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Umstrittene Bistumsreform

21.04.2012

Demo am Augsburger Dom: Höchste Zeit für echten Dialog

Demonstration Bistumsreform
8 Bilder
Rund 2500 Gläubige demonstrierten vor dem Augsburger Dom gegen die geplante Bistumsreform.
Bild: Fred Schöllhorn

2500 engagierte Katholiken versammelten sich am Samstag vor dem Augsburger Dom, um gegen die geplante Bistumsreform zu demonstrieren. Und der Dom war abgesperrt.

Der Dom war wegen Reinigungsarbeiten geschlossen. Schon um 11.15 Uhr ist Fritz Bernhard aus Fischen am Ammersee hinauskomplimentiert worden. „Der Mesner sagte, er habe Befehl von oben, den Dom zu räumen und zuzusperren.“ Der aktive Katholik Bernhard, der zur Kundgebung „Kirche sind wir alle – unser Weg ist Dialog“ auf dem Augsburger Domplatz kam, kann es nicht fassen: „Das ist die größte Demütigung, die mir je passiert ist. Ich bin also Kehricht für den Bischof.“

Übergangen, ungehört und nicht beteiligt fühlten sich die frommen Demonstranten, die aus allen Regionen der Diözese in die Bischofsstadt geströmt waren. Der Einsatzleiter der Polizei schätzte die Teilnehmerzahl auf 2500 – weit mehr, als der „Initiativkreis Bistumsreform“ zu hoffen gewagt hatte. Fünf vor zwölf standen die Leute vor dem Dom – zu symbolträchtiger Stunde. „Es ist höchste Zeit, dass ein Dialog über die Bistumsreform tatsächlich stattfindet“, mahnte Robert Sauter, der Sprecher des Initiativkreises.

Es sollte ein Dialog mit Bischof und Bistumsleitung sein

Ein Dialog mit Bischof und Bistumsleitung sollte es sein, „nicht als Befehlsausgabe, dessen Ergebnis offen ist, in dem alle Beteiligten ernst genommen werden, der andere Meinungen achtet und nicht von vorneherein diskriminiert“, so Sauter, der 20 Jahre lang das Bayerische Jugendamt geleitet hat. Vor den Kopf habe Tausende von Pfarrgemeinderäten und Leiter von Gruppen und Kreisen, dass Bischof Konrad Zdarsa mit seinem Konzept der pastoralen Raumplanung 2025 „schon das Ergebnis verkündet hat, das am Ende herauskommen soll“.

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Appell an Bischof Zdarsa

Transparente appellierten an den Bischof: „Lasst die Kirche im Dorf“ – „Dialog statt Diktat“ – „Heimatkirche ist Geborgenheit“ – „Keine Laien, keine Basis“. Ministranten fragten: „Sind wir bald überflüssig?“ Sie spielten auf Pläne an, aus 1000 Pfarreien am Ende 207 Seelsorgeeinheiten zu formen, weil 2025 laut den Prognosen des Bistums nur noch so viele Priester zur Verfügung stehen. Eucharistiefeiern sollten regelmäßig an Zentralorten stattfinden, Wortgottesdienste am Sonntag nur noch in Altenheimen und Krankenhäusern zulässig sein. Anstelle der Pfarrgemeinderäte sollte es zukünftig einen Pastoralrat für die gesamte Seelsorgeeinheit geben.

Brigitte Fleischmann, Pfarrgemeinderatsvorsitzende im Donaumoos, sieht ein Gebilde von 25 Kilometer Ausdehnung auf sich zukommen. Sie sagt: „Das Leben in unserer Kirche wird von Laien getragen: die Kinder- und Familiengottesdienste, Trauergruppe, Krankenbesuche, Seniorenrunden.“ Im Ostallgäu ist seit Langem die Wort-Gottes-Feier an jedem vierten Sonntag üblich: „Wir haben Orgel und Ministranten, die Leute bestätigen, dass es ein schöner Gottesdienst ist.“

Ratzinger hat Respekt vor Glaubenskraft der Dörfer

Regionaldekan Hubert Ratzinger aus Großaitingen (Kreis Augsburg) hat Respekt vor der Glaubenskraft der Dörfer. „Je mehr Orte der Pfarrer hat, desto wertvoller wird das Engagement der Katholiken am Ort. Sie kennen die Menschen, die Kranken und die Einsamen, sie wissen, wo der Schuh drückt.“ Solche Menschen bilden das Gesicht der Pfarrgemeinde, meinte Ratzinger. „Wenn wir erst gesichtslos geworden sind“, warnte er, „können wir uns als Kirche verabschieden.“

Über zwei Stunden harrten die frommen Demonstranten bei frischer Brise unter sonnigen, blauem Himmel vor dem Dom aus. Anfangs hielten sie Stille zum Mittagsgebet, am Ende erteilte der Tutzinger Pfarrer Peter Brummer den Segen. Dazu hatten sie Bischof Zdarsa eingeladen, aber er teilte mit, dass eine Kundgebung dem Dialog nicht zuträglich und der Domplatz nicht der richtige Ort für den Dialog sei. So blieb als Kontaktaufnahme zum Bischofshaus am anderen Ende des Platzes nur der herzliche Gruß zum Namenstag von Bruder Konrad.

„Es gibt keine Alternative zum Dialog“, betonte indes die Regensburger Kirchenrechtlerin Prof. Sabine Demel vor dem Dom. Monolog und Alleingang widerspreche dem Wesen der Kirche, „weil Gott selbst Dialog ist“. Bischof Zdarsa „verordnet, gebietet, fordert“, so Demel, ohne jede Befragung, Rücksprache oder Beteiligung der Gläubigen. „Er legt einfach fest, wie die pastoralen Strukturen 2025 auszusehen haben, – und jetzt will er mit seinem Bistum in Dialog treten. Was für ein Aberwitz!“, kritisierte die Professorin.

Aus seiner Pfarrei-Erfahrung in Augsburg-Hochzoll stimmte Klaus Vogelgsang ein: „Einem Fitnessprogramm für die Kirche wird sich niemand verweigern. Aber die Leute wollen mitgenommen werden.“ Landgerichtspräsident Herbert Veh – im Diözesanrat der Katholiken der Experte für Satzungsfragen – pochte darauf, dass weiterhin ein demokratisches Gremium die Gläubigen vertritt. „Ich halte es für wichtig, dass es gewählte, von der Gemeinde legitimierte Räte gibt, die in eigener Verantwortung Beschlüsse fassen.“ So viele Menschen seien auf dem Domplatz versammelt, „weil sie etwas Gutes erhalten wollen“.

Illoyalität hatte dagegen der Vorsitzende des Diözesanrats, Helmut Mangold, denjenigen vorgeworfen, die aus der Vollversammlung des Gremiums zu der Kundgebung gegangen waren. Ein Grußwort wollte Mangold nicht halten, damit das gerade begonnene Gespräch mit der Bistumsleitung über die Bistumsreform nicht gestört werde. Marcus Öfele vom Vorstand des Katholischen Landvolks, das zu der Kundgebung mit aufgerufen hatte, sah indes die Kirche in einer „verfahrenen Situation“, die Diözese Augsburg sei seit Bekanntwerden der Raumplanung „stehend k.o.“.

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