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02.06.2012

Das weite Land der Fugger

Schloss Schwindegg östlich von München, das bis 1816 den Fuggern gehörte, zählt zu den bedeutendsten Renaissancebauten in Bayern.
Bild: Martin Kluger

Martin Kluger beschreibt in einem opulenten Reiseführer eine Vielzahl ihrer Adelssitze

Sagt man Fugger, denkt man an die sprichwörtliche Fuggerstadt Augsburg. Vielleicht noch an die Schlösser in Kirchheim und Babenhausen. Aber das Fugger’sche Land ist weit größer. In ganz Schwaben und noch jenseits der Iller, sogar um München herum finden sich Herrschaften und Besitzungen der Fugger, deren Familienlinien sich enorm verzweigten. Einen Reiseführer zu all diesen Orten und Sehenswürdigkeiten hat nun Martin Kluger vorgelegt.

Es ist ein gewichtiges Kompendium von 500 Seiten geworden, offensichtlich die Frucht geduldiger und akribischer Recherche. Wo Martin Kluger auch immer fündig geworden ist, lässt er seine Leser teilhaben mit einer opulenten fotografischen Bebilderung seiner Spurensuche. So hat jeder die Wahl, ob er sich zuerst von den präzise erzählten Texten oder von den aussagekräftigen Illustrationen ansprechen lässt.

Kluger ist enzyklopädisch vorgegangen und versammelt alle Stätten, wo sich die Fuggerlilie zeigt. Man sagt Anton Fugger (1493–1560) ja nach, dass er nach dem Tode seines Onkels Jakob Fugger des Reichen den Medici nacheifern und aus seinen Herrschaften ein Fürstentum Schwaben formen wollte. Stattdessen aber kam es zu Erbteilungen.

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Schloss Schwindegg prunkt mit Arkadenhof der Renaissance

So gelangte 1548 ein Fugger sogar an Schloss Taufkirchen in Altbaiern, ein wunderschöner Herrschaftssitz direkt an der Vils. Bis 1816 gehörte den Fuggern auch Schwindegg, eines der bedeutendsten Renaissanceschlösser in Oberbayern mit imposantem Arkadenhof. Eine beliebte Marienwallfahrt gründeten die Fugger in Au an der Iller, das zu ihrer Herrschaft Dietenheim gehörte. Die Gräfin stiftete 1627 eine lebensgroße Madonnenfigur, die im Zentrum eines prächtigen Barockaltars steht.

An manchen Erwerbungen hing Streubesitz dran; so erwarb Anton Fugger 1551 mit Kirchheim im Unterallgäu auch die württembergische Herrschaft Niederalfingen an der Kocher. Das „neue Schloss“ gleicht mit seiner grauen Buckelquaderfassade einer Burg, folgt aber doch italienischen Architekturideen.

Bis zum Bodensee dehnte sich das Fuggerland aus. Seit 1592 gehörte Wasserburg mit einem wehrhaften, blockigen Schloss zum Familienbesitz. In der Pfarrkirche St. Georg hat sich ein Sandsteinepitaph erhalten, im sogenannten Malhaus, dem Fugger’schen Gerichtsgebäude, wurde 26 Hexen zwischen 1656 und 1664 unter Folter der Prozess gemacht.

Anschauliche Kartenausschnitte lassen die beschriebenen Fuggerorte leicht finden. Angaben zu Besichtigungsmöglichkeiten und Kontaktadressen erleichtern die touristische Planung. Man wird Monate oder sogar Jahre damit beschäftigt sein, all diese Sehenswürdigkeiten aufzusuchen. Schon ihre Beschreibung durch Martin Kluger in Kombination mit den brillanten Fotografien bereitet (Vor-)Freude. Oft liegt das Fuggerische Erbe ganz nahe, wie in Nordendorf oder in Schmiechen.

Martin Kluger: Die Fugger um Augsburg, München und Ulm. Adel, Schlösser und Kirchen, Context Verlag Augsburg, 504 Seiten, 769 Fotos, 19,80 Euro.

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