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Augsburg

18.10.2017

Augsburg soll ein besonderes Hotel erhalten

Der Verein „Einsmehr“, in dem sich Eltern von Kindern mit Down-Syndrom engagieren, will ein Hotel mit über 60 Zimmern eröffnen.
Bild: Ralf Lienert (Symbol)

Der Verein „Einsmehr“, in dem sich Eltern von Kindern mit Down-Syndrom engagieren, will ein Hotel mit über 60 Zimmern eröffnen.

Das Stadthaushotel in Hamburg-Altona gibt es bereits seit 1993. Das ist an und für sich noch nichts Besonderes. Besonders ist es dennoch: Nach ihren Angaben ist es das erste Integrationshotel Europas. Dort arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung. In den vergangenen Jahren wurden in vielen Städten Hotels eröffnet, die Menschen mit Handicap eine Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt geben. Wenn alles klappt soll am 21. März 2020 in Augsburg auch ein Inklusionshotel eröffnen.

Das Datum kommt nicht von ungefähr: Es ist der Welt-Down-Syndrom-Tag. Im Verein „Einsmehr“ haben sich in Augsburg und Umgebung Eltern von Kindern mit Down-Syndrom zusammengetan. Der Name „Einsmehr“ kommt daher, dass die Kinder ein Chromosom mehr haben als andere Menschen. Das 21. Chromosom gibt es dreimal. Deswegen spricht man auch von Trisomie 21 und daher ist der 21. März der Welt-Down-Syndrom-Tag.

Es fehlen Hotels

Die Initiative will die Inklusion auf dem Arbeitsmarkt vorantreiben und deshalb das Hotel eröffnen. Die Pläne sind weit vorangeschritten. Vor drei Jahren wurden die ersten Ideen geschmiedet. „Wir sind schnell auf das Thema Hotel gekommen, da es dort unterschiedliche Tätigkeiten gibt, die auch von Menschen mit Behinderung ausgeführt werden können, wie den Frühstücksservice, Arbeiten im Bereich Küche, Reinigungsdienst oder Zimmerservice“, erklärt Projektleiter Jochen Mack. Zudem mangele es in Augsburg an Hotels. Mack: „Gerade zu Zeiten des Oktoberfests, FCA-Spielen, oder Messen wie derzeit der Interlift sind die hiesigen Hotels schnell ausgebucht.“

Die Idee wurde in einem Wirtschaftsplan fixiert. Die Organisation „Aktion Mensch“ unterstützte die ersten Schritte mit 15000 Euro. „Damit haben wir unser Konzept von zwei Unternehmensberatern prüfen lassen, die auf inklusive Projekte spezialisiert sind. Durch den Wirtschaftsplan sollte herausgefunden werden, ob sich das Hotel selber tragen könnte“, sagt Mack.

In der Nähe des Klinikums

Das Ergebnis der Prüfungen war positiv. Und so konnten die Planungen in den vergangenen Monaten und Jahren voranschreiten und sind nun schon recht konkret. So soll das Hotel, das Einsmehr heißen soll, im Westen Augsburgs in direkter Nachbarschaft zum Klinikum eröffnen. Die Bedarfsprognosen des Quartiers sieht der Verein durch die Umwandlung des Klinikums zur Uni-Klinik als sehr positiv an. „Durch die Straßenbahnlinie 5 wird auch die Anbindung an die Innenstadt deutlich verbessert“, betont Mack.

Das neu gebaute Hotel soll über 50 Zimmer und 16 Boardinghouses verfügen. Letztere Zimmer könnten bis zu sechs Monaten bewohnt werden und würden sich etwa für Gastdozenten der Uni-Klinik anbieten oder Arbeitskräfte, die noch in der Probezeit sind.

22 Mitarbeiter soll das Hotel einmal zählen – elf von ihnen sollen Menschen mit Handicap sein. „Wir wollen auch Menschen mit einer geistigen Behinderung integrieren“, sagt der Projektleiter.

Der Verein will das Projekt klar von ihrer sonstigen Arbeit trennen und wird im nächsten Schritt eine gGmbH innerhalb von Einsmehr gründen. Dieser Schritt wird rund 25000 Euro kosten. Die 100 Mitgliedsfamilien und Freunde des Vereins sollen jeweils zehn Personen animieren, mindestens 25 Euro zu spenden. „Damit wäre der Anfang geschafft. Doch es gibt noch einen viel höheren Betrag zu stemmen. Das Hotel wird einen hohen sechsstelligen Betrag kosten“, betont Jochen Mack.

Betreiber soll Hotel führen

Die Elterninitiative wird allerdings nicht als Hotelbetreiber fungieren. Sie werden im Aufsichtsrat sitzen, das Hotel soll selbstständig geführt werden. „Die Mitarbeiter werden ebenfalls von einer externen Person engagiert. Denn es soll nicht den Eindruck erwecken, dass wir nur für unsere Kinder Jobs errichten wollen“, sagt die Vereinsvorsitzende Karin Lange. Ihr Sohn Nikolas habe seine Leidenschaft fürs Kochen entdeckt. Der 13-Jährige hat Down-Syndrom und besucht die Montessori-Schule. Er hat bereits Praktika in Küchen absolviert, zuletzt hat er im Betriebsrestaurant der Lechwerke gearbeitet.

Dort habe er mit Begeisterung Nudeln ausgegeben. „Auch nach drei Stunden hat er noch jedem Gast freundlich einen Guten Appetit gewünscht“, erzählt Karin Lange. Genau diese Offenheit und Freundlichkeit werde auch im Hotel für eine besondere Atmosphäre sorgen, sind sich die Mitglieder des Vereins Einsmehr sicher.

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