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Prozess in Augsburg

27.08.2020

Cybergrooming: Mann aus NRW wird zur Gefahr für einen Zehnjährigen

Ein 23-Jähriger nahm zu einem Zehnjährigen zuerst über das Internet Kontakt auf, später trafen sie sich privat. Nun stand der Täter in Augsburg vor Gericht.
Bild: Julian Stratenschulte, dpa (Symbolbild)

Plus Ein 23-Jähriger fordert einen Zehnjährigen im Chat auf, pornografische Bilder zu erstellen. Später treffen sich die beiden. Nun wurde der Täter in Augsburg verurteilt.

Ein Mann und ein Kind lernen sich auf einer Spieleplattform im Internet kennen. Sie werden schnell vertraut. Eines Nachts schickt der Zehnjährige dem Unbekannten auf dessen Wunsch hin per Whatsapp ein Foto von seinem Penis. Der Mann schickt wiederum ein Video, auf dem zu sehen ist, wie er sich gerade befriedigt. In nur drei Wochen, so stellte später die Augsburger Kripo fest, haben der Mann und der Zehnjährige 1216 Nachrichten ausgetauscht. Der Täter wusste, wen er da vulgär zu sexuellen Handlungen aufforderte. Das Alter des Jungen war ihm bekannt.

Der Täter, ein heute 23 Jahre alter Mann aus Nordrhein-Westfalen, stand nun in Augsburg vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft hatte den jungen Mann, der als Barkeeper arbeitet, des sexuellen Missbrauchs sowie der Verbreitung und des Erwerbs von pornografischen Schriften angeklagt.

Cybergrooming-Prozess in Augsburg: Gericht fällte schnell das Urteil

Es wurde ein überraschend kurzer Prozess. Schon nach 25 Minuten verkündete Jugendrichter Bernhard Kugler das Urteil: ein Jahr Freiheitsstrafe, wie vom Staatsanwalt beantragt. Sie ist für den 23-Jährigen mit Auflagen zur Bewährung ausgesetzt. „Ein gerechtes Urteil“, fand nach der Verhandlung sein Verteidiger Helmut Linck. Der Anwalt hatte vorab dem Gericht ein Geständnis seines Mandanten angekündigt, weshalb das Gericht auf Zeugen verzichtete. Dem Schüler, inzwischen elf Jahre alt, ersparte das Geständnis, im Prozess aussagen zu müssen. Zugunsten des Angeklagten sprach aus Sicht des Gerichts zudem, dass dieser nur geringfügig vorbestraft sei.

So hat sich die Zahl der Straftaten in Augsburg verändert

Diese Zahlen sind zwar nur begrenzt aussagekräftig. Sie hängen zum Beispiel auch davon ab, wie stark die Polizei im Drogenmilieu kontrolliert oder wie viele Schwarzfahrer von den Stadtwerken angezeigt werden. Aber ein Trend lässt sich daraus durchaus ablesen. Und der zeigt deutlich nach unten. Die Kriminalität ist so niedrig wie nie in den vergangenen zehn Jahren. Erfolge kann die Polizei auch auf Gebieten vorweisen, die viele Bürger betreffen – bei den Wohnungseinbrüchen und bei der Straßenkriminalität. Auf beiden Feldern sind die Zahlen ebenfalls rückläufig.

Vom 23-Jährigen selbst war in der Verhandlung wenig zu hören. Die Frage des Richters, ob er pädophil veranlagt sei, verneinte er. Warum dann der sexuelle Missbrauch eines Kindes? Der Angeklagte wusste keine Antwort darauf.

Wie aus der Anklage hervorgeht, haben Täter und Opfer sich auch zweimal getroffen. Im September vorigen Jahres kam der 23-Jährige aus Nordrhein-Westfalen nach Augsburg. Er holte den Zehnjährigen vormittags von der Schule ab, wo an diesem Tag der Unterricht früher endete. Gemeinsam waren sie händchenhaltend drei Stunden durch Augsburg spaziert, hatten sich, wenn sie sich unbeobachtet fühlten, geküsst. Am folgenden Tag besuchte der Täter den Jungen sogar zu Hause. Von den Eltern muss jemand anwesend gewesen sein. Doch offenbar schöpfte niemand Verdacht. Vielleicht auch, weil man den 23-Jährigen deutlich jünger einschätzen würde. Er und der Zehnjährige zogen sich ins Kinderzimmer zurück, um, wie sie sagten, am Computer zu spielen. Auch dabei kam es zu Küssen, der Angeklagte streichelte den Jungen an Kopf und Rücken.

Prozess in Augsburg: Internet-Anmache bei Kindern ist keine Seltenheit

Angeblich ließ eine Strafanzeige der Eltern den Täter auffliegen. Nach dem Besuch ihres Sohnes sollen sie sein Handy kontrolliert und die anzüglichen Nachrichten und Fotos entdeckt haben.

 

Sexuelle Missbrauchstaten werden oft im Schatten der Anonymität des Internets angebahnt. Tätern gelingt es einfach in sozialen Netzwerken wie Snapchat, Instagram oder auch in Chatfunktionen von Online-Spielen mit Kindern Kontakt aufzunehmen. Das sogenannte „Cybergrooming“ – englisch für „anbahnen“ oder „vorbereiten“ – kann mit Freiheitsstrafen von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft werden. In Deutschland wurden 2018 laut Polizeistatistik 1391 Kinder Opfer von Cybergrooming.

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27.08.2020

An Herrn Peter Richter,
ich vermute, das Gericht fällte das Urteil, und nicht, dass das Urteil fiel.
Gruß
W Becherer

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27.08.2020

Ich hoffe doch, dass wenigstens eine Psychotherapie zur Bewährugsauflage gehört.

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