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Augsburg

09.08.2019

Augsburger erfinden Kinderhandy

Christian Frey (Foto) hat gemeinsam mit Wolfgang Andrä einen Kommunikator für Kinder erfunden.
Bild: Silvio Wyszengrad

Weil sie ihren Kindern kein eigenes Smartphone, aber die Chance zum Telefonieren geben wollten, sind zwei Väter aktiv geworden: Sie erfanden ein Kinderhandy.

Das Gerät, das Christian Frey und Wolfgang Andrä entwickelt haben, sieht auf den ersten Blick überhaupt nicht aus wie ein Handy, sondern erinnert eher an einen modernen Autoschlüssel. Klein, kompakt, mit Anhängeröse und einem silbernen Druckknopf in der Mitte. Erhältlich in den Farben Grün, Blau, Pink und Schwarz. Amicoo heißt es und wird trotz seines untypischen Aussehens als Kinderhandy betitelt – weil das nun einmal der Begriff ist, wonach Menschen im Internet suchen. Und nicht etwa nach „Kommunikator“.

Kinderhandy soll Aktionsradius erweitern

Amicoo heißt frei übersetzt so etwas wie Begleiter. Und ein solcher soll das Handy auch sein. Es soll im Speziellen Grundschulkinder dabei unterstützen, schnell und einfach, mit nur einem Knopfdruck, zu Hause anrufen zu können, wenn dies nötig ist – beispielsweise weil sie nach der Schule lieber zu einem Freund anstatt nach Hause gehen wollen. „Wir wollten eine Möglichkeit schaffen, unseren Kindern das mobile Telefonieren und damit einen größeren Aktionsradius zu ermöglichen, ohne dass wir ihnen gleich ein Smartphone und damit den Zugang zum Internet mit anbieten müssen“, schildern Frey und Andrä ihre Beweggründe. Zwar gab es schon vor ihrer Erfindung spezielle Kinderhandys auf dem Markt, sie hatten jedoch aus Sicht der beiden Väter Schwachstellen. Also tüftelten sie an ihrer eigenen Version.

Herausgekommen ist Amicoo, das im Wesentlichen nur über drei Funktionen verfügt. Es können maximal drei eingespeicherte Rufnummern und man selbst angerufen oder über eine App geortet werden. Das war es. „Das ist ganz bewusst so gewählt, denn jüngere Kinder tun sich oft noch schwer, sich verschiedene Telefonnummern zu merken“, erzählt Christian Frey. Da Amicoo zudem nur über zwei Knöpfe verfügt, ist die Bedienung auch für kleinere Kinder ganz einfach. Selbst in Notsituationen und weil ein Knopfdruck genügt, um gleich mehrere Nummern in Folge anzurufen. Hebt auf der an erster Position gespeicherten Nummer niemand ab, wird automatisch die nächste Nummer gewählt. Damit das Gerät nicht durch ein Funkloch ausgebremst wird, wählt sich die integrierte SIM-Karte immer in das vor Ort stärkste Netz ein.

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Ortungsfunktion von Amicoo kommt bei Eltern an

Gut drei Monate nach Verkaufsstart hat Amicoo schon mehr Fans, als Frey und Andrä sich das gedacht hätten. Eine Farbe ist bereits vergriffen, es wurde nachbestellt. Viele Eltern würden vor allem die Funktion schätzen, das Gerät orten zu können. „Das gibt ihnen Sicherheit. Beispielsweise wenn das Kind später kommt als üblich, man aber über die App sehen kann, dass es auf dem Weg ist und offenbar nur trödelt“, sagt Frey. Bewusst sind sich die beiden aber auch, dass genau diese Funktion auf geteiltes Echo stößt.

Das bestätigt auch Michaela Zipper, stellvertretende Leiterin des Medienzentrums der Stadt Augsburg. „Ich kann als Mutter den Wunsch der Eltern nach Sicherheit und damit den Kauf solcher Geräte nachvollziehen. Gleichzeitig muss ich sagen, dass Kinder ihre Freiräume brauchen.“ Kinder müssten auch lernen, ungewohnte Situationen selbst und nicht per Knopfdruck zu meistern. Wollen sie nach der Schule noch mit zu einem Freund, könnten sie auch von dort anrufen und den Eltern Bescheid geben.

Kinder müssen an Digitale Medien herangeführt werden

Ergibt sich auf dem Nachhauseweg eine Notsituation, ist das kleine Kinderhandy vermutlich nicht auf die Schnelle verfügbar, weil es im Ranzen steckt. „Spätestens dann müssen die Kleinen lernen, sich anderweitig Hilfe zu holen. Beispielsweise, indem sie in einen Laden gehen und Erwachsene ansprechen“, so die Expertin.

Ein spezielles Kinderhandy hält Zipper – so wie seine Erfinder Frey und Andrä übrigens auch – nur für sinnvoll, wenn die Kleinen parallel auch mit der „Vollversion“, also einem richtigen Smartphone vertraut gemacht werden. „Unsere Kinder wachsen mit digitalen Medien auf. Das wird sich nicht mehr ändern. Also müssen wir darauf reagieren und sie im Umgang damit schulen und begleiten.“ Denn spätestens ab der fünften Klasse, so die Expertin, sind die Geräte kaum noch aus dem Leben der Kinder wegzudenken.

Smartphones werden kaum zum Telefonieren genutzt

Das bestätigt auch eine Erhebung von Statista, wonach bereits 75 Prozent der Zehn- und Elfjährigen sowie 95 Prozent der ab Zwölfjährigen ein eigenes Smartphone besitzen. Bei den Sechs- bis Siebenjährigen haben immerhin schon sechs Prozent ein eigenes Mobiltelefon. Bei den Acht- bis Neunjährigen sind es 33 Prozent. Viele Kinder benutzen das Smartphone dabei gar nicht zum Telefonieren, sondern zum Konsumieren von Medien wie Videos.

Christian Frey und Wolfgang Andrä sehen in der Studie eine Bestätigung ihrer Arbeit. Kinder müssen an das Medium Smartphone herangeführt werden, allerdings behutsam. Für den Übergang haben sie Amicoo als reinen Kommunikator geschaffen.

Im Übrigen, das haben die beiden Erfinder bei ihrer Reise auf den Markt festgestellt, gibt es noch eine weitere interessante Zielgruppe für das Gerät: Senioren. Amicoo könnte eine Alternative zum Hausnotruf werden.

Weitere Infos: https://amicoo.family.

Tipps zum sicheren und sinnvollen Umgang mit Smartphones, Tablet und Co. halten die Seiten klicksafe.de oder handysektor.de bereit.

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09.08.2019

Schon traurig wie sich die AA zum Shopping Kanal runter wirtschaftet.
Und irgendwie sind mir die Namen Christian Frey und Wolfgang Andrä in nicht so guter Erinnerung.

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