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Friedensfest

09.10.2017

Augsburger Friedensfest soll Unesco-Kulturerbe werden

Augsburg möchte das Friedensfest in die Liste des weltweiten Kulturerbes aufnehmen lassen. 
Bild: Silvio Wyszengrad

Der 8. August, das Augsburger Friedensfest, ist ein besonderer Tag für die Stadt. Dies soll nun offiziell von der Unesco anerkannt werden. Eine Bewerbung steht kurz zuvor.

Die Augsburger kennen ihren zusätzlichen Feiertag – sei es, weil sie den 8. August zum Ausruhen nutzen oder zum Einkaufsbummel in anderen Städten. Je weiter man sich aber von Augsburg entfernt, desto weniger ist das Hohe Friedensfest bekannt. Ein Umstand, der vor allem die Stadtverwaltung ärgert, die mit diesem Spezialfeiertag gerne überregional ins Gespräch käme.

Jetzt will man dieses Ziel quasi über einen Umweg erreichen: Das Augsburger Hohe Friedensfest soll Immaterielles Kulturerbe werden. Die Unesco, eine Unterorganisation der Vereinten Nationen, führt diese Liste für Kulturformen, Handwerkstechniken und traditionelles Wissen, zusammenfassend also für Themen, die besonders erhaltenswert erscheinen. Beispiele sind das Flechthandwerk, das Hebammenwesen, der Blaudruck und das Feldgeschworenenwesen in Bayern.

Warum nun auch das Augsburger Friedensfest aufgenommen werden soll, liegt für Kulturreferent Thomas Weitzel auf der Hand: Der 8. August sei als einziger städtischer Feiertag in Deutschland anerkannt und dokumentiere die Auseinandersetzung der Stadt mit einer Jahrhunderte alten Friedens- und Konflikttradition. Zum ersten Mal feierten es die Protestanten im Jahr 1650 – es war ihr Dank für eine konfessionelle Gleichstellung mit den Katholiken. Seit 1949 ist der 8. August ein gesetzlicher Feiertag auf Augsburger Stadtgebiet.

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Augsburger Friedensfest ist Teil des städtischen Lebens

Mit der Friedenstafel, die jedes Jahr auf dem Rathausplatz aufgestellt wird und an der sich Menschen aller Konfessionen, Religionen und Nationalitäten treffen, ist das Fest laut Weitzel fester Bestandteil des städtischen Lebens geworden. Alle drei Jahre wird zudem der Augsburger Friedenspreis vergeben. 2017 erhält ihn Martin Junge, Generalsekretär des Lutherischen Werltbundes. Am Programm rund um den 8. August sind rund hundert Gruppen beteiligt, die Stadt hat extra ein Friedensbüro geschaffen, das sich um die Koordination kümmert.

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Impressionen von der Friedenstafel auf dem Rathausplatz
Bild: Silvio Wyszengrad

Genau diese Punkte sind der Unesco wichtig: Immaterielles Kulturerbe bewirke, dass sich Menschen einer Gemeinschaft zugehörig fühlen. So manche kulturelle Ausdrucksform vermittle ein Gefühl von Kontinuität und Identität, die den sozialen Zusammenhalt stärke. Eine finanzielle Förderung ist mit der Aufnahme in die Liste nicht verbunden. Trotzdem helfe sie, alte Traditionen durch kulturpolitische Maßnahmen dauerhaft zu schützen.

Augsburg bewirbt sich auch um Welterbe-Titel

Augsburg ist der Unesco bereits bekannt. Denn abgesehen vom Immateriellen Kulturerbe bewirbt sich die Stadt auch mit seiner historischen Wasserversorgung um den klassischen Welterbe-Titel. 2018 wird diese Bewerbung offiziell eingereicht, 2019 könnte dann feststehen, ob es mit diesem Titel klappt. Was das Friedensfest betrifft, soll alles ebenfalls schnell gehen: Man will sich offenbar noch diesen Monat für eine Aufnahme bewerben, die Unterlagen sind vorbereitet, kommenden Dienstag soll der Kulturausschuss des Stadtrats beraten.

In der selben Sitzung wird sich das Gremium übrigens nochmals mit dem Friedensfest beschäftigten, dieser Tagesordnungspunkt ist allerdings weniger positiv: Es geht um das Programm des Feiertags, das in diesem Jahr für Unruhe gesorgt hatte, weil auf einer Veranstaltung der frühere Links-Aktivist Thorwald Proll gesprochen hatte. Er war vor 49 Jahren mit beteiligt, als in zwei Frankfurter Kaufhäusern Brände gelegt wurden. Oberbürgermeister Kurt Gribl hatte sich von der Veranstaltung zum Friedensfest distanziert und angekündigt, dass das Friedensfestprogramm künftig dem Kulturausschuss vorgelegt werden müsse. Dort würde dann entschieden, ob die Veranstaltungen so in Ordnung gingen. Der Kulturbeirat, ein Gremium, das der Stadt beratend zur Seite steht, hat sich mit dieser Debatte befasst. Fazit: Er lehnt „jegliche politische Einflussnahme“ auf das Programm ab und wird diese Ansicht am Dienstag auch im Ausschuss vertreten. Wie die Sache künftig gehandelt wird, liegt am Ende aber doch an der Entscheidung der Stadträte.

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