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Braukunst

08.10.2018

Bier aus Augsburg schmeckt auch in Amerika

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Matthias Gruber importiert besondere Biersorten. <b>Fotos: Bernd Hohlen</b>

Der Bierkonsum ist rückläufig, Brauereien suchen deshalb nach neuen Vertriebswegen. Das Ausland könnte ein neuer Markt sein, doch der Zugang ist für kleine, lokale Betriebe meist schwer. Aber manchmal hilft der Zufall

Biersorten nach Nord-Amerika verkaufen ist ein bisschen wie Kühlschränke in die Arktis liefern. Der Augsburger Brauerei Riegele ist das trotz des riesigen US-Inlandangebotes aber gelungen. „Unfreiwillig“, wie Riegele-Chef Sebastian Priller erzählt. Ein Freund hatte Riegele-Bier mit nach Amerika genommen und wie das manchmal so geht... Die Augsburger „Bierspezialitäten“ kommen dort mittlerweile so gut an, dass die „New York Times“ ausführlich über Keller-, Zwickel- und Craftbier berichtete und Riegele war mittendrin. Die Augsburger nennen ihre Biere aber nicht „Craftbier“ sondern „Brauspezialitäten“. „Craft“ heißt „Handwerk“ und ist ein Hinweis darauf, dass kleine und kleinste Brauereien besondere Biere brauen. Beim Craftbier wird Aromahopfen verbraut und es gibt Zusätze wie Orangenschalen, Kaffeebohnen und vieles mehr.

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Auch die „Brauerei Ustersbach“ (Landkreis Augsburg) ist im Exportgeschäft tätig und beliefert einen europäischen Landstrich, den man mit Bier zunächst überhaupt nicht in Verbindung bringt. „Seit 1998 liefern wir Fass- und Flaschenbier in die französische Champagne“, sagt Wolff-Ullrich Hoppert, Verkaufsleiter der Brauerei.

Nachdem der Bierabsatz die letzten zehn Jahre in Deutschland um elf Prozent zurückgegangen ist, entwickeln die Brauereien neue Methoden und Vertriebswege für ihr Produkt. Manchmal ganz unfreiwillig. „Wir liefern zwar seit dreißig Jahren Bier nach Italien, aber das Überseegeschäft ist für eine kleine Brauerei, wie wir es sind, logistisch schwierig“, sagt Sebastian Priller. Dass sie diesen Vertriebsweg erst lernen mussten, zeigt das Malheur bei der ersten Lieferung, als der Schiffs-Container ganz nach oben verladen wurde. Die Sonne ließ die meisten Flaschen im Container platzen.

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Mit Amerika hat Riegele einen ganz besonderen Markt erschlossen, Dort gibt es nämlich eine riesige Szene für besondere Biersorten, die sich seit den 1980er-Jahren entwickelt hat. Manche Brauereien dort können daher ganz auf Vertriebswege verzichten. „Der Kunde holt sein Bier direkt ab. Das muss man sich so vorstellen, als wenn bei uns ein neues I-Phone im Verkauf ist“, sagt Matthias Gruber vom Augsburger Importeur für besondere Biere, „Liquid-Hops“ im Martinipark. Die Leute stehen Schlange. „Davon sind wir in Augsburg weit entfernt. Selbst angesagte Clubs wollten unsere Craftbiere zunächst nicht anbieten, meint Matthias Gruber. Warum? „Wir sind in Augsburg“, sagt er und lacht. Die Craftbier-Szene sei aber sehr gut über das Internet verbunden. „Wir haben einmalig ,Three-Floyds-Bier‘ aus dem US-Staat Indiana im Angebot gehabt, da waren die Bier-Paletten innerhalb von wenigen Stunden verkauft“, erzählt er.

Also doch Schlangen von Kunden. „Ja, aber die kamen aus ganz Bayern“, sagt Gruber, der mit „Liquid Hops“ – wie berichtet – auch selbst Craftbier braut. Es nennt sich „Frau Gruber“. Die Sorten haben interessante Namen: „Yeast is King“ (die Hefe ist König) oder „Sunrise to Sunset“ (Von Sonnen-auf- bis Sonnenuntergang). Bei Riegele bevorzugt man bei der Namensgebung dagegen lateinische Begriffe: „Ator 20“ oder „Ipa Liberis 2+3“ steht auf den Etiketten. Die Biere sind namentlich so interessant wie ihr Geschmack.

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