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22.09.2010

Dänische Schwerter und sprechende Bäume

Comedian Tommy Krappweis las in der Puppenkiste. Foto: Hochgemuth
Bild: Hochgemuth

Ein bisschen Comedy, dazu ein paar "hochwissenschaftliche" Ausführungen, gekrönt von einigen Passagen aus seinem Jugendbuch - so sah die Lesung von Tommy Krappweis in der Augsburger Puppenkiste aus. Krappweis, bekannt als Comedian bei RTL Samstag Nacht und Erfinder der Kultfigur "Bernd das Brot", für die er den Adolf-Grimme-Preis erhielt, schreibt seit einigen Jahren auch Bücher. Sein jüngstes ist der soeben erschienene zweite Band seiner Trilogie "Mara und der Feuerbringer". Darum ging's in der Lesung - unter anderem …

Wie in einem guten Comedy-Programm kam Tommy Krappweis beabsichtigt vom Hundertsten ins Tausendste. Er wollte eigentlich von seinem Buch erzählen und schilderte dann frohgemut, wie man bei Lesungen Techniker ärgert (indem man so tut, als hätte das Mikro einen Wackelkontakt). Er beschrieb munter Bestattungsrituale aus Dänemark ("die haben das Schwert des Toten geschneckelt oder zu Zickzack gemacht, damit der Typ, wenn er aufsteht, damit nichts anstellen kann") und kam von dort aus zu den Germanen, "die das Christentum auf einmal ganz spannend fanden, weil die das tolle Verkaufsargument hatten: ein schönes Jenseits für alle und nicht nur für die, die auf dem Schlachtfeld starben!".

Aus "all diesen ganzen Dingen" habe er seine Mara-Bücher gezimmert, so Tommy Krappweis. Und weil ihm wichtig gewesen sei, dass alle Fakten zu hundert Prozent stimmen, habe er sich einen wissenschaftlichen Berater gesucht und ihn in Rudolf Simek, Professor für Skandinavistik in Bonn, gefunden.

Mit einer Kostprobe aus dem Beginn der Trilogie machte Tommy Krappweis Geschmack auf das Buch. Es begegnet den Lesern die 14-jährige Mara, die von der Mutter zu einem ihrer "Seminare" mitgeschleppt wird, erst zum "Erdmutterseminar", jetzt zu einer "Baumaudienz", in der die Teilnehmerinnen stundenlang vor einem Baum sitzen, ihn gar umschlingen und warten, bis er spricht. Mara ist für solche Dinge überhaupt nicht zu haben, zumal sie selbst, eine Tagträumerin, ständig mit der Realität zu kämpfen hat. "Pflanzen sprechen nicht!", sagt sie sich vor, bis ihr plötzlich ein Zweig in Mamas Haaren eröffnet, dass sie "die letzte germanische Seherin sei", die den Auftrag bekomme, "die Götterdämmerung aufzuhalten".

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So eingestimmt, lauschte das Publikum, darunter mehr Erwachsene als Jugendliche, noch gern der Kostprobe aus dem isländischen Dichterlehrbuch "Edda" und erfuhr so, dass ein Schiff auch "Wellenpferd" heißen kann. Noch spannender aber dürfte gewesen sein, von Tommy Krappweis zu hören, wie "Bernd das Brot" entstand - als Blitzidee in einem italienischen Restaurant, auf eine Serviette gezeichnet.

Tommy Krappweis, Mara und der Feuerbringer, Band I und II, Schneider Buch, jeweils 12,95 Euro.

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