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Hochschule

19.02.2018

Augsburger als Test-Touristen unterwegs in Sri Lanka

Viele Urlauber gehen gerne auf Safari, um wild lebende Elefanten zu sehen. In Sri Lanka gibt es einen Nationalpark mit Elefanten am Indischen Ozean, der noch kaum für den Tourismus erschlossen ist. Studenten der Hochschule Augsburg entwickeln nun ein verträgliches Tourismuskonzept, um Menschen und Natur vor Ort zu helfen.

Im Bürgerkrieg war der Wilpattu-Nationalpark für Urlauber zu gefährlich. Nun soll er wieder zum Reiseziel werden. Wie Studenten mit einem neuen Projekt den Ökotourismus ankurbeln wollen.

Mal ganz offiziell ein Tourismusziel testen dürfen – davon träumen viele. Für 14 Studenten der Hochschule Augsburg wird dieser Traum Wirklichkeit. Ende Februar wird das Team zu einem zweiwöchigen Aufenthalt nach Sri Lanka aufbrechen. Die Studierenden haben dort eine ungewöhnliche Mission. Sie sollen mit ihren Ideen dazu beitragen, einen bislang kaum beachteten Nationalpark bekannter zu machen und zu einem Reiseziel für Ökotouristen zu entwickeln.

Konkret geht es um den „Wilpattu National Park“. Er liegt im Nordwesten des Landes und grenzt an den Indischen Ozean. Bislang kommen in das Naturgebiet nur wenig Urlauber. Laut Professor Christian Bauriedel hat das mehrere Gründe: Der Park lag mehr als 25 Jahre mitten in der Bürgerkriegszone. Bis vor kurzem sei das Gelände auch vermint gewesen. „Ohne Bomben und Rebellen hat das Gebiet nun aber gute Entwicklungschancen als Reiseziel“ meint er.

Die Hochschulstudenten aus den Studiengängen Architektur und „Energieeffizientes Planen und Bauen“ stehen vor einer großen Aufgabe. Unterstützt von der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der zuständigen Stelle für Wildparks in Sri Lanka, haben sie ein Projekt gestartet. Es ist auf mehrere Jahre angelegt und soll den Wilpattu-Nationalpark mit einfachen baulichen Mitteln nachhaltig entwickeln, um dort einen verträglichen Tourismus zu etablieren. „Wir wollen der Bevölkerung vor Ort eine Einnahmequelle erschließen und auch Tieren im Naturpark helfen“, sagt Bauriedel.

Schwierige Ausgangslage

Die Ausgangslage ist nicht einfach. Denn es gibt es Konflikte zwischen Dorfbewohnern und wild lebenden Elefanten aus dem Nationalpark. Die Dickhäuter zerstören immer wieder die Reisernte in der nahegelegenen Ortschaft. Damit richten sie großen finanziellen Schaden an. Denn sehr viele Einheimische leben von der Landwirtschaft. Wenn künftig mit Safari-Urlauben Geld zu verdienen ist, wäre dieser Konflikt entschärft.

Nötig ist aber erst einmal, den Park und das angrenzende Dorf für Urlauber attraktiv zu gestalten. Das studentische Team hat sich bereits im vergangenen Jahr vor Ort in Sri Lanka kundig gemacht, welche Maßnahmen sinnvoll und finanzierbar wären. Nun liegen konkrete Vorschläge für die Projektpartner auf dem Tisch. Einige Beispiele: Der heruntergekommene Eingangsbereich in den Park mit einem Tor aus dem Jahr 1910 wird neu gestaltet. Im Wildpark selbst werden Aussichtsplattformen und -türme für Urlauber gebaut, damit sie wilde Tiere von oben besser beobachten können als nur vom Jeep aus. Ein neuer Schmetterlingsgarten mit Bambuspavillons soll die vielen schönen Falterarten in Sri Lanka attraktiv präsentieren. Darüber hinaus schlagen die Studenten einen neuen Campingplatz im Park vor. Er soll direkt am Meer liegen und mit einfachen Hütten in traditioneller Bauweise aus Palmblättern ausgestattet werden. Auch im Dorf werden Anlaufstellen für Ökotouristen eingerichtet.

Wie Bauriedel erläutert, baut das Konzept darauf, dass möglichst viele Anwohner mit ihren Angeboten für Rucksacktouristen und Camper Geld verdienen – etwa auch mit kleinen Läden oder Speiselokalen. Dieses Konzept sei verträglicher für Menschen und Natur vor Ort als Massentourismus, an dem vor allem wenige große Anbieter verdienen.

Bald startet die zweite Reise nach Sri Lanka

Schon bald geht das Ökotourismusprojekt der Hochschule in die nächste Phase. Am 26. Februar starten die Studenten zu einer zweiten Reise nach Sri Lanka. Dort werden sie zusammen mit den Einheimischen erste kleinere Baumaßnahmen voranbringen – etwa neue Sanitäranlagen und den Schmetterlingsgarten. Gemeinsam mit Dorfbewohnern wollen sie als Test-Touristen nun auch weitere Angebote für Urlauber entwickeln, beispielsweise spezielle Pflanzenführungen.

Larissa Wierer und ihre Kommilitonen freuen sich schon sehr. „Die Dorfbewohner sind sehr interessiert an unseren Vorschlägen“, sagt sie. Wichtig sei aber auch, dass Menschen vor Ort die Pläne selbst mit umsetzen wollen. Studentin Carolin Maier findet es toll, dass sie diesmal für die Realität planen darf und das Konzept am Ende nicht einfach in einer Schublade landet. „Wir sind auch bei der Realisierung dabei und sehen, wie es die Leute weiterbringt, dass ihr Leben besser wird, und das im besten Fall im Einklang mit der Natur.“ Studentin Eyleen Göbel erklärt, wie es weitergeht: Ab Sommer sollen größere Einzelprojekte gebaut werden.

Das Ökotourismusprojekt ist auf mehrere Jahre angelegt und wird von der GIZ in diesem Jahr mit 100 000 Euro unterstützt. Wenn die Augsburger Studenten erfolgreich sind, werden voraussichtlich weitere Gelder fließen, sagt Professor Bauriedel. 

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