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Uniklinik Augsburg

06.05.2019

Computer stellt Patienten in der Notaufnahme Fragen

Unter hohem Zeitdruck arbeitet die Notaufnahme der Uniklinik Augsburg.
Bild: Marcus Merk

An der Augsburger Uniklinik testet man neue Möglichkeiten, um die Abläufe in der hoch belasteten Notaufnahme zu beschleunigen. Es gibt aber Einschränkungen.

Patienten in der Notaufnahme der Uniklinik könnten künftig nicht nur Ärzten und Pflegepersonal Auskunft über ihre Krankenvorgeschichte geben, sondern auch Computern. Im vergangenen Winter probierte ein Schweizer Unternehmen dort ein Programm aus, das dem Personal Zeit sparen soll, indem es Patienten Routinefragen zur Vorgeschichte stellt und die Antworten auswertet. Künftig, so Dr. Markus Wehler, Chefarzt der Notaufnahme, sei auch an eine Ausweitung des Modells zu denken. „Das beschleunigt Prozesse, spart dem Personal Arbeit und überbrückt Wartezeiten für Patienten“, so Wehler. Gleichwohl komme es natürlich nicht für jeden infrage. „Das geht nur bei Patienten, die fit und wach sind.“

Die Notaufnahme der Uniklinik ist gemessen an der Patientenzahl eine der größten in Deutschland. Um die 80.000 Patienten (ohne Kinderklinik und Klinikum-Süd) werden pro Jahr in der Notaufnahme behandelt. Je nach Jahreszeit und jeweiliger Dringlichkeit kann es stundenlange Wartezeiten geben. Angesichts massiver Fallzahlsteigerungen eskalierte die Situation vor einigen Jahren, wobei ein großer Teil der Patienten gar keine Notfälle waren – inzwischen hat sich die Situation verbessert. Der Einsatz von Computern, so der Schweizer Software-Hersteller sublimd, könne dem Personal mehr Zeit für „echte“ Notfälle verschaffen.

Computer soll zwölf Fragen stellen

Das Programm, das im vergangenen Winter getestet wurde, stellte den Patienten zwölf Fragen, die dabei helfen sollen, das Risiko für den Befall mit multiresistenten Keimen abzuschätzen. Diese Fragen werden neu aufzunehmenden Patienten schon seit Jahren standardmäßig vom Personal gestellt. Unter anderem geht es darum, ob man in letzter Zeit im Ausland im Krankenhaus war oder nicht. Auf freiwilliger Basis konnten Patienten diese Daten über einen Testzeitraum von mehreren Wochen auch dem Computer anvertrauen. Zusätzlich wurden detaillierte Fragen zum Gesundheitszustand erfragt. Aus diesen Informationen generiert sublimd für die Ärzte automatisch einen Fließtext, welcher direkt für den Bericht verwendet werden kann. Die Patienten, so Wehler, hätten das Angebot erstaunlich gut angenommen.

Das Erfassen sämtlicher Patientendaten durch Mitarbeiter der Notaufnahme kostet Zeit.
Bild: Marcus Merk

Inzwischen ist der Versuch beendet. Ein dauerhafter Einsatz kommt aktuell noch nicht infrage, weil das Programm des Schweizer Unternehmens sublimd eine Schnittstelle mit dem bestehenden Patientenverwaltungssystem der Uniklinik braucht. Momentan werde nach technischen Lösungen gesucht, zudem sei auch der Preis eine Frage, so Wehler. Der Versuch sei aus seiner Sicht aber recht positiv verlaufen. „Und das System wäre grundsätzlich auch noch ausweitbar.“

Uniklinik Augsburg: In der Notaufnahme ändert sich einiges

In der Notaufnahme am Universitätsklinikum dürfte sich in den nächsten Jahren ohnehin einiges ändern. Wie berichtet will das Bundesgesundheitsministerium in bestimmten Krankenhäusern sogenannte „Integrierte Notfallzentren“ schaffen, um die überlaufenen Notaufnahmen zu entlasten. Davon dürfte auch die Uni-Klinik betroffen sein. Diese Notfallzentren, die die erste Anlaufstelle werden sollen, dienen dazu, Kranke anhand von Rastern zu sortieren: Wer wird in die Notaufnahme eingewiesen? Wer soll in die Notfallpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung, die gleich eine Tür weiter ist? Und wer wird zum niedergelassenen Facharzt geschickt? Schon jetzt beteiligt sich die Notaufnahme an einem deutschlandweiten Versuch, bei denen eine spezielle Software die Ärzte bei der Entscheidung unterstützt, wie dringlich ein Fall ist. Der Versuch soll bis Mitte 2021 laufen. Der Einsatz von IT, so Wehler, werde wohl zunehmen.

Nach einer deutlichen Steigerung der Patientenzahlen zwischen 2009 und 2015 sei inzwischen absehbar, dass man den momentanen Stand von 80.000 Patienten pro Jahr hält, so Wehler.

In den vergangenen Jahren wurde die Notaufnahme räumlich erweitert, zudem eröffnete die Kassenärztliche Vereinigung am Klinikum eine zweite Notfallpraxis (neben dem Standort Vincentinum), die außerhalb der regulären Praxisöffnungszeiten vor allem mittwochs und am Wochenende viele Patienten abfängt. Teils geht es dabei auch um harmlosere Leiden wie eine Erkältung, die in der Vergangenheit in der Notaufnahme aufschlugen. Pro Jahr werden in der KV-Praxis am Klinikum um die 15.000 Patienten behandelt.

Die Entlastung für die Notaufnahme sei aber nicht ganz so hoch, sagt Wehler. Die Notfallpraxis ziehe auch neue Patienten an, die sich etwa ein Attest holen wollen.

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