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Interview

27.09.2019

Bäckerei-Chef Willi Ihle spricht über Erfolg, Familie und Pläne

Willi Ihle ist ein Mensch, der Stillstand nicht leiden kann und gerne immer wieder etwas Neues ausprobiert.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Willi Ihle erzählt, warum Neugier wichtig und Erfolg manchmal schwer zu vermitteln ist. Zudem räumt der Unternehmer, der 50 Jahre alt wurde, mit einem Gerücht auf.

Herr Ihle, Sie waren gerade in Ihrer Mittagspause beim Wasserskifahren auf der Anlage am Friedberger Baggersee. Machen Sie das öfters?

Wilhelm-Peter Ihle: Wenn ich zwischendurch Zeit habe, ja. Eine Stunde auf dem See ist für mich wie Urlaub.

Wie gut fahren Sie denn?

Ihle: Ich kann Wasserski, Wakeboard, fahre auf dem Surfbrett und Trickski. Jetzt gerade lerne ich Monoski. Das ist ein Rennski. Ich versuche mit Tempo 54 auf dem See über die Runden zu kommen.

Sind Sie ein Adrenalin-Junkie?

Ihle: Ich probiere immer wieder gerne etwas Neues aus, sonst wird es mir langweilig. Ich habe ein Lebensmotto: Wenn jemand nur das tut, was er kann, dann bleibt er, wie er ist. Und ich will neugierig bleiben.

Privat hat sich bei Ihnen auch einiges getan. Ihre Frau und Sie haben unlängst noch mal Nachwuchs bekommen ...

Ihle: Ja. Vor einigen Wochen wurde ich Vater einer wunderschönen Tochter. Und unser Sohn ist jetzt knapp zwei Jahre alt. Er ist ein kleiner Räuber, sehr temperamentvoll und eigensinnig. Er zeigt viel Charakter.

Willi Ihle über den Segen der späten Vaterschaft

Sie haben aus erster Ehe drei Söhne. Der älteste ist 18 Jahre alt. Wie ist es, noch einmal Vater zu werden?

Ihle: Der Segen einer späten Vaterschaft ist, dass ich die Kinder noch bewusster wahrnehme. Ich setze Prioritäten deutlicher als in der Vergangenheit. Dabei geht es nicht um die Quantität der Zeit, sondern um die Qualität. Neulich war ich mit meinen drei älteren Kindern in Israel. Das war eine tolle Zeit, die uns keiner nehmen kann.

Am Freitag feiern Sie im Gögginger Kurhaus mit Familie und Freunden Ihren 50. Geburtstag. Macht diese Zahl etwas mit Ihnen?

Ihle: Die ist mir egal. Ich habe eine gute Zeit, wie selten in meinem Leben. Dafür bin ich sehr dankbar. Und ich hoffe auf neue Herausforderungen, damit das Leben so interessant bleibt, wie es ist.

Das gilt sicherlich auch für das Familienunternehmen, die Landbäckerei Ihle, die Sie zusammen mit Ihrem Bruder Alexander Ihle führen?

Ihle: Ja, wir haben beruflich einiges vor. In Gersthofen haben wir bereits vor Jahren Europas modernstes Backwerk errichtet. Wir sind dort gerade in der Planung für ein zweites Werk. Im März 2020 soll Spatenstich sein.

Nigina und Willi Ihle sind noch einmal Eltern geworden.
Bild: Peter Fastl

Warum ein zweites Werk?

Ihle: Unsere Kunden fragen nach weiteren Angeboten. Wir würden unsere Backwaren gerne über die schwäbische Region hinaus verbreiten. Zudem ist die Anforderung an Hygiene und Produktsicherheit heutzutage sehr hoch. Wir sehen am ersten Werk, wie tadellos dies gewährleistet wird. Wir haben dort derzeit 250 Mitarbeiter. Das sind Bäckermeister, aber auch Lebensmitteltechnologen, Ökotrophologen und Mechatroniker.

Lassen Sie auch im Ausland produzieren?

Ihle: Dieses Gerücht kursiert immer wieder. Das ist Humbug. Wir stellen alles in Gersthofen und in unserer Manufaktur in Friedberg her. Der Großteil unseres Getreides wächst vor der Haustür. Wir arbeiten mit zahlreichen Landwirten und mit drei Mühlen aus der Region zusammen. Nachhaltigkeit ist für mich wichtig.

Wie passt der Begriff Landbäckerei zu so einem modernen, technologisierten Unternehmen?

Ihle: Nur weil eine Breze automatisch geschlungen wird, ändert das nichts an ihrer Qualität. Die Zutaten bleiben gleich. Wie der Knoten reinkommt, ist egal. Der Prozess musste automatisiert werden. Die Bereitschaft, sich an ein Fließband zu stellen und den ganzen Tag Brezen von Hand zu drehen, ist nicht gerade groß. Auch Bäckereien haben das Recht auf Fortschritt.

Das klingt ein wenig kämpferisch.

Ihle: Ich habe oft den Eindruck, dass Bäcker eine romantische Vorstellung bedienen müssen. Der Bäcker als ein Mann mit kleinem Bauchansatz und Mehl in den Haaren. Aber wenn du als Bäckerei zukunftsfähig sein willst, musst du den Fortschritt zulassen. Allerdings ist Größe nicht allen Menschen sympathisch. Auf der einen Seite sind wir stolz wie Oskar auf unseren Erfolg. Auf der anderen Seite ist es manchmal schwer, den Erfolg zu vermitteln.

Wilhelm-Peter Ihle und Alexander Ihle (von links) sind Geschäftsführer der Landbäckerei Ihle.
Bild: Silvio Wyszengrad

"Eine Breze ist eine Frage des Geschmacks"

Bei manchen Augsburgern scheiden sich die Geister ob die Ihle-Breze besser schmeckt oder die anderer Bäcker. Was sagen Sie dazu?

Ihle: Das ist eine Frage des Geschmacks. Wir verwenden heute noch die Rezeptur unseres Großvaters: Mehl, Wasser, Salz, Hefe und die Lauge. So war das vor hundert Jahren und so wird es bleiben. Der entscheidende Punkt bei der Breze ist das Verfahren. Da gibt es Geheimnisse.

Und was ist nun der Unterschied zu anderen Brezen?

Ihle: Eine Ihle-Breze ist nie älter als eine Stunde. Sie wird immer frisch vor Ort gebacken.

Ihr Bruder und Sie sind Unternehmer mit über 2000 Beschäftigten. Sind Sie selbst eigentlich Bäcker?

Ihle: Natürlich. 1986 habe ich das schöne Handwerk von der Pike auf gelernt. Meine Mitarbeiter sagen immer, dass man mir nichts vormachen kann. Der Duft frischen Brotes ist für mich der schönste Duft, den man riechen kann.

Backen Sie daheim für Ihre Familie?

Ihle: Meine Frau klagt manchmal, dass ich noch nie etwas für sie gebacken habe. Das stimmt nicht ganz. Einmal gab’s selbst gemachte Lebkuchen.

Stimmt es, dass Sie Ihre Frau kennen lernten, als sie für Ihr Unternehmen modelte?

Ihle: Sie hatte für eine Werbekampagne von uns gearbeitet. Als ich ihre Bilder sah, erkannte ich sie wieder. Ich hatte mit ihr auf der Party eines Freundes schon mal einen Tanz gewagt. Das ist jetzt über elf Jahre her.

Wo leben Sie mit Ihrer Familie?

Ihle: Wir waren einige Zeit in München, sind aber jetzt wieder in Augsburg. Hier ist mein Lebensmittelpunkt.

Wie lange geht eigentlich die Wassersport-Saison auf dem Friedberger Baggersee?

Ihle: Bis Oktober. Ich habe auch einen dicken Neopren. Sonst ist es mir zu kalt. So ein ganz harter Bursche bin ich dann doch nicht.

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