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Uni Augsburg

04.05.2015

Augsburger Forscher: Warum Fleisch der Umwelt schadet

Endlich wieder draußen essen: Mit leckerem Fleisch vom Grill macht das besonders viel Spaß. Foto: Monique Wüstenhagen
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Bis ein Stück Fleisch auf dem Teller landet, muss sehr viel Tierfutter erzeugt werden. Der großflächige Anbau von Futtergetreide geht aber oft zu Lasten der Umwelt und des Klimas.
Bild: Monique Wüstenhagen (dpa)

Der Konsum von Fleisch wird seit Jahren kritisiert, vor allem aus ethischen Gründen. Ein Augsburger Forscher wechselt die Perspektive und erklärt, warum Fleisch der Umwelt schadet.

Es vergeht keine Woche, in der das Thema Massentierhaltung nicht in irgendeiner Zeitung aufploppt; Tierschützer decken in Detektiv-Manier und mit Dunkelbildkameras ausgestattet regelmäßig Missstände auf, die sich im Unsichtbaren, hinter den Mauern von Massentierhaltungsbetrieben abspielen.

Sachbücher wie „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer oder „Anständig essen“ von Karen Duve führten ihren Lesern noch mehr die allseits bekannten Schattenseiten der industriellen Fleischproduktion vor Augen, etwa, dass die Betäubung vor der Tötung nicht selten fehlschlägt und die Tiere bei vollem Bewusstsein verbrüht werden. Kurzum: Dass das nicht ganz so prima ist mit der Massentierhaltung, das müsste mittlerweile jeder mitbekommen haben.

Klar ist auch: Die Produktion und der Konsum von tierischen Lebensmitteln wird bislang hauptsächlich aus ethischer Perspektive diskutiert und angeprangert. Es geht um Fragen wie: „Ist es ethisch vertretbar, Lebewesen massenhaft zu züchten und zu töten, um in Massen tierische Lebensmittel zu konsumieren?“ Oder ganz praktisch: Ist es in Ordnung, dass Millionen Kälber sterben, damit wir billige Produkte bekommen? Da sich über Ethik – also Kriterien für gutes oder schlechtes Handeln – aber bekanntlich vortrefflich streiten lässt, wird es wohl bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag dauern, bis in solchen Fragen ein Konsens erreicht wird.

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"So war es ja schon immer"

Im Alltag lebt sowieso jeder seine eigene Ethik. Der eine sieht überhaupt kein Problem darin, dass Tiere für seine Wurst sterben, weil es ja schon immer so war; der andere hinterfragt genau dieses „So war es ja schon immer“, wie genau es denn so geworden ist. Deshalb wundert es nicht, dass über Massentierhaltung seit Jahren kontrovers und teilweise erbittert gestritten wird.

Umso erfrischender deshalb, die Sache mal von einer anderen Seite zu betrachten – und zwar von der ökonomischen und ökologischen. Das macht Tobias Gaugler, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Dozent am Institut für Materials Resource Management (MRM) an der Universität Augsburg. In einer Wissenschaftszeitschrift hat er gerade einen Beitrag über den Wirkungsgrad tierischer Nahrung aus ressourcenökonomischer Perspektive veröffentlicht – sprich: über die Effizienz von tierischer Ernährung. Er erklärt: „Der Wirkungsgrad der Fleischproduktion liegt im Durchschnitt bei nur zehn Prozent. Das heißt, dass man hier zur Herstellung einer Energieeinheit zehn Energieeinheiten aufwenden muss.“

Tierische Lebensmittel belasten die Umwelt

Würde man also das Getreidefutter, das an die Tiere verfüttert wird, direkt als Nahrung für Menschen verwenden, könnte man damit wesentlich mehr Menschen ernähren. Oder aber: Man müsste gar nicht so viel anbauen – für die Umwelt ein Segen. Denn: Die industrielle Landwirtschaft gehört mit zu den größten Umwelt- und Klimagefahren auf dem Planeten. Da tierische Lebensmittel einen schlechten Wirkungsgrad haben, belasten sie die Umwelt umso mehr.

„Bei der Herstellung tierischer Produkte wie Fleisch, Wurst, Milch und Käse entstehen weltweit mehr klimaschädliche Abgase als durch die Nutzung von Autos, Lkw, die Bahn und den Flugverkehr zusammen“, sagt Gaugler. Aus ökologischer Sicht und auch für die Ernährung der immer weiter wachsenden Weltbevölkerung sei es deshalb unerlässlich, weniger tierische Lebensmittel zu erzeugen und zu konsumieren.

Die Deutschen essen doppelt so viel Fleisch wie empfohlen

Die Realität sieht allerdings anders aus. Die Deutschen etwa essen doppelt so viel Fleischprodukte, wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt: 300 bis 600 Gramm Fleisch dürfen es demnach pro Woche und Kopf sein, etwa ein Kilogramm sind es tatsächlich.

Das ist alles andere als gesund, wie viele Untersuchungen zeigen: Hoher Fleischkonsum wird von der Wissenschaft als Risikofaktor für Krebserkrankungen gesehen. Neuere Forschungen zeigen außerdem einen Zusammenhang zwischen Diabetes Typ 2 und Fleischkonsum.

Arbeitsgruppe am Institut für Materials Resource Management (MRM)

  • Die Arbeitsgruppe "Ökonomie der Nachhaltigkeit" wird derzeit gegründet und ist am Institut für Materials Resource Management (MRM) angesiedelt.
  • Das Thema Nachhaltigkeit soll aus ökonomischer Perspektive, aber auch in Zusammenarbeit mit anderen Lehrstühlen bearbeitet werden.
  • Ziel ist es, Möglichkeiten zur nachhaltigen Nutzung von Rohstoffen zu erarbeiten und diese auch außerhalb der Universität in die Tat umzusetzen.
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