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Augsburg

28.04.2019

Der Oldie-Max und sein Museum des Herzens

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4 Bilder
Vom Architekten des Augsburger Stadttheaters kaufte Max Mühleisens Vater diesen Opel.
Bild: Michael Hochgemuth

Bei Max Mühleisens Geschichten über motorisierte und nichtmotorisierte Oldtimer kommt selbst die Zeit auf Touren. Die Freude an Altem hält den 81-Jährigen jung.

Die Liebe zu allem, was „Vintage“ ist, kann Max Mühleisen kaum verbergen. Wenn er seine Garage für Besucher öffnet, geht auch ihm das Herz auf. Da gibt es reichlich Oldtimer, unter anderem das Auto, mit dem er vor 62 Jahren seinen ersten Kilometer fuhr, da sind Motorroller und Fahrräder. „Meine Autos gehen alle“, sagt der 81-Jährige stolz, „sie sind auch alle zugelassen.“ Und wenn er die Geschichten der Exponate in seinem „Museum des kleinen Mannes“ erzählt, fängt die Zeit an, ein paar Umdrehungen schneller zu laufen. Auch seine Stimme bekommt dann einen beinahe euphorischen Klang, und er beschleunigt seine Schritte.

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Das Interesse an der Oldtimerei zielt nach Ansicht des gebürtigen Firnhaberauers heute „mehr auf Prestige“ ab. Max Mühleisen aber beschreibt sich als Freund von Understatement, der vor allem größten Wert auf die Pflege seiner Mobile legt. Vom Architekten des Augsburger Stadttheaters habe sein Vater den Opel Rekord gekauft, erzählt er als er sich auf die Rückenlehne des Fahrersitzes setzt und über die Windschutzscheibe lächelt. Er präsentiert einen ockerfarbenen Wagen ohne Verdeck, an dessen Stoßstange ein trauriges Büblein lehnt. „Das ist Emil“, erklärt der detailvernarrte Mühleisen, den Gleichgesinnte und Freunde den „Oldi-Max“ nennen. Emil, eine mit karierter Jacke und Jeans bekleidete Puppe, weint, weil sie laut Mühleisen heute nicht mit ausfahren darf.

Damit das Ganze "a bissle an Schlanz" bekommt

Um 1995 übernahmen Mühleisens Mitarbeiter das Geschäft, das der Mechanikermeister von der 1946 gegründeten mechanischen Werkstätte 1980 in einen Reha-Betrieb umgewandelt hatte. Heute ist der Betrieb für Rollstühle und andere Hilfsmittel in der Lechhauser Blücherstraße ansässig. Als Mitglied des Oldtimer-Clubs Augsburg war der Italien-Liebhaber mit seinen schmucken Fahrzeugen schon auf der ganzen Welt unterwegs gewesen. „Organisiert“, wie er sagt. Bis heute fährt er mit den Autos „naus“, damit das Ganze „a bissle an Schlanz“ bekomme. Wieder zeigt er auf ein Exponat: Es ist ein Motorrad mit Beiwagen. „Das lassen wir jetzt mal laufen“, sagt der Gastgeber und erklärt: "Mit dem würde ich morgen nach Hamburg fahren.“ Er müsste nur noch tanken.

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Weiter geht der Rundgang mit den Erzählungen über Art und Herkunft der Stücke. Etwa des NSU D-Rads R 09, das noch vom Vater stammt. Ihn beschreibt er als Arbeitstier, während er für sein „Mütterlein“ – einen Engel – noch heute barfuß nach Afrika gehen würde. An sie erinnert heute ein Wamsler-Ofen in der Garage. Denn Mühleisen nennt sich auch „ofenverrückt“. Heiße Öfen haben es ihm also in jeglicher Form angetan.

Der Olympia-Kicker von 1972

Zu Hause vertreibt er sich die Zeit gerne am Fernseher vor „Bares für Rares“. Was ihn an dieser Sendung begeistert, ist die Tatsache, dass der Zuschauer von zehn Antiquitäten acht nie wieder im Leben zu Gesicht bekomme. Und das sei für ihn „das Höchste, das es gibt“. So erklärt er, warum er täglich zur längeren Abendversion und nicht am Nachmittag einschalte. Auch in seiner Garage hat er einige Raritäten versammelt, die durchaus in die Sendung passen würden. Unter anderem steht dort ein „Olympia-Kicker von 1972“. Darauf liegt ein alter lederner Fußball, den sein Vater 1933 aus der Schweiz mitbrachte, wo er Mitglied des FC Schaffhausen-Sparta war. Oder ein Apparat, der wie ein Volksempfänger aussieht, sich wie ein Grammophon anhört, aber als Tefifon bis heute Musik wie einst im Friedrichstadtpalast aus dem Jahr 1932/33 spielt.

Liebeserklärung in der Garage

Zu sehen sind ein Fahrrad von Fendt mit Kardanantrieb, ein Fiat 500 Topolino oder ein Behindertenfahrzeug von 1946, das, wie Mühleisen sagt, „ja zu seiner Branche gehört“. Dann ein Soundcheck: Das kurze Tröten klingt nach United Kingdom. Laut Mühleisen ist es die Hupe seines Wolseley in Englischgrün. Seit 25 Jahren befindet sich der Austin Healey 3000 in seiner Sammlung, den er seinen „Alltags Oldtimer“ nennt. Eine Liebeserklärung hat er in der Garage seiner „Lieben Isabella“ – einem Borgward – gemacht.

In dem weißen Cabrio im linken hinteren Eck der Garage sei schon Brigitte Bardot gefahren. „Nein, nicht im selben“, sagt er, „aber im gleichen.“ Kurvenreiche Strecken sind es auch, über die Max Mühleisen mit seinen Autos am liebsten spazieren fährt. Und bei so viel Lack und Schönheit dürfen auch die kulinarischen Genüsse nicht fehlen. Noch im Mai fahre er – vielleicht im Austin – nach Modena, um sich eine „absolute Spezialität“ zu gönnen. Die heißt „Culatello“ und sei, wie er sagt, ein Schinken vom schwarzen Schwein. Das Fleisch reife eineinhalb Jahre lang. Das Besondere daran: „Das Fett schmeckt fast besser als das Fleisch“, sagt Mühleisen.

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