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Leserbriefe

22.01.2019

Der Augsburger, der Unsympath?

Die Augsburger Sommernächte besuchen tausende Augsburger. Aber sind sie deshalb gesellig oder eher zurückhaltend, wenn sie jemanden nicht kennen? Unsere Leser haben da ihre eigenen Erfahrungen gemacht.
Bild: Peter Fastl

In Augsburg ist Rüdiger Bergmann auf besonders abweisende Bewohner gestoßen und hat eine Debatte entfacht. Wird die Unfreundlichkeit den Bürgern etwa in die Wiege gelegt? Da gibt es verschiedene Ansichten

Wir sind eine rheinische Frohnatur und vor 30 Jahren nach Augsburg gezogen. Der Kulturschock war groß und wir haben etwa ein Jahr gebraucht, um anzukommen, aber unser Freundes- und Bekanntenkreis ist mittlerweile sehr groß und besteht aus Augsburgern und Zugezogenen. Unsere Kinder sind hier geboren und wir fühlen uns sehr wohl hier, wir möchten nicht mehr zurück in die Heimat, nur noch für Besuche, den Karneval und… Jede Stadt, jedes Bundesland hat seine Eigenarten, die man annehmen und akzeptieren kann oder man bleibt einsam. Und wo man unfreundlich bedient wird, geht man einfach nicht mehr hin.

Claudia Schubach, Augsburg

Als gebürtige Augsburgerin liebe ich meine Heimatstadt und bin entgegen dem Spruch „das Beste an Augsburg ist der Zug nach München“ der Meinung, dass es sich genau andersrum verhält „das Beste an München ist der Zug nach Augs- burg“. Und auch wenn ich „dem Augschburger“ eine gewisse Schrulligkeit bescheinigen würde – bei der Lektüre des Artikels hat sich mir eine Frage aufgedrängt: „Wer genau ist jetzt eigentlich der seltsame Sonderling?“

Doris Gutmann, Augsburg

Wir sind doch einigermaßen erstaunt, dass Sie einem Augsburger Bürger mit offensichtlich ungeheuer viel unverdauter landsmannschaftlicher Luft im Bauch eine halbe Seite in Ihrem Blatt einräumen. Es gibt doch bei Gott wichtigere Themen!

Natürlich gib es in allen Landsmannschaften positive wie auch weniger schöne Eigenschaften – man muss diese halt zu nehmen wissen. Die allermeisten Augsburger Bürger sind nett, hilfsbereit und durchaus liebenswert, sofern man freundlich, positiv und bar jeglicher verbiesterten negativen Einstellung an sie herantritt.

Herrn Bergmann kann ich nur raten, seine Einstellung gegenüber uns Augsburger Bürgern mal kritisch zu überdenken. Darüber hinaus hat er doch die gute Möglichkeit eines wohlüberlegten Standortwechsels. Es wird sich dann auch zeigen, ob andere landsmannschaftliche Partner bei einer unveränderten verbiesterten Einstellung von Herrn Bergmann darüber sehr glücklich würden.

Dr. Hans-Peter und Gisela Senger, Augsburg

Als ich vor achtzehn Jahren aus Köln nach Augsburg kam, war die Mentalität der Augsburger für mich als gebürtige Lübeckerin fremd und heimatlich zugleich. Die Art der Kölner war mitreißend und hatte eine Leichtigkeit, die ich aus Norddeutschland so nicht kannte. Die Kölner lieben ihre Stadt und sie wurde meine zweite Heimat. Als ich dann durch meinen Mann, der Augsburger ist, hierher kam, war ich sehr überrascht, wie wenig die Augsburger die Stadt und ihre Menschen lieben. Die Augsburger waren sich damals kaum bewusst, was diese Stadt an vielseitiger Kultur zu bieten hatte.

Da ich offen, neugierig und interessiert bin, habe ich relativ schnell auch hier liebe Menschen gefunden, mit denen ich meine Interessen teilen konnte. Ich stelle beglückt fest, dass sich in dieser schönen alten Stadt in den letzten Jahren sehr viel zum Positiven verändert hat, aber es gibt auch noch viel zu tun. Die Augsburger tragen ihr Herz vielleicht nicht auf der Zunge, aber das ist noch kein Grund, sie nicht zu mögen. Ich lebe sehr gerne in dieser Stadt und merke, dass Augsburg zu meiner dritten Heimat wird.

Urda Niefind-Kast, Augsburg

Der meinungsbildende Leser der SZ ist wohl etwas verbittert, nicht erwerbstätig, fühlt sich von der Umwelt nicht verstanden, ist nicht verwurzelt und hadert mit so ziemlich allem, was so geschieht. Und er sucht die Schuld im Augsburger an sich. Da müssen wir uns als Leser der AZ nicht verstecken vor der großen deutschen Tageszeitung aus München. Insbesondere dann nicht, wenn die Redakteure der SZ so wenig zu lachen haben, dass ein fatalistischer Leserbrief, der gern geäußerte Ressentiments über Augsburg aufwärmt, zum Schenkelklopfen führt. Augsburg – hier bin ich daheim.

Knut Wuhler, Augsburg

Bin vor 30 Jahren als „Franke“ und mit meiner (damals noch) ausländischen Frau nach Augsburg zugezogen. Wir sind beruflich und privat sehr viel in Deutschland und im inner- und außereuropäischen Ausland unterwegs. Deutschlandweit gesehen bin ich immer wieder froh, wenn ich nach Augsburg zurückkomme.

Das Lebensgefühl hier, die Sicherheit und die für eine 300000-Einwohner-Stadt super Atmosphäre, findet man woanders nicht so schnell. Wir versuchen immer wieder, unsere ausländischen Reisegruppen nach Augsburg zu bringen, hier zumindest einen mehrstündigen Aufenthalt einzuplanen und, wenn möglich, auch zu übernachten. Die Resonanz, die wir dann immer wieder bekommen, ist durchwegs sehr positiv.

Sicher gibt es ab und zu Situationen, wo nicht alles so läuft, wie man sich das vorstellt, aber im Vergleich mit anderen Städten in Deutschland ist da Augsburg sehr human. Einfach mal öfters „aus dem Wohnzimmer ausreisen“ und die anderen Gegenden in Deutschland besuchen. Dann weiß man, was man in und an Augsburg hat: eine lebens- und liebenswerte Stadt!

Hans Meixner, Diedorf

In Mannheim geboren, habe ich meine Jugendzeit in Heidelberg verbracht, habe in London, Paris und München gelebt, bevor ich der Liebe wegen in Augsburg „gelandet“ bin und jetzt seit 50 Jahren in Gersthofen, also im „Außenbezirk“ Augsburgs wohne. Manchmal werde ich gefragt, wie ich das aushalte. Man sagte mir, in Ausburg gehe man zum Lachen in den Keller und in der Tat fand ich die Stadt, als ich 1968 in Lechhausen wohnte, etwas kleinbürgerlich und verschlafen im Gegensatz zu meinem vorherigen Wohnort München.

In den letzten Jahren hat sich aber enorm viel verändert: Augsburg ist viel lebendiger und selbstbewusster geworden. Dass Augsburger weniger kommunikativ sind als die Münchner, liegt vielleicht an der Mentalität und einem Gefühl eines falsch verstandenen Komplexes gegenüber München, was aber völlig unbegründet ist, denn Augsburg kann auf seine Geschichte durchaus stolz sein und braucht sich nicht zu vestecken.

Im Übrigen kommt es immer auch auf einen selber an, wie man auf Menschen zugeht und „Grantler“ gibt es überall, auch in München und sogar in Heidelberg! Wenn ich von hier wegziehen müsste – ich würde Augsburg sehr vermissen, denn es ist für mich zur zweiten Heimatstadt geworden.

Marlies Kaiser, Gersthofen

Dem Herrn Bergmann müsste man Folgendes sagen: Nörgler gibt es überall auf der Welt, begegne ihnen einfach mit einem Lächeln und Freundlichkeit, die vom Herzen kommt. Ein Leben ohne Freundlichkeit ist im Prinzip möglich, macht aber wenig Sinn. Wenn Sie schon über die Berliner (Sozialkünstler), Münchner (hochnäsig) und jetzt auch über die Augsburger (divers) nörgeln, sollten Sie wissen, das der Auensee zu Kissing gehört, die Kissinger Seite wird sich über Ihre Auslassungen sehr freuen! Das heißt also, Sie kennen diese liebenswerte Gegend der Schwaben erst seit 17 Jahren und haben also noch genügend Zeit, Ihre Meinung zu ändern.

Nehmen Sie doch alles mit ein bisschen Humor und schreiben Sie Ihre Gedanken wenn möglich in Gedichtform an das Augschburger-Poesie-Käschtle.de, es würde sich sehr darüber freuen!

Reiner Mayr, Königsbrunn

Ich komme vom württembergischen Allgäu, meine Frau aus der Ecke Lübeck. Im Jahr 1997 hatten wir geheiratet und es verschlug uns im selben Jahr aus beruflichen Gründen nach Augsburg. Genauer: nach Augsburg-Land. Mit der Landbevölkerung gibt es keine Probleme. Liegt auch viel an einem selbst, wie man auf andere zugeht. Mit der Stadtbevölkerung haben wir nicht viel Kontakt, daher erlauben wir uns über sie kein Urteil.

Aber von Anfang an bis heute ist für uns der Augsburger mit Abstand der unfreundlichste Autofahrer. Wenn du an der Ampel wegen einer Ablenkung noch zehn Sekunden stehst oder du an einer Straßenkreuzung nur kurz zögerst, weil du den Weg nicht kennst, oder du beim Vorfahrtbeachten nicht zügig rausfahren kannst, wirst du sofort angehupt. Immer. Mit und ohne Handzeichen.

In dieser Form haben wir das bisher in keiner anderen Stadt erlebt. Und nein, wir sind keine Trödler, wir fahren selbst zügig. Das ist mit ein Grund dafür, warum ich nicht oft Lust habe, ins Städtle zu fahren. Und wenn, dann lieber mit dem Motorrad...

Stefan Hau, Dinkelscherben

Meine Frage an Herrn Bergmann ist: Warum die Beschwerde über die unmöglichen Augsburger in einer Münchner Zeitung? Sogar das grauenhafte Augsburg ist im Besitz derartiger Medien. Auf alle Fälle würde ich Herrn Bergmann raten, sich doch mal etliche Stunden in München rumzutreiben. Man muss schon ordentlich Geduld aufbringen, um dort einem ECHTEN Münchner zu begegnen. (Das ist wegen der „günstigeren“ Mieten bald eh in Augsburg leichter.) Tja, ob dann der lange gesuchte Ur-Bayer in Sachen Konversation den hohen Ansprüchen des Herrn Bergmann entspricht? Schließlich kann man sich ja offensichtlich selbst am Auensee NUR auf der lechgewandten Seite vernünftig unterhalten.

Also, auf nach Passau – Berlin war ja auch nicht der Burner, gell! Wir warten schon sehnsüchtig auf einen ach so lustigen Leserbrief, wie entsetzlich doch die Passauer sind. In Augsburg auf die große Liebe zu warten – davon rate ich dringend ab. Es gibt hier zu viele Augsburgerinnen! Nix für Herrn Bergmann.

Sie klopfen sich vermutlich nicht vor Lachen über seine Leserbriefe die Schenkel und man kann sich keinesfalls vernünftig mit ihnen unterhalten, da sie ja vermutlich alle verstockt, zurückhaltend und wortkarg sind. Viel Glück auf der Suche nach dem idealen Wohnort, den es sehr wahrscheinlich nicht gibt.

Irene Hautsch, Kissing

Seit 1971 wohne ich in hier (zuerst in Königsbrunn, jetzt in Augsburg). Meine Kinder waren bei dem Umzug nach Bayern von Bremen vier und ein Jahr alt. Die Älteste habe ich mit 17 Jahren zum ersten Mal mit nach Bremen genommen. Wir wollten dort meine Mutter im Krankenhaus besuchen. Da ich auch schon einige Zeit nicht mehr dort gewesen bin, sagte ich zu meiner Tochter, ich wisse nicht genau, ob wir in dieser Bahn sitzen bleiben können oder am Bahnhof umsteigen müssen. Sofort schaltete sich eine hinter uns sitzende Frau ein und fragte, wo wir den hin wollten. Punktum: Es ging dann so weiter. Dass sie uns nicht noch bis ins Zimmer begleitete, war alles und ist unglaublich. Meine Tochter war so begeistert und sagte zu mir, jetzt wisse sie auch, warum ich so oft mit Fremden spreche oder angesprochen werde. „Sind alle Bremer so?“, fragte sie. Dann ihre Bemerkung: „So etwas wäre in Augsburg nicht passiert.“

Darauf haben wir uns über die Unfreundlichkeit der Augsburger unterhalten. In Bremen ist es üblich, am Abend mal schnell auf ein Bierchen vorbeizukommen. Aber nicht bei den Schwaben. Die lassen einen glatt vor der Türe stehen, weil es vielleicht gerade nicht aufgeräumt ist. Einladungen müssen sowieso tagelang vorher bekannt gemacht werden. Ich könnte da noch andere Sachen erzählen.

Kurzes Fazit: Ich wohne gerne in Augsburg, es ist eine wunderschöne Stadt. Und da ich gerne auf die Menschen zu gehe, macht ihre Mentalität mir nichts aus.

Hannelore Sommer-Helbing, Augsburg

Der über die Fuggerstadt jammernde Rüdiger Bergmann scheint noch nicht viel von der Welt gesehen zu haben und schätzt auch die Augsburger total falsch ein.

Vorschlag: Der 61-Jährige sollte sich am Kö mit einem Schild setzen „Ich hasse es, hier zu leben, habe kein Geld und möchte Augsburg für immer verlassen“ und wäre in kurzer Zeit Millionär.

Rainer Kraus, Augsburg

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