweltmedizinforscher beobachten in Augsburg ihren Flug und zeigen die Daten im Internet.

Allergiker kennen das: Während sich andere im Freibad nach dem Eisessen den Mund putzen, putzt man sich selbst die laufende Nase. Die Augen brennen und beim Joggen möchte man vor den eigenen Niesattacken davonrennen. Wäre es nicht praktisch, genau zu wissen, wann welche Pollen durch die Luft schwirren? Zu wissen, wann man lieber aufs Laufband steigt, statt draußen zu laufen?

Die Augsburger haben Glück: In der Fuggerstadt weiß man das so genau, wie sonst nirgends. Hier gibt es zwei hochmoderne Pollenmonitore, die alle drei Stunden automatisch den Pollenflug erfassen und aktuelle Daten übermitteln. Wie hier gemessen wird, "das ist einmalig in der Welt", sagt Professorin Claudia Traidl-Hoffmann von der Technischen Universität München, die gemeinsam mit Kollegen am UNIKA-T-Zentrum Augsburg das Forschungsprojekt Pollenmonitoring vorstellte.

Allergiker können sich über Pollenflug informieren

Das Universitäre Zentrum für Gesundheitswissenschaften am Klinikum Augsburg betreibt die beiden Geräte, eines im Süden auf dem Campus der Universität Augsburg und eines im Nordwesten am UNIKA-T-Zentrum. So werden tagesaktuelle und genaue Informationen über den Pollenflug im Stadtgebiet Augsburg gesammelt – und auf einer Webseite mit der Bevölkerung geteilt. Patientenservice rund um die Uhr, ein echter "Mehrwert für die Augsburger", nennt es Professor Jens O. Brunner, Geschäftsführender Direktor des UNIKA-T.

So können sich Besucher der Webseite anhand von Diagrammen über Start, Höhepunkt und Ende der jeweiligen Pollensaison und über Phasen mit hohen und niedrigen Pollenkonzentrationen informieren. Das ermöglicht Allergie-Patienten, ihren Lebensstil, Tagesablauf und die Medikation entsprechend anzupassen. Der Service ist noch nicht Smartphone-optimiert. Derzeit wird eine App entwickelt, in der man sich die unterschiedlichen Pollen im Drei-Stunden-Intervall anzeigen lassen kann. Mittelfristig soll auch ein personalisiertes Allergie-Warnsystem kommen. Momentan fliegen zum Beispiel Gräserpollen, informiert Claudia Traidl-Hoffmann, die am UNIKA-T den Lehrstuhl für Umweltmedizin leitet. Danach kommen Kräuterpollen. Pollenbelastung habe man inzwischen das ganze Jahr. Durch den Klimawandel gebe es mehr Pollen als früher und längere Flugzeiten. Das bedeutet für Patienten das ganze Jahr über Symptome. 40 Prozent der Bevölkerung sind der Chefärztin zufolge allergisch, Tendenz zunehmend. Dank des Pollenmonitors lässt sich vorbeugen.

"Wir sind mittendrin im Forschungsgeschehen"

Brunner erklärt, wie er funktioniert: Er saugt alle drei Stunden Umgebungsluft an, macht ein Bild und erkennt darauf Objekte, die dann klassifiziert werden. So werden in Teilausschnitten vorhandene Pollen erkannt, wie Birke oder Haselnuss. Das Problem: Die momentane Software erkennt schwarz-weiß und runde Formen. Pollen sind rund, Pilzsporen können aber auch andere Formen annehmen. An diesem Schritt der Klassifizierung forschen Brunner und sein Team, damit in Zukunft auch Pilzsporen und irgendwann Feinstaub erkannt und vom Monitor dargestellt werden können. Das wird gerade für Augsburg interessant: Hier sind laut Traidl-Hoffmann besonders viele Schimmelpilzsporen in der Luft. Wieso das so ist, untersuchen die Experten gerade. Was sie schon wissen: Schimmelpilzsporen sind sehr viel kleiner, gelangen tiefer in Lungenabschnitte und können zum Beispiel allergisches Asthma auslösen – oder Schübe von Neurodermitis. Welche Symptome wann auftreten, wie das Immunsystem auf Belastungen in der Luft reagiert, dafür gibt es noch nicht ausreichend Daten. "Wir sind mittendrin im Forschungsgeschehen", sagt Traidl-Hoffmann.

Im alpinen Raum treten der Chefärztin zufolge kaum Schimmelpilze auf. Allerdings verschiebt sich die Grenze in immer höhere Lagen. Solche Informationen werden zum Beispiel relevant, wenn es darum geht, wohin Patienten zur Rehabilitation geschickt werden.

Es ist ein führendes, interdisziplinäres Forschungsprojekt in Augsburg, von dem man sich Antworten darauf erhofft, wie Umwelteinflüsse und Wetterlagen sich auf die menschliche Gesundheit auswirken. Gibt es zu einer bestimmten Zeit zum Beispiel mehr Schlaganfälle oder Neurodermitis-Schübe? Das Wissen soll helfen, die Patientenversorgung zu verbessern, die Personalplanung zu erleichtern und die hohen volkswirtschaftlichen Kosten zu senken.

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