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Wirtschaft

26.09.2014

Der Mann mit dem Blick für gewisse Frauen

„Im wesentlichen große Unternehmen suchen nach weiblichen Chefs.“Klaus Danhamer

Headhunter Klaus Danhamer aus Mering sucht weibliche Führungskräfte für große Unternehmen. Er hat in Skandinavien gearbeitet und sieht noch viel Nachholbedarf in Deutschland

Wenn es um Frauen in Führungspositionen geht, kann man von den skandinavischen Ländern viel lernen, sagt Frauen-Headhunter Klaus Danhamer aus Mering. Vor seiner Tätigkeit als Partner der Hamburger Personalberatung „Hunting/Her“ war er lange Jahre Geschäftsführer einer Tochterfirma von Manroland in Kopenhagen.

Warum spezialisiert man sich als Headhunter auf Frauen?

Fachkräftemangel ist ein Riesenthema in Deutschland und 50 Prozent unserer gut ausgebildeten Personen, die Frauen, werden nicht entsprechend berücksichtigt. Für mich war es Thema, wie ich mit meiner Erfahrung aus Skandinavien etwas dazu beitragen kann, um auch in Deutschland die Situation zu verbessern.

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Geht man als Headhunter bei Frauen anders vor, als man das bei Männern tun würde?

Frauen haben andere Anforderungen. Frau will eher betreut und gecoacht werden. Es gibt viele gut ausgebildete Frauen, die sagen, ich möchte mich gar nicht auf irgendeinen Job direkt in einem Unternehmen bewerben, sondern es lieber mit Ihnen abstimmen und Sie können mich dann im Unternehmen präsentieren. Das Thema Karrierekompetenz ist bei Frauen anders ausgeprägt als bei Männern. Wenn ein Mann 50 Prozent der Anforderungen einer Stellenanzeige erfüllt, wirft er seinen Hut in den Ring. Eine Frau zögert selbst bei 80 Prozent noch.

Zu Karrierekompetenz gehört auch das Thema Geld. Wie kommt es, dass Frauen in vielen Fällen weniger verdienen als ihr männliches Pendant?

Es gibt diese Statistiken, dass die Frauen zehn bis 15 Prozent weniger verdienen. Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass die Frauen sehr wohl wissen, was sie am Markt wert sind. Die Vorstellungen sind durchaus vergleichbar mit männlichen Gehältern. Ich kann nicht sagen, dass die Frauen weniger Wert auf Geld legen.

Das heißt, das Problem ist gar nicht so groß?

Ich sehe es nicht als so groß an. Der Unterschied mag sein, einen Mann können Sie noch mit einem schönen Firmenwagen locken, eine Frau mag lieber eine Jahreskarte in der Ersten Klasse für das Netz der Bahn. Ich kann bei unserer Klientel nicht sagen, dass die Frauen weniger fordern als die Männer. Frauen lassen sich auch gerne messen, das Thema variables Gehalt beispielsweise ist hier durchaus eine Attraktion.

In Skandinavien gibt es eine hohe Frauenquote. Ist das ein Vorbild für Deutschland?

Ich bin gegen eine Quote. Die Frauen fühlen sich als Quotenfrauen, glauben, den Job nur wegen ihres Geschlechts bekommen zu haben. Und es darf auch nicht zu einer Diskriminierung der Männer führen. Wir müssen die Themen Familie und Beruf zusammenkriegen. Das ist in Deutschland ein großer Hemmschuh. Die Unternehmen sind wenig bereit, auf die geänderten Forderungen einzugehen. Da sind wir nicht so weit wie Skandinavien.

Was machen die Skandinavier anders?

Zum Beispiel das Thema Frau, Mann und gesellschaftliche Strukturen. Da ist es ganz klar, dass Haushalt und Familie von beiden getragen werden. Es gibt nicht die Ausschließlichkeit Karriere oder Familie. Die Frauen sind oft selbstbewusster als bei uns und fordern ihre Rechte ein. Es ist gesellschaftlich akzeptiert, dass sie Vollzeit arbeiten. Bei uns fällt gleich das Wort „Rabenmutter“, wenn die Frau nicht beim Kind bleibt. Wobei man in Deutschland sehen muss, dass die neue Generation, gerade die Männer, Zeit für die Familie fordern. Ich sehe da sehr wohl ein Zusammenrücken. Wer sich ausschließlich auf die Familie oder auf den Beruf konzentriert, ist von Gestern.

Brauchen Frauen in Deutschland Ellenbogen, um nach oben zu kommen?

Frauen dürfen nicht versuchen, die besseren Männer zu sein. Wenn sich eine Frau als Wadlbeißer darstellt, da stelle ich lieber gleich das Original ein. Frauen müssen ihre fraulichen Talente in den Vordergrund stellen, beispielsweise das Thema Kommunikationsfähigkeit. In vielen Unternehmen funktioniert die interne Kommunikation nicht. Da helfen Frauen. Auch das gemeinsame Arbeiten im Team ist eine weibliche Stärke, auf so etwas bauen erfolgreiche Frauen auf.

Was für Firmen suchen gezielt nach weiblichen Chefs?

Das sind im wesentlichen große Unternehmen. Besonders DAX-Unternehmen beschäftigen sich mit dem Thema und haben beispielsweise „Diversity-Managerinnen“, die die Aufgabe haben, Strukturen aufzubauen, damit sich Frauen wohlfühlen können. In diesen Unternehmen geht es dann auch um die Frauenquote, die Frage, wie viele Frauen habe ich in Führungspositionen. Dort gibt es aber auch eine große Notwendigkeit, denn je größer das Unternehmen, umso kleiner ist die Frauenquote, sagt die Statistik.

Ist Deutschland bereit für mehr Frauen in der Unternehmensführung?

Es gibt Unternehmen mit Vorreiterfunktion. Diese Firmen sehen die betriebswirtschaftliche Notwendigkeit, weibliche Mitarbeiter einzustellen. Es sind noch wenige, aber es werden immer mehr. Interview: Fridtjof Atterdal.

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