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Augsburg

04.08.2016

Der Augsburger Zoo kämpft um seine Zukunft

Können im Augsburger Zoo bald keine Elefanten mehr gehalten werden?
Bild: Silvio Wyszengrad

Für das Elefantenhaus fließen keine EU-Fördermittel. Die Dickhäuter zählen aber zu den Attraktionen, die das Publikum sehen will. Die Direktorin stellt nun die Überlebensfrage.

Der Zoo braucht ein neues Elefantenhaus. Doch bei den Finanzierungsplänen gibt es einen schweren Rückschlag. Von der Europäischen Union werden keine Fördermittel für das Augsburger Millionenprojekt fließen. Das teilt Direktorin Barbara Jantschke mit. Aus ihrer Sicht geht es jetzt um die Existenzfrage. „Der Zoo ist auf Dauer im Überleben gefährdet, wenn die neue Elefantenanlage nicht kommt“, sagt sie.

Dickhäuter zählen für Zoobesucher zu den großen Attraktionen. Von der früheren Elefantenherde in Augsburg sind aber nur noch zwei Tiere übrig: Targa und Burma. Dazu kommt, dass beide Weibchen alt sind. Burma ist 47 Jahre. Targa zählt mit 61 Jahren weltweit zu den ältesten Zooelefanten. Keiner kann sagen, wie lange sie noch lebt. In diesem Alter kann schon eine leichte Krankheit sehr schnell tödlich sein.

Mit dem fortgeschrittenen Alter von Targa hängt wiederum ein drittes Problem zusammen: Der Zoo kann keine neuen, jüngeren Elefanten holen, nicht einmal als Ersatz. Denn das bestehende Gehege erfüllt nicht mehr die Haltungsvorschriften für diese Art.

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Zoo Augsburg
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Die Elefanten im Augsburger Zoo und ihre Zukunft
Bild: Silvio Wyszenrgad

Nach Einschätzung der Zoodirektorin führt kein Weg an einem neuen Elefantenhaus vorbei – auch wenn es mit der ursprünglich geplanten Finanzierung nicht geklappt hat. Zunächst war vorgesehen, eine moderne Anlage für acht Millionen Euro zu bauen. Gut ein Drittel der Kosten sollten über Fördermittel aus dem Life-Programm wieder hereinkommen. Doch mit dem Förderantrag hat es nicht geklappt.

„Es hat sich herausgestellt, dass die Finanzierungsvorgaben der EU für das Projekt nicht erfüllbar waren, auch nicht nach einer Nachbesserung“, so Jantschke. Vereinfacht gesagt, konnten die Kosten für das Elefantenhaus nicht soweit heruntergerechnet werden, dass die Obergrenze für die EU-Förderung eingehalten worden wäre. Jantschke will aber weiter um das neue Elefantenhaus kämpfen. Ihr Ziel ist nun, dass der Zoo das Vorhaben selber finanziert. Die Anlage soll bis 2019 in einer günstigeren, abgespeckten Variante für sechs Millionen Euro gebaut werden. „Beim Tierwohl werden keine Abstriche gemacht“, verspricht sie. Eingespart werden soll aber die Außenfassade – ähnlich wie bei der WWK-Arena. Auch begleitende Angebote für jüngere Besucher wie ein „Wasserrundgang“ werden nicht realisiert.

Kibo Zoo Augsburg
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Augsburger Zoo: Nashornbaby Kibo begeistert die Besucher
Bild: Alexandra Schneid

Zwar hat Jantschke inzwischen einen neuen Partner für das Elefantenhaus im Boot. Der Freundeskreis des Zoos hat mehrheitlich beschlossen, sich zum ersten Mal an einem Gemeinschaftsprojekt mit dem Zoo zu beteiligen. „Wir wollen nach besten Kräften Geld für die Elefanten sammeln“, sagt Vorsitzender Herbert Mainka. Für den Förderverein alleine sei das Projekt aber mehrere Nummern zu groß. Bei der Finanzierung gibt es deshalb immer noch einen Knackpunkt.

Werden die Eintrittspreise erhöht?

Der neue Plan sieht vor, dass innerhalb von drei Jahren 1,5 Millionen Euro an Spenden eingeworben werden. 500 000 Euro will der Zoo aus eigenen Mitteln in das Projekt einbringen und weitere vier Millionen Euro über ein Darlehen finanzieren. Um dieses Darlehen aufnehmen und abzahlen zu können, braucht die städtische Zoo GmbH jedoch die Hilfe der Stadt. Dieses Problem beschäftigte nun auch den Aufsichtsrat der städtischen Tochtergesellschaft. Vorsitzender ist OB Kurt Gribl.

Das Ergebnis der Sitzung: Über das Umweltreferat soll ein Antrag auf Finanzierungsbeihilfe fürs Elefantenhaus in die städtischen Gremien eingebracht werden. Bislang hat die Stadt noch nie eine Investition des Zoos bezuschusst.

Nach Einschätzung der Direktorin ist eine Finanzspritze nun aber nötig für den Fortbestand des Zoos in Augsburg. Sie macht eine Rechnung auf. Danach müssen attraktive Großtiere gezeigt werden, damit genügend Besucher kommen. Parallel müssen regelmäßig die Eintrittspreise erhöht werden, um steigende Kosten für Löhne, Energie und Futter aufzufangen. In den vergangenen 14 Jahren habe sich der Eintrittspreis für Erwachsene von fünf auf zehn Euro verdoppelt, sagt Jantschke. Trotzdem seien die Besucher diesen Weg mitgegangen und die Besucherzahlen von 450 000 auf 600 000 angestiegen.

Eines sagt die Direktorin nun aber voraus: „Wenn keine Elefanten mehr zu sehen sind, wird die Akzeptanz für Preiserhöhungen mit Sicherheit verschwinden.“ Und die nächste Preisrunde sei schon bald nötig.

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Die Diskussion ist geschlossen.

04.08.2016

Das ins Auge gefasste Geld wäre besser investiert in wirklichen Natur-, Tier- und Artenschutz in den Herkunftsländern der jeweiligen Tiere. Mit 6 Mio könnten riesige Schutzgebiete in Afrika oder Asien ausgewiesen werden, anstatt hierzulande ein weiteres Warmhaus für ein paar gefangengehaltene Elefanten zu bauen.

ps: @Andrea Seibel: Mit welchen Zuchtprogrammen bewahrt der Augsburger Zoo genau welche Tierarten vor dem Aussterben? An genau welchen Auswilderungsprogrammen ist er beteiligt - wieviele Tiere welcher Arten hat er wohin ausgewildert - und mit welchem Errfolg? Und was hat das alles mit dem geplanten Elefantenhaus zu tun?

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04.08.2016

Der Augsburger Zoo kat keine 600.000 BesucheR pro Jahr, noch nicht mal 600.000 BesuchE. Die heillos überhöhte Zahl ist Resultat eines manipulativen und längst als irreführend ausgewiesenen Hochrechnungsschlüssels des zoologischen Dachverbandes VdZ. Zudem gehen die Besucherzahlen in den Zoos, auch in Augsburg, stetig zurück.Ebendeshalb will man ja unbedingt eine neue "Attraktion" - ein neues Elefantenhaus -, um neue Besucher anzulocken. Tatsächlich aber schaffen solch neue Attraktionen keineswegs neue Besucher: Anschauliches Beispiel ist der Zoo Hannover, in den man in den letzten Jahren mehr als 100 Mio Euro (überwiegend Steuergelder) versenkt hat. Trotzdem gibt es massive Einbrüche in den Besucherzahlen. Immer weniger Menschen wollen gefangengehaltene Tiere besichtigen. Ein weiteres Negativbeispiel ist der Tiergarten Nürnberg mit seien zigmillionenschweren Investitionen in die sogenante "Lagune": auch hier: massiver Besucherrückgang.

Im Übrigen sind auch die Behauptungen von Umwegrentabilität, über die sich die gigantischen Investitionen bezahlt machen sollen, abwegig. Tatsächlich ist auch der Zoo Augsburg ein Fass ohne Boden: nach einem Neubau für Elefanten braucht man einen Neubau für die Schimpansen usw.usf. Die millionenschweren Investitionen werden sich nie amortisieren.

Abgesehen davon ist die Haltung von Elefanten -desgleichen von Menschenaffen und vielen anderen Arten - in Zoos IMMER Tierquälerei. Selbst der bestausgestattete Zoo kann diesen hochsensiblen Tieren nicht den Platz bieten, den sie benötigen. Elefanten- und Menschenaffenhaltung in Augsburg muß auslaufen, anstatt dass man sie die nächsten Jahre und Jahrzehnte fortschreibt.

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04.08.2016


Nein, das ist falsch. Man baut kein neues Elefantenhaus, um neue Besucher anzulocken. Man muss eines bauen, um weiterhin Elefanten halten zu dürfen.

Die Elefanten sind schon ewige Zeiten im Zoo. Sind als also keine neuen Attraktionen - man will sie nur nicht verlieren, weil die Besucher sie gerne sehen.

Es ist eher nicht möglich, einem Elefanten in seinem normalen Lebensumfeld näher zu kommen.

Seit dem Bau der Lagune im Nürnberger Zoo hat sich die Anzahl an verkauften Dauerkarten fast verdoppelt. Der allgemeine Besucherrückgang wird auf das anhaltend schlechte Wetter im Frühjahr zurückgeführt, was sein kann - ist natürlich schwer zu überprüfen, aber so pauschal, wie Sie das feststellen kann man das nicht sagen.

Wenn Sie Zoos für Tierquälerei halten, vllt. noch Mitglich bei PETA sind, ist Ihre Haltung verständlich. Man kann aber auch eine andere haben.

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04.08.2016

@Elke Petermann

Erkundigen Sie sich mal, dass Zoos durch Zuchtprogramme Tierarten vor dem Austerben bewahren und dass Zoos Verbindungen nach Afrika haben, um vor Ort un durch Tieraustausch zum Erhalt und zum Wohlbefinden der Tiere beitragen. Schauen Sie, dass diese üble Massentierhaltung beendet wird und das abartige millionenfache Schreddern von Küken.

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04.08.2016


Der Zoo hat zweieinhalb mal so viele Besucher wie das Stadttheater. Und trägt sich bislang selbst. Muss sich selbst tragen. Eiserne Regel.

Nun ist das nicht mehr zu stemmen. Aber die Stadt hat nur Geld für die hehre Kunst und Künstler, die sich nicht scheuen, ihre immense Subventionierung und die über 23jährige Haushaltsbelastung für die Sanierung lauthals einzufordern. Sie müssen sich nicht selbst tragen, weil sie glauben, immer noch einen Bildungsauftrag zu erfüllen.

Doch tut das ein Zoo auf seine Weise nicht auch?

Ich finde es ist ein Paradebeispiel dafür, wie völlig unausgewogen die Stadt Gelder für freiwillige Leistungen verteilt bzw. eben nicht.

Nein, die Stadt hat kein Geld und wird nichts zuschießen. Es sei denn es gibt doch noch einen Bürgerentscheid und der Zoo nutzt die Gunst der Stunde, denn das käme bei den Tierfreunden sicher sehr sehr schlecht an - wenn man die Existenz des Zoos aufs Spiel für eine Sanierung bei der das Theater aber auch schon kein bisschen bluten muss.

Vllt deucht es jetzt allmählich manchem, dass man sich mit der Theatersanierung finanziell einfach überfordert.

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04.08.2016

Wie Sie anfangs schrieben: der Zoo muß sich selbst tragen. Das ist meine ureigenste Meinung. Wenn man, der Zoo, sich nicht mehr selbst tragen kann, muß er eben schauen, daß er wieder in den "+"-Bereich kommt. Möglichkeiten hierzu gibt es mehrere.

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04.08.2016


Die Tierpfleger noch schlechter bezahlen?

Das Gelände noch ungepflegter halten?

Die Eintrittspreise so anheben, dass keiner mehr kommen mag?

Das fiele mir so ein.

Was sind denn Ihre Vorschläge dazu?

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04.08.2016

Als gebürtigen Augsburger war für uns ein Zoobesuch drei bis viermal im Jahr Tradition, meine letzten Besuche aber eine Enttäuschung, die Grünanlagen ungepflegt die Tiergehege auch nicht besonders gepflegt, der Kiosk und seine Angebote fragwürdig und die Eintrittspreise im Verhältnis zum vor genannten Zustand überzogen.

Früher haben sich einige Privatleute und Firmen, gerne mit nicht unerheblichen Spenden, gegenüber dem Zoo großzügig gezeigt, das scheint auch nichtmehr der Fall zu sein.

Leider ist es in Augsburg scheinbar üblich, immer zu warten bis das Kind in den Brunnen gefallen ist, siehe Theater und andere Projekte, um dann festzustellen, dass man eigentlich kein Geld für dringend notwendige Maßnahmen hat. Typisch Augsburg halt.

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04.08.2016

Frage: was kostet bei einem Elefantenhaus 6 Millionen - wird das eine Luxusvilla!

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04.08.2016

Antwort: Einfach mal schlau machen, was heute für Anforderungen an moderne Elfantenhaltung erfüllt werden müssen. Und bei Gelegenheit einen leckeren Elefantenkeks für die neue Elefantenanlage kaufen. Nur 5 Euro.

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04.08.2016

Ich denke nicht, dass das eine Luxusvilla wird. Das Problem bei solchen Bauten ist halt, dass man da nicht einfach "Copy & Paste" machen kann wir bei den überall gleich ausschauenden Wohnblöcken.

Das neue Elefantenhaus im Tierpark Hellabrunn in München kostet übrigens 18 Mio. €, was die Stadt München komplett zahlt. Also sind 6 bzw. 8 Mio. € schon sparsam.

Da die Stadt Augsburg und die angrenzenden Landkreise vom Zoo profitieren wäre es natürlich schön, wenn so eine Gemeinschaftsfinanzierung zustande kommen würde. Aber erfahrungsgemäß nutzen die Bürger aus den reicheren Vororten gerne die Einrichtungen der Stadt aber deren Gemeinden wollen nicht für Zuschüsse aufkommen...

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04.08.2016

Die überheblichen Technokraten und Bürokraten der EU kann nman getrost vergessen,. Hunderte Milliarden für Banken und keine einzige Million für einen Zoo. Und in Augsburg müssen die ganz großen Dinge gewuppt werden, wie der neue Bahnhof und das Theater. Da bleibt nix mehr übrig.

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04.08.2016

Hmmm - welche Banken haben denn bite die "Hunderte Milliarden" geschenkt bekommen?. Würde mich mal interessieren.

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05.08.2016

Da kann ich Ihnen vielleicht helfen:

Banken-Krise 500 Milliarden Euro aus deutschen Steuergeldern für Banken-Rettung http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/11/11/schaeuble-500-milliarden-euro-aus-deutschen-steuergeldern-fuer-banken-rettung/

Ein schönes Sümmchen.

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