1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Baumschützer wollen der Stadt auf die Finger schauen

Augsburg

27.06.2018

Baumschützer wollen der Stadt auf die Finger schauen

Copy%20of%20HocRM2A3246(1).tif
3 Bilder
Am Herrenbach hat die Stadt Ende Mai in einer Eilaktion 27 Bäume gefällt, insgesamt sind 96 Bäume zur Fällung vorgesehen. Die Entscheidung der Stadt löste Proteste aus.
Bild: Michael Hochgemuth (Archiv)

Nach den Fällungen am Herrenbach hat sich ein Verein aus Aktivisten gegründet. Sie wollen weitere Rodungen verhindern und kritisieren das Vorgehen der Behörden.

Nach der ersten Fällaktion von Bäumen am Herrenbachufer vor wenigen Wochen wollen Bürger nun weitere für den Herbst angekündigte Baumfällungen verhindern: Man wolle selbst ein Gutachten zum Zustand von Bäumen und möglichen Umbauten der Betonwände des Herrenbachs einholen, kündigte Anwohnerin Susanne Altmann an. Inzwischen ist ein Verein namens „Baumallianz Augsburg“ in Gründung, der der Stadt beim Thema Baumfällungen künftig genau auf die Finger schauen will.

Baumfällungen: Aktivisten fordern mehr Transparenz der Stadt

Unter anderem verlange man mit Verweis auf die Informationsfreiheitssatzung, den Schriftverkehr aller beteiligter Behörden zu den Herrenbach-Baumfällungen vorgelegt zu bekommen, so Vorsitzende Altmann. „Das bisherige Vorgehen der Stadt ist eine Aufforderung an die Bürger, selbst aktiv zu werden“, sagt Bruno Marcon, der ebenfalls im Verein aktiv ist und bereits bei mehreren Bürgerbegehren – zuletzt gegen die Energiefusion von Stadtwerken und Erdgas Schwaben – engagiert war.

Die Stadt hatte Ende Mai in einer Eilaktion 27 Bäume gefällt, ab Herbst sollen weitere 69 Bäume fallen. Grund ist, dass Experten fürchten, dass Bäume bei Starkwind umfallen könnten und Teile des herausgerissenen Wurzelwerks ein Loch in die Kanalwand brechen könnten.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

"Gefahr im Verzug" - Zweifel an Argumentation der Stadt

Das Problem ist, dass der Herrenbach auf einem Teil der 650 Meter langen Strecke zwischen Friedberger und Reichenberger Straße höher als das umgebende Areal liegt und durch einen Damm in seinem Bett gehalten wird. Nachdem die Stadt zunächst immer den Herbst als Fällungszeitpunkt in den Raum gestellt hatte, fuhren vor einigen Wochen überraschend die Baumfällmaschinen auf. Die Stadt begründete die „Gefahr im Verzug“ damit, dass zunächst geplante Interims-Lösungen wie das Ablassen des Kanals bei Sturmwarnung nicht funktionieren würden.

Die Baumallianz hält die Argumentation für fragwürdig. Dass es drei Stunden dauere, den Kanal abzulassen, wie von der Stadt vorgetragen, könne man nicht nachvollziehen.

Möglicherweise sei es der Stadt ganz recht gekommen, dass es beim ersten Versuch aufgrund fehlender Erfahrung mit dem Absperren von nur einem Bach länger gedauert habe. „Gegebenenfalls muss man eben moderne Schleusen installieren, die automatisch heruntergefahren werden“, so Altmann. Man sehe auch klar die Notwendigkeit von Hochwasserschutz, so Marcon. „Aber die bisherigen Erklärungen reichen uns nicht aus.“ Ein Teil der Anwohner hatte die Fällungen aus Gründen des Hochwasserschutzes begrüßt. Am 16. Juli ist eine Info-Veranstaltung der Baumallianz im Herrenbach geplant.

Kritiker der Bumfällungen ärgern sich über Vorgehen

Abgesehen von der inhaltlichen Diskussion, ob die Bäume fallen mussten oder nicht, kritisiert der Verein das Vorgehen der Stadt. Es spreche Bände, dass bei der städtischen Info-Veranstaltung am Vorabend des Fällungsbeginns ein Sicherheitsdienst vor Ort gewesen sei und der städtische Pressesprecher gleich zu Beginn verkündete, dass man nicht gekommen sei, um über das „ob“ zu diskutieren. „Und das passiert in einer Stadt, die ständig vor sich herträgt, die Bürger zu beteiligen. Wer so vorgeht, zeigt aber nur, dass er von Bürgerbeteiligung nichts verstanden hat“, so Marcon.

Vor diesem Hintergrund sehe man die Notwendigkeit, Entscheidungen der Stadt beim Thema Baumfällungen generell stärker zu hinterfragen. Es falle schon auf, dass in letzter Zeit massiv gefällt werde, sei es am Theater, am Flößerpark, auf dem Martini-Areal und beim Tennisclub Augsburg. Auch in der Halderstraße finde man inzwischen keine Bäume mehr. Auch die Pläne für die Fuggerstraße (Fällungen der Doppelreihe mit alten Bäume und Neupflanzung von vier Baumreihen) sehe man kritisch. Umweltreferent Reiner Erben (Grüne) habe inzwischen jede Glaubwürdigkeit verloren. Erben war nach einer Verfügung von Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) für die Fällungen verantwortlich. Er kündigte inzwischen ein weiteres Gutachten an, das prüfen soll, ob noch Bäume erhalten werden können. Das Grünamt hatte zuvor schon Vorschläge zum Baumerhalt gemacht, die das Tiefbauamt aber als ungenügend ansah.

Marcon sagt, dass man sich nicht als Verhinderer von Stadtentwicklung sehe. In der Stadtplanung sei schon längst angekommen, dass Grün Städte attraktiver mache. „In Augsburg ersetzt aber das Betonieren die Grünentwicklung.“ Nötig sei mehr Kreativität zur Erhaltung von Grün. „Das kann auch bedeuten, dass man bei einem Neubau das Gebäude um eine Baumgruppe herumbaut, statt sie sie dafür zu fällen.“

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren