1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Boris Grimberg spielt am Brett oft alles oder nichts

11.09.2008

Boris Grimberg spielt am Brett oft alles oder nichts

Im Schach wird fast jeder Zug danach bewertet, ob durch das veränderte Stellungsbild "etwas droht". Werden "Drohungen" überschätzt, führen sie zu passiven oder schlechten Zügen. "Die Drohung ist stärker als ihre Ausführung!" In der Schachgilde gehört diese scheinbar banale Erkenntnis zum täglichen Brot der Stellungsanalyse.

Der neue bayerische Meister, Boris Grimberg, hat sich diese Erkenntnis zum Credo gemacht. Er bevorzugt scharfe Varianten mit vielfältigen Drohungen und taktischen Wendungen.

"Taktiksau" werden diese Spieler in der Szene respektvoll genannt. Alles oder nichts; Triumph oder Tragödie, laue Remispartien sind verpönt. Kein Wunder, dass dem 19-jährigen Grimberg die Sympathien der Zuschauer zufliegen. Bei ihm brennt das Brett meist lichterloh. Bei der bayerischen Meisterschaft im Vorjahr wurde Grimbergs Vizetitel noch als "kleine Sensation" bewertet, doch nach seinem frechen Auftritt bei der deutschen Meisterschaft im Februar waren die Erwartungen seines Umfeldes und seiner Fans eher unbescheiden. Zu Recht: Grimberg spielte bei der 79. bayerischen Einzelmeisterschaft in Bad Neustadt an der Saale spektakuläres Angriffsschach und verwies die starke Konkurrenz mit einem halben Punkt Vorsprung auf die Plätze.

Vier Siege in Folge sicherten Grimberg vor der Schlussrunde den ersten Platz, den er mit einem Remis gegen das Münchner Supertalent Julian Jorczik zu verteidigen wusste. In der vorletzten Runde gab es Theater außerhalb des Bretts: Wegen des klingelnden Handys seines Gegners, der den Schiedsrichterspruch (Partie wurde sofort zugunsten Grimbergs gewertet) nicht sofort akzeptieren wollte, wurde es im Turniersaal ein wenig laut. Grimberg nahm den Fauxpas seines Gegners eher gelassen: "In dieser Runde hab ich zweimal gewonnen, einmal am grünen Tisch und dann noch bei der Analyse."

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Als der Jugendnationalspieler Jorczik im entscheidenden Endspiel in schwerer Zeitnot und nicht mehr gewinnbarer Stellung mit seinem Remisangebot Boris Grimberg zum bayerischen Meister kürte, quälte sich der für den TSV Haunstetten spielende Grimberg vier lange Minuten bis zur Annahme des Angebots, das den sicheren Titelgewinn bedeutete. "Ich wollte in dieser Stellung eigentlich die Partie zu Ende spielen."

Tabellen und Einzelergebnisse unter www.schachbund-bayern.de

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20Kloster_Wettenhausen_Okt15_103.tif
KuriosesAZ-

Altes analoges Telefon trifft auf neue digitale Welt im Amt

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen