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Augsburg

03.04.2020

Corona-Krise: Viele Unternehmen warten auf Unterstützung

Trico-Firmenchefin Margot Doser und Sohn Christian wählen die Stoffe aus. Zwar gibt es viele Hilfsprogramme für Firmen, doch bis das Geld kommt, kann es dauern.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Weil ihnen die Umsätze ein- oder ganz wegbrechen, hoffen Firmen auf staatliche Hilfsangebote. Doch das kann dauern. Der Textiler Trico hilft sich daher selbst.

Wer sich die am Dienstag veröffentlichten Zahlen der Augsburger Arbeitsagentur zur Kurzarbeit ansieht, erhält eine grobe Ahnung davon, wie sehr die Coronakrise und der damit verbundene „Shutdown“, also das Herunterfahren des öffentlichen Lebens, die Wirtschaft trifft. Rund 3500 Betriebe wollen zumindest teilweise in Kurzarbeit gehen. Kleine Firmen sind ebenso betroffen wie große. Dazu trifft die aktuelle Situation nahezu jede Branche – mit Ausnahme des Gesundheitsbereichs, des Onlinehandels, der Logistikunternehmen sowie Firmen aus dem Lebensmittelsektor.

Chefs wollen Traditions-Unternehmen über Corona-Krise retten

Während in manchen Unternehmen ein Zurückfahren der Arbeitsleistung möglich ist und über Kurzarbeit die ersten großen Schocks abgefedert werden, gibt es in manchen Betrieben diese Chance nicht – oder nur sehr bedingt. Zu ihnen gehört das Augsburger Textilunternehmen Trico. Seit 101 Jahren fertigt das Unternehmen mit Sitz in der Rehmstraße hochwertige Krawatten, Westen, Einstecktücher und Hosenträger für den Einzelhandel.

Doch mit der Schließung der Läden brachen auf einen Schlag alle Bestellungen weg. „Wir standen vor der Entscheidung, uns schnell eine Alternative einfallen zu lassen oder alle unsere zwölf Näherinnen nach Haue zu schicken und zu schließen“, erzählt Marie Doser, die Enkelin der Firmenchefin. Ob man danach einfach wieder hätte öffnen können, kann die junge Frau nur schwer einschätzen. Es drohte aus ihrer Sicht das Aus des über 100 Jahre alten Augsburger Unternehmens.

Trico: Schutzmasken statt Krawatten

Um dies zu verhindern, überlegten Familie und Beschäftigte gemeinsam, wie eine Lösung aussehen könnte. Man entschied sich dafür, umzustellen. Statt Krawatten oder Einstecktüchern werden jetzt Schutzmasken genäht. „Wir klappern gerade sämtliche Apotheken, Ärzte und Ärztehäuser ab und versuchen so, neue Kunden zu gewinnen“, erzählt Marie Doser. Der Bedarf sei vorhanden, deshalb zeichnen sich auch erste Erfolge ab. Die Uniklinik und einige Apotheken sind bereits Kunden. Auch überregional hat man Abnehmer gefunden. „Es sind sogar erste Großbestellungen mit 1000 und 5000 Stück eingegangen“, freut sich Doser.

Zwar kann man mit dem Verkauf von Mundschutz nicht jenen Umsatz erzielen, den man bislang erreichte, aber: „Jeder Auftrag ist besser als kein Auftrag“, so Doser. Die Umstellung auf ein neues Produkt hat Trico vor der kompletten Schließung gerettet und den Fortbestand des Traditionsunternehmens zumindest vorerst gesichert. Denn staatliche Hilfen, die das Unternehmen sofort beantragt hat, sind bislang nicht geflossen. „Wir warten noch auf Rückmeldung, ob und was wir wie bekommen“, so Doser.

Verzögerung bei Corona-Hilfen wegen starker Nachfrage

Damit ist sie nicht die Einzige, die dieses Problem schildert. Auch andere Augsburger Unternehmen berichten gegenüber unserer Redaktion, dass sie auf beantragte Hilfen noch warten. Verzögerungen, die für manche Betriebe und Firmen existenzbedrohend sein können – kann man nicht wie Trico auf Alternativen ausweichen.

Eine Ursache dafür ist aus Sicht der Wirtschaftskammern die Vielzahl an Hilfsangeboten, die noch dazu untereinander kombiniert werden können und ständig angepasst werden. „Der Aufwand der Antragsstellung hängt daher stark davon ab, auf welches der Hilfsinstrumente man abzielt“, sagt IHK-Sprecher Thomas Schörg. Hinzu komme, dass beispielsweise die Förderbanken aktuell nicht über die notwendigen Kapazitäten verfügten, um die Antragsbearbeitung ohne Hausbank umzusetzen.

Corona-Hilfen: Es kommt zu Verzögerungen

Ähnlich stelle sich die Lage bei den Soforthilfen von Bund und Land dar, die von der Regierung von Schwaben bearbeitet werden. Schörg sagt: „Angesichts zehntausender Anträge ist es nachvollziehbar, dass es zu Verzögerungen kommt.“ Die IHK arbeitet deshalb nun mit der Regierung von Schwaben zusammen und stellt Personal für die Hotlines. Man wisse aber auch, dass erste Gelder der Soforthilfe Bayern bereits ausbezahlt worden sind – obwohl das Förderinstrument erst vor gut einer Woche an den Start gegangen ist.

Die Straßen und Plätze in Augsburg sind fast menschenleer – und in der Wirtschaft herrscht eine Flaute.
Bild: Ulrich Wagner

Wie gut die einzelnen Hilfspakete helfen können, ist bislang schwer einzuschätzen. Es hänge stark vom Unternehmen und der individuellen Konstellation ab. Die Hilfsinstrumente verfolgen dazu unterschiedliche Zwecke, geben die Kammern zu bedenken. So sind beispielsweise Soforthilfen dafür gedacht, den Unternehmen kurzfristig zu helfen. Summen für kleine Betriebe mit bis zu fünf Mitarbeitern von 5000 Euro erscheinen auf den ersten Blick nur wie ein Tropfen auf den heißen Stein, dienen aber auch nicht dazu, die Antragsteller über Monate abzusichern. Genau hier liegt aber ein Problem: „Wenn die Einschränkungen über den 19. April hinausgehen, dann stehen viele Firmen vor dem Aus“, warnt Monika Treutler-Walle, die Sprecherin der Handwerkskammer. Die Finanzdecke kleiner Unternehmen reiche eben oft nur wenige Wochen. Es müsse daher schnell Hilfe geben.

Nicht jedes Corona-Hilfspaket ist für jeden geeignet

Um dies sicherzustellen, sei es wichtig, sich als Betrieb rasch über alle zur Verfügung stehenden Hilfsangebote, deren Kombinationsmöglichkeiten und ihr Wirken zu informieren, so die Handwerkskammer. Weil vor allem kleinere Betriebe über keine eigenen Personal- und Rechtsabteilungen verfügen, falle es jedoch schwer, den Überblick zu behalten. „Es geht ja nicht nur darum, die Hilfen zu beantragen, sondern sich auch über deren Konsequenzen im Klaren zu sein“, argumentiert ein Unternehmer. Für die Förderkredite beispielsweise fallen teils Zinsen an, die über dem eigenen aktuellen Marktzins liegen, berichtet die IHK. Dazu müssten Kredite auch nach Ende der Krise bedient werden können. Die Unternehmen müssen also je nach Hilfspaket auch gewisse Anforderungen erfüllen, um an Gelder zu kommen.

Der Bedarf an Informationen ist jedenfalls groß: Rund 500 Anrufe und Mails erreichen allein die Handwerkskammer täglich zum Thema Corona und den Folgen der Krise. Um die Firmen in dieser schwierigen Lage zu unterstützen, bieten die Wirtschaftskammern daher ein umfangreiches Beratungsprogramm an, online, über die Social-Media-Kanäle sowie per Telefon. Dafür wird Personal geschult und aufgestockt.

Zu den Hilfsangeboten der HWK

Zu den Hilfsangeboten der IHK

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