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Augsburg

28.11.2018

Bürgertalk zum Holl-Platz: "Lage spitzte sich zu, weil sie verharmlost wurde"

Oberbürgermeister Kurt Gribl spricht beim Bürgertalk mit Anwohner Jürgen Benthele und dessen Tochter Ida.
Bild: Silvio Wyszengrad

Anwohner fühlen sich am Elias-Holl-Platz von Jugendlichen belästigt. Wie sie beim Gespräch im Rathaus mit OB Kurt Gribl die Lage schildern.

Wie geht es am Elias-Holl-Platz weiter? Nachdem Anwohner gegenüber unserer Redaktion über die Zustände an dem Platz unterhalb des Rathauses ausgepackt haben, hat Oberbürgermeister Kurt Gribl ( CSU) das Thema zur Chefsache erklärt. Er lud am Mittwochabend zu einem Bürgergespräch ins Rathaus ein, um sich die Sorgen der Bürger anzuhören und mit Experten eine Lösung zu finden. Zum Ende versprach er: "Wir werden liefern."

Rund 80 Augsburger kamen zu dem öffentlichen Gespräch. Darunter rund 30 Anwohner und viele weitere Bürger, die die Problematik Lärm und Missstände auf öffentlichen Plätzen interessiert. Oberbürgermeister Kurt Gribl betonte, dass er nicht zum Bürgertalk eingeladen habe, weil er seinen Referenten etwa misstraue. „Ich arbeite mit den Kollegen sehr gut zusammen.“ Aber als Chef der Verwaltung sei er für die Bürger verantwortlich.

Wie bereits berichtet, fühlen sich Anwohner und Geschäftsleute am Elias-Holl-Platz wie auch Passanten seit längerem von Jugendgruppen drangsaliert. Diese treffen sich dort vor allem in den Abendstunden. Es sind junge Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Es wird von Lärm, Alkohol- und Drogenkonsum berichtet und von aggressivem Verhalten. Die erste Anwohnerin, die zu dem Thema auf dem Podium neben Gribl das Wort ergriff, war die neunjährige Ida Benthele.

Neunjährige berichtet von Erfahrungen mit lauter Musik am Elias-Holl-Platz

„Immer wenn ich schlafen will, laufen welche mit lauter Musik herum. Und wenn es im Sommer heiß ist, muss ich das Fenster zu lassen“, sagte das Mädchen. Ihr Vater Jürgen Benthele ergänzte, dass die Situation am Elias-Holl-Platz immer schlimmer werde. „Die Szene hat sich dort inzwischen richtig etabliert. Mit denen zu reden bringt nichts mehr“, so seine Erfahrung.

Der Anwohner glaubt, dass man die Lage zunächst nur durch harte Kontrollen in den Griff bekommen kann. „Dann erst kann man ein Konzept für den Platz entwickeln.“ Das sei aus seiner Sicht absolut notwendig. „Der Holl-Platz sieht inzwischen aus wie eine Abstellkammer und ein Parkplatz und nicht wie ein städtischer Platz.“ Anwohner Zoran Kikic berichtete, dass er auch schon mal angegriffen wurde. Er sprach von Zuständen, die er in anderen Großstädten so noch nie erlebt habe.

Könnte ein Alkoholverbot am Elias-Holl-Platz helfen?

Dirk Schmidt, Leiter der Polizeiinspektion-Mitte betonte, dass sich niemand in Gefahr begeben müsse. Er appellierte an die Bürger, gegebenenfalls die Polizei zu rufen. Zudem versprach er, sich für das kommende Frühjahr an dem Platz stärker aufzustellen. Die Polizei berichtete unserer Redaktion von einem steigendem Einsatzaufkommen von 30 Prozent in diesem Jahr. 84 Mal seien die Kollegen von Mai bis September zu dem Platz unterhalb des Rathauses ausgerückt. Dabei gehe es weniger um Straftaten, sondern vielmehr um Ordnungsstörungen.

Viele der Jugendlichen hätten sich früher eher am Königsplatz getroffen. Aber durch die verstärkte Polizeipräsenz dort, seien sie zum Elias-Holl-Platz weitergezogen. Seinem Ärger Luft machte Oliver Ganteför auf dem Podium, der den Ratskeller am Elias-Holl-Platz betreibt. Er sagte, dass es inzwischen auf dem Platz nicht nur Lärm, sondern auch Drogenkonsum gebe. Er kritisierte, dass sich die Lage nur so zuspitzen konnte, weil sie zu lange verharmlost wurde.

Wurm denkt an bessere Beleuchtung und an einen Nachtmanager

Der Gastronom gab die Anregung, abends dort ein Alkoholverbot einzuführen – ein rechtliches Mittel, das Städte und Kommunen nutzen können. OB Gribl versprach, dies bei einem anschließenden Arbeitstreffen mit seinen Referenten-Kollegen und den Experten von Polizei und Streetworkern zu besprechen. In dieser Runde soll nach dem Bürgergespräch ein Konzept erarbeitet werden, wie man die Lage auf dem Platz in den Griff bekommen kann. Ordnungsreferent Dirk Wurm (SPD) hatte am Abend schon zwei konkrete Vorschläge im Gepäck: Den Platz besser beleuchten vielleicht einen sogenannten Nachtmanager einzuführen, wie es ihn in anderen großen Städten auch schon gibt. Dieser soll nachts längere Zeit vor Ort präsent sein und Kontakt zu den Jugendlichen knüpfen. "Er soll die Lücke zwischen Stadtjugendring und Polizei schließen." Denn Ordnungsdienst, Streetworker und Polizei könnten keine Dauerpräsenz gewährleisten.

Hier finden Sie Fragen und Antworten zum Bürgertalk: Was hat der Bürgertalk zum Elias-Holl-Platz gebracht?

Oberbürgermeister Gribl: "Wir werden liefern"

Weitere Ansatzpunkte, die an dem Abend erarbeitet wurden, waren Angebote zu schaffen, wo sich Jugendliche mit oder ohne Migrationshintergrund begegnen können, und das Thema Alkoholverbot sowie Alkoholverkauf an den Tankstellen. Laut OB Gribl will man sich im Januar zu Workshops treffen, um die Ergebnisse des Abends in ein Konzept umzusetzen. Das Ergebnis soll, so Gribl, Ende Januar mitgeteilt werden. "Wir werden liefern", sagte Gribl mit Nachdruck. "Das ist selbstverständlich."

Wir haben den Bürgertalk zum Elias-Holl-Platz im Live-Blog begleitet. Hier können Sie unseren Ticker nachlesen.

Lesen Sie zum Thema auch: Zahlen der Polizei: Wie gefährlich ist es auf Augsburger Plätzen?

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Die Diskussion ist geschlossen.

30.11.2018

Jugendliche die sich in einer Stadt rumtreiben. Oh Oh, was ist denn da los?!
Es ist doch ganz normal das sich Treffpunkte von Menschen bilden. Ob es der Königsplatz- Helmut Haller Platz, Rathausplatz oder sonst wo ist....klar nerven die Musik-Anlagen, weiß auch nicht was das immer soll. Paar mal das Ordnungsamt oder Polizei vorbei schicken und gut ist. Die jungen Leute wollen doch kein Ärger oder Stress. Augsburg will immer die tolle große Stadt sein aber es soll dann doch bitte keiner Lärm oder Müll machen...das gehört nunmal dazu :D

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29.11.2018

Den geschilderten Ärger der Anwohner kann ich nachvollziehen. Und diese Belastung ist nicht hinzunehmen! Gut, dass die Stadt und der OB sich kümmern wollen.

Dem Missbrauch des Thema muss aber auch widersprochen werden. Ein Italiener sollte aus der Entfernung sich keine Urteile anmaßen. Und natürlich sind junge Menschen aus Deutschland wie aus dem Ausland manchmal unangepasst laut. War ich vor Jahrzehnten manchmal auch. Und natürlich habe ich kein Problem, zu jeder Stunde am Tag oder in der Nacht über den Elias-Holl-Platz zu gehen.

Auch in Pfersee gibt es gerade in der wärmeren Jahreszeit manchmal Lärm durch „feiernde“ Jugendliche. Ich hatte noch nie ein Problem, wenn ich diese bat, Rücksicht auf die Nachbarn zu nehmen und Flaschen und Müll aufzuräumen.

Raimund Kamm, Augsburg

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29.11.2018

edit

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29.11.2018

ja ja Herr Griebel wir liefern so wie er im Klärwerk Augsburg liefert !! manchmal kann man wirklich glauben er hat seinen laden schon lange nicht mehr im Griff !! aber Amtsleiter und Betriebsleiter machen einfach was sie wollen , die Menschlichkeit !!! egal ob MITARBEITER ODER BÜRGER BLEIBEN WEGEN EINER ZWEIFELHAFTEN PARTEIPOLITIK EINFACH AUF DER STRECKE !!

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