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Augsburg

01.07.2020

Corona-Regeln: Aufregung um angeblichen Lockvogel bei Augsburger Friseur

Im Internet kursiert die Geschichte über einen Augsburger Friseur, der angeblich von einem Lockvogel in eine "Corona-Falle" manövriert wurde. Doch sie stimmt offenbar nicht.
Bild: Britta Pedersen, dpa (Symbolbild)

Plus In Augsburg kursiert die Geschichte, dass ein Friseur dazu gebracht wurde, gegen Corona-Regeln zu verstoßen. Doch stimmt sie? Die Behörden haben dazu eine klare Haltung.

Im Internet kursiert eine Geschichte über einen Augsburger Friseur, die für Empörung sorgt. Demnach soll ein Lockvogel einer Behörde den Friseur in eine Corona-Falle gelockt haben. 1500 Euro Bußgeld sollen ihm drohen, weil er die Regeln nicht einhielt. Doch an der Geschichte scheint nichts dran zu sein.

„Es handelt sich wohl um Fake-News“, sagt auch Augsburgs Ordnungsreferent Frank Pintsch (CSU). Die Methode, mit Lockvögeln Bürger zu Verstößen gegen Corona-Hygienevorschriften zu bringen, werde bei der Stadt nicht angewandt, betont er. „Allein, weil sie rein rechtlich schon fragwürdig wäre.“ Was soll passiert sein? Eine Frau soll den Friseur gedrängt haben, ihren Pony zu kürzen. Dieser lehnte ab, denn seit Corona dürfen Friseure erst zur Schere greifen, wenn sie zuvor den Kunden die Haare gewaschen haben. Die Frau soll jedoch regelrecht um einen Nachschnitt ohne Waschen gebettelt haben. Ihr Kind, argumentierte sie, warte im Auto. Der Friseur gab angeblich nach.

Corona-Lockvogel soll plötzlich Ausweis gezückt haben

Am Ende soll die Frau ihren Dienstausweis gezückt haben, der Salonbetreiber muss nun angeblich 1500 Euro Bußgeld zahlen. Auf Facebook regen sich viele darüber auf. Andere kritisieren, dass für diese Meldung eine Quelle fehlt. Tatsächlich ist weder zu lesen, um welchen Friseur es sich handelt, noch kommt der Friseur selbst zu Wort. Derjenige, der die Geschichte auf Facebook verbreitete, ruderte später selbst zurück. Doch da war das Gerücht schon in Umlauf.

Bei der Stadt und dem Landratsamt Augsburg zeigt man eine klare Haltung: „Weder der Ordnungsdienst noch die Ordnungsbehörde arbeiten mit dieser Methode“, sagt Frank Pintsch. Freilich würden Beschwerden und Anregungen aus der Bevölkerung nachgegangen, „aber immer transparent und mit den zulässigen Methoden des Ordnungsrechts.“ Stadtsprecher Stefan Sieber fügt hinzu, oberstes Ziel sei es, darauf hinzuwirken, dass Regelungen im Interesse aller eingehalten werden. „Nur so kann ein friedliches Miteinander gelingen.“

Auch beim Landratsamt kennt man solche Methoden nicht. „Wir gehen nirgendwo getarnt hin, um jemanden aufs Glatteis zu führen“, sagt Pressesprecherin Kerstin Zoch. Führe man Kontrollen durch, stellen die Mitarbeiter sich vor. „Das alles läuft offiziell ab.“

Pintsch: Augsburger sollen solche Geschichten kritisch hinterfragen

Auch Matteo Leggio, Obermeister der Friseur- und Kosmetikinnung Augsburg, hat bislang nichts von so einem Vorfall unter Kollegen erfahren. Aber ihm seien ähnliche Geschichten von anderen Innungen zugetragen worden. Dass kontrolliert wird, findet der Friseur und Innungsobermeister generell gut. Schließlich gehe es um den Schutz der Friseure und der Kunden. „Wenn wir viele schwarze Schafe hätten, müssten wir die Geschäfte wieder schließen.“

Ordnungsreferent Frank Pintsch appelliert, solche Corona-Geschichten nicht blindlings zu glauben. „Die Bürgerinnen und Bürger werden gebeten, solchen Meldungen keinen Glauben zu schenken und kritisch zu hinterfragen.“ Augsburgs Verwaltung sei bürgerzugewandt, hebt er hervor. „Dieser Grundsatz muss sich auch im schwierigeren Bereich der Ordnungsverwaltung bewähren, und tut dies auch.“

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