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Augsburg

31.08.2012

Der Augsburger - ein unergründliches Wesen

Für manche ist der Augsburger an sich ein unergründliches Wesen.
Bild: Ulrich Wagner

Jeden Donnerstag treffen sich bei einem Facebook-Stammtisch junge Menschen, die neu in Augsburg Stadt sind. Für viele bleibt der Augsburger an sich lange ein unergründliches Wesen.

Es auf die Sprache zu schieben, wäre vermutlich übertrieben. Aber am einen Ende der Telefonleitung war ein Westfale, am anderen ein alteingesessener Augsburger. Und irgendwie muss dabei etwas schiefgegangen sein. Der Tisch für Donnerstag ist nun zumindest erst für Freitag reserviert.

Es ist ein lauer Sommerabend in der Kervansaray, draußen sind alle Tische besetzt. Und weil jetzt auch noch 30 Gäste auf einen Platz warten, ist das Durcheinander in dem Lokal entsprechend groß. „Freitag?“, grummelt Dennis, der Westfale. „Da hätte ich aber meinen Job verfehlt.“

Dennis ist 31, ein gebürtiger Dortmunder, der in Augsburg als Eventmanager arbeitet. Termine sind sein Leben. Dass er sich mal im Kalender vertut, scheint eigentlich ausgeschlossen. Zumal dieser Stammtisch schon seit eh und je am Donnerstag stattfindet. Immer woanders zwar – in einer Kneipe, einem Restaurant oder einem Biergarten. Aber eben schon immer am Donnerstag.

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Facebook-Gruppe "Neu in Augsburg"

Dieses Mal ist Frank aus Dresden gekommen, dazu Rüdiger aus Stuttgart, Verena aus Traunstein und viele andere – lauter junge Menschen Mitte 20, Anfang 30. Menschen wie Dennis, die es beruflich gerade erst nach Augsburg verschlagen hat und die sich bei Facebook über die Gruppe „Neu in Augsburg“ kennengelernt haben.

Man brauche in etwa ein Jahr, bis man verstanden hat, wie der Augsburger so tickt, sagt Dennis. „Eine abweisende Haltung heißt nicht immer gleich: Du kannst mich mal.“ Doch ganz allgemein mache es einem die Stadt nicht gerade einfach. Er wisse nicht, woran es liegen könnte, sagt Rüdiger. An der Sache mit der Reichsstadt vielleicht oder an den Fuggern. „Die Augsburger jedenfalls sind schon speziell.“

Frank am Nebentisch hat das eine neuralgische Jahr gerade hinter sich. Er ist seit gut zwölf Monaten in der Stadt. Wie er sich mit den Augsburgern versteht? „Ich kenn’ ja keine“, sagt er. Anfangs sei er noch mehrfach alleine losgezogen, „aber das hat nicht gefruchtet.“ Der Augsburger an sich sei nicht gerade offen, sagt Frank. „Das ist der Grund, warum man keinen kennt.“

Mobil, belastbar und flexibel

Die Neuaugsburger haben sich mittlerweile an drei Biertischen gruppiert. Alle hier entstammen einer Generation junger Arbeitnehmer, von denen verlangt wird, dass sie mobil, belastbar und vor allem flexibel sind. Und weil für die meisten das nicht nur im Beruf, sondern auch in der Freizeit gilt, war das Malheur mit der Reservierung letztlich kein Problem. Auch Verena hat inzwischen einen Platz gefunden.

„Ich finde nicht, dass die Augsburger so stoffelig sind“, sagt sie und guckt über den Tisch hinweg. Dort sitzt Roman. Er kommt aus Gablingen und ist somit einer der wenigen Einheimischen beim Stammtisch. Der Augsburger – schwierig? „Absolut“, sagt Roman, „die sind ein ganz eigenes Völkchen.“ Wenn man in der Stadt zur Schule gegangen sei, in Augsburg studiert und vielleicht noch Fußball gespielt habe, dann sei man akzeptiert. Für Fremde dagegen sei es schwer. „Der Augsburger“, sagt Roman, „bleibt lieber unter sich.“

Zugezogene und Alteingesessene: Wenn man sich beim Stammtisch so umhört, scheint das nicht so recht zusammenzupassen. Aber vielleicht müssen sich beide Seiten auch nur lange genug aneinander gewöhnen. In der Kervansaray zumindest gibt es Gemüsecurry und bayerischen Wurstsalat. Das passt auch nicht zusammen. Und dennoch stehen an diesem Donnerstag beide friedlich

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