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TV-Show "Survivor"

20.09.2019

Augsburger macht in Überlebensshow mit - und krempelt sein Leben um

Volker Görnert hat im Jahr 2007 die dritte Staffel der nun auf VOX wieder angelaufenen Show "Survivor" gewonnen. Danach hat er das Leben mit ganz anderen Augen gesehen.
Bild: Volker Görnert

Volker Görnert war erfolgreicher Geschäftsmann. Dann kämpfte er in der TV-Show "Survivor" ums Überleben, was sein Leben veränderte. Wie er die Sendung heute sieht.

Als Volker Görnert nach fast zwei Monaten als Gewinner von der einsamen malaysischen Insel heimgekehrt ist, erkannte ihn seine Familie nicht mehr wieder. Nicht, weil sich der damals 50-Jährige körperlich so sehr verändert hätte. Vielmehr, weil er ein anderer Mensch geworden war.

Der bis dahin erfolgreiche Geschäftsmann hatte seine bisherige Philosophie über Bord geworfen, seine Denkweise geändert und begonnen, das Leben mit anderen Augen zu sehen. Durch die Abenteuershow "Survivor" habe er zu seinem wahren Ich gefunden, sagt der Mann mit kurzen grauen Haaren und dunkler Brille auf der Nase. Der mittlerweile 63 Jahre alte Augsburger sagt: "Nun bin ich da, wo ich immer sein wollte."

Als Sieger von "Survivor" gewann Volker Görnert eine Viertelmillion Euro

Als er sich damals bewarb, rechnete er nicht damit, tatsächlich als Kandidat in der Show des damaligen Senders ProSieben zu landen. Es sei eigentlich eine Idee seiner Tochter gewesen, die ihn und seine prahlerische Art herausfordern wollte. Mit einem Überlebenscamp, wie es in der Show stattfindet, hatte sich der selbstständige Werbemittelproduzent bis dahin noch nie befasst.

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Volker Kreuzner war Kandidat und Sieger der 2007 ausgestrahlten Show "Survivor".
Bild: Volker Görnert

In der Reality-Sendung (am Montag lief die erste Folge der neuen Staffel auf VOX) wird eine Gruppe von Kandidaten an einem abgelegen Ort ausgesetzt. In zwei gegeneinander antretenden Stämmen müssen sie auf Nahrungssuche gehen, mit ihren eigenen Händen Feuer machen, sich eine Unterkunft bauen und im übertragenen Sinn bis zum Finale überleben. In jeder Folge muss ein Kandidat gehen. Volker Görnert schaffte es, sich bis zum Schluss im Spiel zu halten. Noch nie hatte er etwas in dieser Art gemacht, und dennoch hat er am Ende gewonnen: eine Viertelmillion Euro.

Seine Töchter sind ohne ihn aufgewachsen, erzählt der damalige "Survivor"-Gewinner

Doch Geld war fortan nicht mehr so wichtig, wie Görnert sagt. In keiner Weise mehr so wichtig wie zuvor, als er noch ein materialistisches Leben führte: „Ich dachte es ist wichtig, ein eigenes Haus zu haben. Zwei Autos, oder drei.“ Egal, ob als Druckereibesitzer, Agenturchef, Sonnenstudiobetreiber oder Inhaber einer Videothek: Als selbstständiger Unternehmer habe er täglich zwölf bis fünfzehn Stunden gearbeitet. Alles zum Leidwesen seiner Familie: „Ich habe vier Töchter, die alle ohne mich groß geworden sind. Das ist schrecklich“, sagt der 63-Jährige. Seine zahlreichen Berufe wechselte er regelmäßig – nichts erfüllte ihn. Nachdem er von der Insel zurückgekehrt war, kehrte er auch diesem Leben nach und nach den Rücken.

Es sei ein richtiger Kulturschock gewesen, von "Survivor" wieder ins richtige Leben zurückzukommen. Durch den isolierten Alltag auf der Insel im südchinesischen Meer hätten seine Routinen nicht mehr funktioniert: "Ich habe hier jedem alles geglaubt, hab keine Witze mehr verstanden, konnte nicht mehr als drei Stunden arbeiten", zählt Görnert auf. Für ein halbes Jahr habe er kaum noch ein Wort gesprochen: "Die Leute haben sowieso nicht verstanden, was ich erzählen wollte, also konnte ich auch gleich die Klappe halten."

In einem Buch verarbeitete er seine Erlebnisse aus der Show

Mittlerweile redet er umso mehr. Auch, weil er seine Geschichte in einem Buch unter dem Pseudonym Volker Kreuzner verarbeitet hat: "Crusoe 2.0 - How to survive". Die Erlöse gehen vollständig an einen guten Zweck. In dem Buch schildert er seine Eindrücke von der damaligen TV-Show und beschreibt in Rückblicken auf sein Leben vor und nach der Insel sich selbst als Menschen. Die Einnahmen daraus spendet er an seine Stiftung namens Tengah Foundation, die philippinischen Kindern Bildung ermöglicht. Nebenbei arbeitet er als Fahrdienst für Menschen mit Behinderung, als Social-Media-Dozent und liest aus seinem Buch. Aber nie mehr als drei Stunden am Tag. Die dazugewonnene Zeit investiere er in seine zweite Frau und seine Kinder - das sei ihm wichtiger.

Aya Faith Dellava ist eines der Kinder, die mit der Stiftung von Volker Kreuzner gefördert wird. Die Stiftung gründete der ehemalige Geschäftsmann nach dem Sieg der Show.
Bild: Volker Görnert

Volker Görnert ist froh darüber, was die Show "Survivor" aus ihm gemacht hat. Aber ist an solchen Reality-Formaten nicht vieles, wenn nicht sogar alles, willentlich von den Produzenten herbeigeführt? "Damals war fast alles echt", sagt Görnert. Sie mussten sich selbst mit Essen versorgen, was nicht selten zu Durchfall führte. Ein Kandidat habe sich den Knöchel gebrochen, weil er von einer Klippe in die Tiefe springen musste. Ein anderer musste gehen, weil er zusammengeklappt sei. Er selbst hatte drei Tage eine Art Ausschlag, weil ihn ein Tier im Wasser gestreift hat, sagt der Augsburger.

Es gab klare Regeln, aber sonst "hat uns Pro Sieben unser Ding machen lassen". Mal hätten die Kandidaten vom Sender etwas Reis zugeschoben bekommen, was nicht erlaubt war. Das sei das einzige gewesen. Aber laut Görnert könnte diese liberale Herangehensweise der maßgebliche Grund gewesen sein, warum "Survivor" damals floppte. Die Einschaltquoten starteten bereits schwach und brachen nach wenigen Folgen komplett ein. Über ein Jahrzehnt später versucht nun der Sender VOX sein Glück mit dem Format. Wird es dort ähnlich liberal aufgezogen, wie einst auf Pro Sieben?

Für Formate wie "Survivor" müssen sich deutsche TV Sender grundlegend verändern

"Ich denke, dass so ein teures Format nicht ganz ohne Lenkung bleiben kann", sagt Görnert. Er könne sich daher gut vorstellen, dass die Produzenten von VOX Regieanweisungen geben. Er habe nicht den Eindruck, dass die jetzigen Teilnehmer authentisch sind - dabei wäre das doch das Allerwichtigste an dem Format, findet der Gewinner von 2007. Daher glaubt er nicht, dass VOX, der mit der viertel Staffel nun ebenfalls schwach gestartet ist, die Sendung hierzulande bei einem breiten Publikum etablieren kann.

Aus seiner Sicht müssten sich zwei Sachen grundlegend ändern: "Einerseits müssen die TV-Sender ehrlicher und glaubwürdiger arbeiten." Außerdem sei die Herangehensweise "Das Spiel ist alles, die Kandidaten nichts" falsch. "Als Zuschauer möchte ich mich mit dem Kandidaten identifizieren und mitfiebern", sagt Görnert. Seine Idee wäre es, die Show ähnlich wie im US-Original aufzuziehen. "Dort werden die Kandidaten schon Wochen, bevor die Sendung überhaupt startet, vorgestellt und die Zuschauer ständig auf dem Laufenden gehalten", sagt er. Dann sei 'Survivor' die beste Show der Welt. Dann, wenn man sie lässt.

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