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Suchtprävention

10.11.2011

Betrunken – peinlich oder cool?

Voll verliebt und voll betrunken: Lea und Fab überwinden ihre Schüchternheit mit Alkohol.
Bild: Foto: Daniela Tiggemann

600 Schüler sehen Theaterstück

Oberhausen Auf der Bühne ist der Weg in den Alkoholrausch kurz: Die 14-jährige Lea verliebt sich, trinkt zum ersten Mal mit ihrem Freund, hat kurze Zeit später ihren ersten Rausch und fällt dann ins Koma. Doch wo andere Theaterstücke enden, beginnt für die vier Schauspieler vom Theater thevo erst das Thema. Wie reagieren die Freunde, die Mutter von Lea? Welche Reaktion gibt es im Sozialen Netzwerk auf ein Nacktvideo der Betrunkenen? Und wie geht ihre Liebesbeziehung zu Fab weiter?

Die Aufführungen sind ein Teil des Programms zur Suchtprävention der Stadt Augsburg, verbunden mit Workshops, in denen die Schüler die Darstellungen aufgriffen. Vor rund 600 Schülern in Augsburg – in der Löweneck- und der Bärenkeller-Mittelschule sowie der Berufsschule I – spielten die Nürnberger Jugendtheater-Profis ihr interaktives Stück zum Thema Alkoholmissbrauch. Und bei jeder Vorstellung läuft es anders. Denn es gelingt den Darstellern erstaunlich gut, ihr Publikum zum Mitspielen und Mitdenken zu verführen.

Anderthalb Stunden waren die Schüler der 9. Klassen der Löweneck-Mittelschule aufmerksam dabei, als auf der Bühne die Frage nach der Darstellung in Sozialen Netzwerken und nach dem Gruppendruck fast nebenbei und sehr lustig abgehandelt wurden. Zentrale Figur des interaktiven Stücks ist der Lehrer des Unterrichtsfachs „Glück“, das tatsächlich an wenigen Schulen in Deutschland eingeführt wurde.

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Auf die Frage des „Lehrers“ (Uwe Weber) nach „Glück“ wissen die Schüler erst mal nur naheliegende Antworten wie Essen, Schlafen, Nachhausegehen. Aber auf seine bohrenden Nachfragen ins Publikum werden die Antworten differenzierter: Macht Telefonieren wirklich glücklich? Die Grenzen zwischen Theater und Realität werden dann unter dem Eindruck der Szenen weiter verwischt, die Schauspieler tauchen im Publikum unter und sprechen so mit den Schülern oder holen sie zum Mitspielen auf die Bühne.

Die Jugendlichen kennen den Gruppenzwang

Auch hinterher ist das Gespräch noch lebendig. Die Mädchen fühlten sich mehr als die Jungs von manchen Szenen abgestoßen: „Betrunken am Boden – das ist für ein Mädchen doch voll peinlich“, sagt die Schulsprecherin Nazende. Alle Schüler kennen Betrunkene – „wir wohnen in Oberhausen“ meinen sie dazu nur. Aber nur Ariane aus der 9. Klasse gibt zu, auch schon Gleichaltrige auf dem Weg ins Krankenhaus erlebt zu haben.

Wie diese beiden kennen auch Pinar und Petek den dargestellten Gruppenzwang vor allem beim Thema Zigaretten. „Wenn du mitmachst, bist du cool, sonst bist du Außenseiter“ erklärt Pinar. „Stärke zeigen“ empfiehlt Ariane gegen den Druck.

Aber Nazende weiß, dass vor allem die Jungs da schwer rauskommen. „Da ändert auch ein Theaterstück wenig. Die Mädchen denken darüber nach, aber die Jungs wollen ihren Stolz nicht verlieren“.

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