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Augsburg

14.02.2020

Das Problem mit der Gelben Tonne in Augsburg

Sorgt derzeit für Aufregung: Der Deckel der neuen Gelben Tonne mit 1100 Liter Fassungsvermögen. Er muss angehoben und gehalten werden.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Seit die Stadt eine neue Gelbe Tonne eingeführt hat, regt sich Unmut in der Bevölkerung. Pro Augsburg will diese Tonne nun wieder abschaffen.

Viele Augsburger, die im Osten der Stadt wohnen, sind sauer. Im Januar haben sie neue gelbe Wertstofftonnen bekommen. Doch die sind nicht leicht zu handhaben: Die Klappdeckel lassen sich nur schwer öffnen und sie bleiben nicht von selbst offen. „Die kurze Freude über die neue Tonne ist schnell dem Frust gewichen“, schrieb eine Leserin schon wenige Tage nach der Einführung an unsere Zeitung.

Probleme macht in Augsburg eine bestimmte gelbe Tonne

Seitdem haben die Beschwerden in der Stadtverwaltung und gegenüber den Stadträten zugenommen. Die Fraktion von Pro Augsburg hat dies nun zum Handeln veranlasst: In einem Dringlichkeitsantrag fordert sie, die Aufstellung weiterer neuer Tonnen zu unterbinden. Der Stadtrat soll in seiner Sitzung kommende Woche einen Auslieferungsstopp beschließen. Stattdessen soll ein neues Modell angeschafft werden.

Die Gelben Tonnen ersetzen seit Januar die bisherigen gelben Verpackungsmülltonnen. Seitdem können darin auch Altmetall oder Plastikgegenstände wie Putzeimer oder Blumenkübel entsorgt werden. Rund 50.000 Müllbehälter müssen im ganzen Stadtgebiet ausgetauscht werden, 12.000 neue wurden östlich des Lechs bereits aufgestellt. Probleme machen dabei die großen Behälter mit 1100 Liter Fassungsvermögen.

Leserin Jutta Oettle fühlt sich seitdem „maßlos überfordert“. In einem Brief an unsere Zeitung schildert sie, dass sie als Frau mit knapp 1,60 Metern Größe nun mit einer Hand den Deckel offen halten und mit der anderen den Müll einwerfen muss. Viele andere Bürger äußern sich ähnlich ungehalten.

Grüne und Umweltreferent: Unverständnis über Antrag zur Tonne

Bereits Ende Januar hatte das Thema im Abfall-Ausschuss für Debatten gesorgt, auch damals auf Anfrage von Pro Augsburg. Umweltreferent Reiner Erben (Grüne) hatte als Übergangslösung einen Holzstab präsentiert, den Bürger zwischen Tonne und Deckel klemmen könnten, um das Problem in den Griff zu bekommen. In einem zweiten Schritt wolle man Bürgerbeschwerden sammeln, diskutieren und dann gemeinsam Lösungen erarbeiten. Erben fordert Pro Augsburg nun auf, sich an diese Vorgehensweise zu halten: „Man muss uns Zeit geben, eine praktikable Lösung zu finden“, sagte er am Freitag auf Anfrage unserer Redaktion.

Auch die Grünen-Stadtratsfraktion äußert Unverständnis zum Vorstoß von Pro Augsburg. Stadträtin Martina Wild sagte, die Anschaffung der neuen Tonnen „wurde auch von Pro Augsburg mitgetragen“. Ihre Fraktion unterstütze weiterhin den von Erben skizzierten Weg. Die CSU-Fraktion befürchtet Probleme, würde man sich nun auf neue Tonnen einigen: „Da die Verträge bereits geschlossen sind, würden wir bei Nichtauslieferung vertragsbrüchig und demnach voll für den Schaden zahlungspflichtig“, erläuterte Stadtrat Peter Uhl. Seine Fraktion wolle das Thema aber in der nächsten Sitzung des zuständigen Ausschusses zur Sprache bringen.

Während der städtische Abfallwirtschafts- und Stadtreinigungsbetrieb (AWS) für die Tonnen östlich des Lechs zuständig ist, kümmert sich um die Viertel westlich des Lechs das Privatunternehmen Remondis. Dort sollen die neuen Tonnen ab Frühjahr 2020 ausgeliefert werden.

Bisher 540 Beschwerden über Gelbe Tonne in Augsburg

Westlich des Lechs wohnen drei Mal so viele Menschen wie in den Stadtteilen, die bereits die neue Tonne haben. Erben erklärte diese Vorgehensweise so: „Wir haben in einer gemeinsamen Vereinbarung mit den Systembetreibern die einheitliche Beschaffung der Tonnen verhandelt und uns hier auf die Beschaffung der branchenüblichen Tonnen mit Flachdeckel geeinigt“. Mit telefonischer Beratung will man eventuellen Beanstandungen im Frühjahr begegnen. Aber, erläuterte der Umweltreferent: „Bisher gab es bei der Auslieferung der Tonnen 500 Beschwerden – und 40 zu den Deckeln.“

Pro Augsburg bestand bereits im vergangenen Stadtrats-Plenum auf eine erneute Behandlung des Themas. Stadträtin Beate Schabert-Zeidler kritisierte dort Erbens Aussage, dass die Stadträte die Tonne mit flachem Deckel selbst beschlossen hätten. Wie alle Stadträte der Listenvereinigung fühlte sich Schabert-Zeidler nicht ausreichend über Vor- und Nachteile des Modells informiert. In dem Dringlichkeitsantrag steht, „die angeblichen Mehrkosten von circa 60 Euro für eine bessere und geeignetere Tonne sind für einen solch langen Nutzungszeitraum von 10 bis 15 Jahren sicherlich gerechtfertigt“.

Der Umweltreferent entgegnete auf Anfrage unserer Redaktion, dass die jetzigen Tonnen in einem Gesamtpaket verhandelt wurden. Und die Verhandlungen zwischen Stadt und Betreibern seien sehr schwierig gewesen.

Lesen Sie dazu einen Kommentar von Redaktionsleiterin Nicole Prestle: Wertstofftonne: An der falschen Stelle gespart

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16.02.2020

Ich verstehe nicht warum überhaupt neue Tonnen angeschafft werden müssen. Gelb ist gelb. Unsere ist Pfennig ganz und gelb - sehe keine Not die Tonne auszutauschen. Ein Aufkleber für „was rein darf / muß“ hätte es auch getan und wäre auf jedenfall nachhaltiger.

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15.02.2020

Unfassbar! Nichtmal eine Mülltonne können unsere Politiker beschaffen.
Liegt vermutlich daran, dass man im hohen Schloss sitzt und den Müll selbst nicht mehr rausbrigt.
Ich kann das schon verstehen, es wäre viel zu komplex die Mülltonnen vorher einfach mal zu testen, BEVOR man sie kauft. Dann wären sicher noch ein paar zehntausend € für Gutachten drauf gegangen.
Und die McKinsey Berater von der Frau Layen standen ja auch nicht zur Verfügung.

Man hätte einfach das Modell anschaffen können, dass hier seit Jahrzehnten einwandfrei im Einsatz ist - das ist so einfach, da kommt kein Beamter drauf!

Aber ich sag ja den größten Fachkräftemangel haben wir in der Politik.

-> Aktion für die Tonne!

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15.02.2020

>> Umweltreferent Reiner Erben (Grüne) hatte als Übergangslösung einen Holzstab präsentiert, den Bürger zwischen Tonne und Deckel klemmen könnten, um das Problem in den Griff zu bekommen. <<

Ein CO2 neutraler Holzstab - das ist grüne Politik!

>> In einem zweiten Schritt wolle man Bürgerbeschwerden sammeln, diskutieren und dann gemeinsam Lösungen erarbeiten. <<

Nur nicht zugeben, dass es Tonnen ohne dieses Problem gibt ;-)

Hallo ihr Augsburger Grünen - euer Tunnel unter dem Hauptbahnhof braucht auch noch einen Hinterausgang, damit die 3er auch nach Pfersee kommt. Also einfach mal für die Bürger arbeiten statt mit Klima-blabla zu nerven!

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