1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Augsburg kommt der Vision einer Smart City näher

Augsburg kommt der Vision einer Smart City näher

Kommentar Von Jürgen Marks
18.05.2018

In anderen deutschen Großstädten werden Fahrverbote wegen mieser Luft diskutiert. Schwabens Metropole geht einen anderen Weg. Das könnte modellhaft sein.

Die Ankündigung, ab 2019 den öffentlichen Nahverkehr in der Augsburger City kostenlos anzubieten, hat bundesweit Aufmerksamkeit erregt. In Bayerns Hauptstadt fragte eine Zeitung: „Vorbild für München?“ Das ist Balsam für Augsburger Seelen, plagte doch die Stadt lange ein seltsames Minderwertigkeitsgefühl in der Nachbarschaft zu München.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Doch das ist längst vorbei. Seit einigen Jahren strebt Schwabens Hauptstadt nach höheren Weihen. Das große kommunale Krankenhaus wird zur Uniklinik, die städtische Bühne erhält den Rang eines Staatstheaters, die Staatsregierung verlieh Augsburg den Rang einer Metropole. Nicht zu vergessen: Seit sieben Jahren ist Augsburg Standort eines Fußball-Bundesligisten, der es im Europapokal bis an die Liverpooler Anfield Road schaffte.

66 deutsche Städte verstoßen gegen die Grenzwerte

Nun schickt sich die Stadt zwischen Lech und Wertach an, in einer herausfordernden Situation für viele deutsche Großstädte modellhafte Lösungen zu entwickeln. Es geht um das Thema Luftreinhaltung und Verkehr in der City. 66 deutsche Städte verstoßen im Jahresdurchschnitt gegen die Stickoxid-Grenzwerte. Seit Donnerstag klagt sogar die EU-Kommission gegen die Bundesregierung, weil sie zu wenig gegen die gesundheitsschädliche Luft tut.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Augsburg gehört auch zu den Städten, in denen die Grenzwerte überschritten werden. Im Gegensatz zu München, das die schmutzigste Luft der Republik hat, sind die Werte jedoch nur leicht erhöht. Doch während an der Isar, in Hamburg und Stuttgart über drohende Diesel-Fahrverbote zur Luftverbesserung diskutiert wird, packt die Augsburger Stadtregierung das Problem von einer anderen Seite an.

Augsburg setzt auf Angebote statt Verbote

Augsburg setzt auf Angebote statt Verbote und hat gleich ein ganzes Maßnahmenpaket entwickelt, um den Verkehr in der Innenstadt neu zu entwickeln. Dabei hat der kostenlose Fahrschein in einer „City Zone“ mit acht Haltestellen jedoch eher etwas Symbolhaftes. Denn der ticketfreie Nahverkehr in deutschen Städten war eine Schnapsidee der neuen Bundesregierung im Frühjahr.

Hören Sie hier unseren Bayernversteher-Podcast zum Thema Mobilität:

Die fünf ausgewählten Modellstädte lehnten rasch ab, da der bestehende Fuhrpark auf so ein Angebot nicht ausgerichtet ist. Die Anbieter wären dem Ansturm nicht gewachsen. Ein kleines kostenloses Innenstadtnetz wird indes ein paar zusätzliche Fahrgäste aushalten.

Eine App zeigt freie Parkplätze auf der Augsburger Prachtmeile an

Das Augsburger Novum ist der gesamtheitliche Ansatz der Konzepte sowie die Geschwindigkeit, mit der zuschussfähige Maßnahmen entwickelt wurden. Zur Förderung des Radverkehrs werden drei automatische Fahrrad-Parkhäuser gebaut. Sie kosten jeweils eine knappe Million Euro, die der Freistaat mit mehr als 70 Prozent Zuschüssen fördert. Autofahrer können in absehbarer Zeit per App erfahren, ob in der Prachtmeile Maximilianstraße freie Parkplätze zu finden sind. Wenn nicht, fährt man lieber gleich ins Parkhaus, was unnötigen Suchverkehr vermeidet. Alle Projekte werden bis Juli in einem Masterplan zusammengeschnürt, um Fördergelder aus dem Dieselfonds der Bundesregierung zu erhalten.

Zudem startet Oberbürgermeister Kurt Gribl mit einem „Clean Air Tech Day“ Anfang Juni eine Ideen-Messe für innovative technische Lösungen zur Reduzierung der Luftbelastung. Anmeldungen gibt es auch aus Stuttgart und München. Es ist kein Zufall, dass am gleichen Tag die Bayerische Staatsregierung in Augsburg tagt. Der Schwerpunkt: Verkehr.

Mit diesen modellhaften Ansätzen nähert sich Augsburg der Vision einer Smart City mit besserer Luft und mehr Aufenthaltsqualität. Wenn die Ideen zünden, kann die bayerische Umweltstadt zum Vorbild für andere werden.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

21.05.2018

Der HBF selbst ist immerhin barrierefrei geplant, nicht nur die Fernzuggleise sondern auch die Tramhaltestellen und die Verbindungswege.

Permalink
19.05.2018

Augsburg hat schon in den vergangenen Jahren viele Schritte unternommen, um sich in Richtung einer saubereren Zukunft zu bewegen. Dazu zählen die großen Schnitte bzgl. Verkehrsführung in der Innenstadt mit Einbahn- un Spielstraßen, der Offenlegung der Lechkanäle in der Altstadtund, viel später der Einführung der Umweltzone. Zu Letzt noch die Beruhigung der Fuggerstraße und somit die Anbindung des Königsplatzes zur Innenstadt.
Der Radverleih, das Carsharing und das kostenfreie Innenstadtticket kommen halt noch als I-Tüpfelchen drauf.
Problemzonen wie die Karlstraße werden damit vermutlich nicht maßgeblich entlastet werden können. Immerhin kann niemand behaupten, es würden keine Anstrengungen unternommen, das städtische Mikroklima zu verbessern.

Permalink
19.05.2018

Schön wie Sie sich an Softfacts wie Carsharing und Radverleih freuen können.

Es gab in dieser Stadt in den Hauptverkehrszeiten schon mal einen 10-Minuten-Takt auf fast allen Buslinien.

Es gab 12 Stunden 5-Minuten-Takt auf der Tram.

Heute gibt es ein großes Loch unter dem Hauptbahnhof.

Permalink
20.05.2018

Ja, das Tolle am Loch unter dem Bahnhof ist, dass da eines Tages eine Tram durchpasst - bzw. sogar zwei gleichzeitig. Es könnte dann sogar endlich Aufzüge im Bahnhof geben. Kaum vorzustellen..

Permalink
21.05.2018

Die Aufzüge dienen nur dem DB Fernverkehr, weil der avv Bereich überall sonst nicht barrierefrei ist.

Permalink
21.05.2018

Wer hat Ihnen denn das erzählt?

Permalink
21.05.2018

Mit Ausnahme der neu 4-gleisige Strecke nach München gibt es im Schienenverkehr des AVV keine echten barrierefreien Stationen.

Selbst ein großer Stadtteilbahnhof wie Augsburg Oberhausen bekommt nur Drogensüchtige aber keine Aufzüge.

Permalink
21.05.2018

Informieren Sie sich:

https://bahnland-bayern.de/de/rollstuhlfahrer

Permalink
19.05.2018

Es fällt auf, dass sich diejenigen am negativsten und am häufigsten zum Thema ÖPNV in Augsburg äußern, die diesen erklärtermaßen selten oder gar nicht nutzen. Warum ist das wohl so?

Permalink
19.05.2018

Also erstens behaupten Sie das bezüglich Herrn P. einfach, ich habe da einen ganz anderen Eindruck.

Und bei denjenigen, für die der Augsburger ÖPNV kein Angebot bereit hält oder nur ein sehr schlechtes, ist es doch eher nicht verwunderlich, wenn die sich negativ über ihn äußern.

Die, die mit dem Angebot zurecht kommen bzw. Innenstadtbewohner die von allen möglichen Linien im 5-Minuten-Takt fahrend profitieren sind mit ihm zufrieden und nennen die anderen Stänkerer. Dabei würden sie evtl. auch Kritik üben, wären sie in der Lage der anderen.

Permalink
19.05.2018

Es bleibt völlig unbegründet, wie die aktuell diskutierten Maßnahmen gegen die Schadstoffüberschreitungen in der Karlstraße wirken sollen.

Die tatsächliche Situation in Augsburg zeigt ein ÖPNV-Tarifsystem das kompliziert und ungerecht gegenüber Normalabonnenten wie nie wurde. Wir sehen gefährliche Radwege wie in der Pferseer Unterführung; hier zur Abwechslung mal durch verbotswidrig und grob rücksichtslos geparkte Fahrräder. Und dann noch eine App für freie Parkplätze in der Maxstraße - es war ja schon bisher schwierig diese Parkplätze zu füllen, da kann eine App sicher helfen. Oder sollen 10 Leute losfahren und sich um 3 freie Parkplätze streiten?

Der kostenlose ÖPNV um den Kö herum ist eine prima Idee um gerichtlich angeordnete Dieselfahrverbote zeitlich zu hemmen, bis das Problem durch den Umschlag in Fahrzeugbestand und dem technischen Fortschritt gelöst ist. Und dazu wird noch die wenig gelungene Tarifreform korrigiert und die Zone 10 im Bartarif zumindest auf dem Weg in die Innenstadt wieder größtenteils wieder hergestellt.

Ein Wechsel in der Verkehrspolitik ist nicht erkennbar. ÖPNV Ausbau besteht noch immer aus vielen Millionen unter dem HBF, der keinen Menschen schneller oder pünktlicher im innerörtlichen Verkehr von Augsburg transportiert. Augsburg ist die Stadt mit dem gefühlten Tramausbau, wo selbst die Grünen keinerlei Impulse mehr setzen.

Permalink
19.05.2018

Sie widersprechen sich doch selbst. Einmal werden angeblich die Gelegenheitsfahrer benachteiligt, dann sind es wieder die normalen Abonenten. Man merkt, dass Sie den ÖPNV selbst gar nicht nutzen und nur stänkern wollen.

Permalink
19.05.2018

Gut, dass Herr Marks die Walter- Garage nicht mehr erwähnt. Auch er hat anscheinend mittlerweile erkannt, dass so ein Vorhaben nicht mehr in die Zeit passt.

Permalink
19.05.2018

>>Man merkt, dass Sie den ÖPNV selbst gar nicht nutzen und nur stänkern wollen.<<

Haben Sie diese Floskel eigentlich als Textbaustein abgespeichert? Man liest das so oft von ihnen: "blablabla - Sie wollen nur stänkern."
Und dabei ist Ihre Kritik so unsinnig, da natürlich sowohl die Gelegenheitsfahrer benachteiligt sein können - wie beim neuen City-Zone-Vorschlag die Abonnenten.

Herr P. führt jedenfalls mehr und bessere Argumente an als Sie.

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren