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Augsburg

18.02.2017

Der Wandel der Pferseer Gaststättenkultur

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2 Bilder
Ein Bild aus Wolfgang Konrads Wirtschaften-Sammlung: die Gaststätte Goldener Anker, aufgenommen 1911 vom Pferseer Fotografen Georg Funk. Das Lokal befand sich Metzstraße 40/Ecke Koboldstraße. Die Räume wurden noch bis vor einigen Jahren gastronomisch genutzt.
Bild: Sammlung Konrad

Der Unternehmer Wolfgang Konrad hat über Wirtschaften vor 100 Jahren viel zu erzählen. Doch auch heute muss im Stadtteil niemand hungrig oder durstig bleiben.

Wem vor 100 Jahren in Pfersee fernab seiner Wohnung der Magen knurrte, der konnte seinen Hunger problemlos stillen – sofern die finanziellen Mittel vorhanden waren. In Pfersee, das bis 1911 eine selbstständige Gemeinde war, gab es damals zahlreiche Wirtschaften. Diese Vielfalt spiegelt sich in der historischen Foto- und Postkartensammlung von Wolfgang Konrad wider, zu deren Schwerpunkten die Gaststätten zählen.

Fleißarbeit für den Kaufhauschef

Konrad, den die Pferseer als einen der Chefs des gleichnamigen Kaufhauses kennen, bewahrt seine Schätze ganz klassisch in einem Karteikästchen auf. Er hat sie aber auch alle elektronisch archiviert. Vor einiger Zeit beschloss der Geschäftsmann, seine Wirtschaftensammlung öffentlich zu machen. Inspiriert durch Renate Weggels Buch „Pfersee: Dorf – Industrieort – Vorort“, das sich auch mit dem Vereinsleben und den damit verbundenen Treffpunkten befasste, schuf Wolfgang Konrad eine Webseite mit zahlreichen Bildern und Informationen. „Das war schon eine Fleißarbeit“, sagte der Kaufhauschef rückblickend. Er sei immer noch damit beschäftigt zu aktualisieren. Eine wertvolle Hilfe seien neben alteingesessenen Pferseern auch diverse Adressbücher gewesen.

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Das Ergebnis von Konrads Bemühungen kann sich sehen lassen: Beim Betrachten der bierseligen Herrenrunden im Gastraum, der prachtvollen Häuser und der gedeckten Tafeln fühlt sich der Betrachter in die Vergangenheit zurückversetzt. Aber nicht ganz: Denn von den 35 aufgelisteten Wirtschaften ist bei 23 zumindest das Gebäude noch erhalten. Zwölf werden noch heute gastronomisch genutzt. So gingen die Pferseer bereits vor 100 Jahren in der Uhlandstraße in den Kuckuck. Heute frönen die Gäste in der gleichnamigen Osteria der Slowfood-Bewegung. Wo einst in der Deutschenbaurstraße der Rote Ochse residierte, ist jetzt ein Texmex-Lokal untergebracht.

Bis ins 18. Jahrhundert reichen die Ursprünge des Gebäudes in der Fröbelstraße 7 zurück. Dort, wo heute im Bella Napoli süditalienische Gaumenfreuden auf den Tisch kommen, befand sich schon um 1750 das Gasthaus Krone. Doch auch wenn die Lokale ihre ursprünglichen Namen – beispielsweise Wittelsbach in der Eberlestraße oder Deutscher Kaiser in der Hessenbachstraße – beibehalten haben, so regiert dort in der Küche längst der Balkan.

Treffpunkt für Stammtischbrüder

Wolfgang Konrad bedauert es ein wenig, dass sich die klassische Wirtschaft auch in seinem Stadtteil auf dem Rückzug befindet. „Es gibt eigentlich nichts mehr, wo man sich einfach mal auf ein Bier trifft.“ Pizza und Pasta lässt sich der 61-Jährige aber dennoch gerne schmecken, beispielsweise im Orlando in der Leitershofer Straße. Auch dieses Gebäude ist in seiner Wirtschaftensammlung verewigt. Damals hieß das Lokal noch Pferseer Hof und war ein beliebter Treffpunkt für Stammtischbrüder.

Klicken wir die Vergangenheit weg. Auch im Pfersee der Gegenwart muss niemand hungrig bleiben. Neben den verschiedenen Italienern, die sich nach Aussagen von Insidern allesamt behaupten können, gibt es eine breite internationale Auswahl. Da passt es auch, dass die österreichischen Spezialitäten im Edelweiß von einem bayerischen Schwaben serviert werden.

Steaks, Burger und Salate 

Seit einiger Zeit haben die Pferseer außerdem ein Stück Irland vor ihrer Haustür. Oliver O’Sullivan und sein Geschäftspartner James Murdock haben in der Löwenstraße den Pub O’Sullivan eröffnet. Die beiden Iren – Murdock betreibt auch ein Lokal am Roten Tor – haben sich in ihrer Heimat ungezählte Pubs angeschaut, um hier in Augsburg etwas Uriges aufzubauen. Und tatsächlich waren es irische Firmen, die das verwinkelte Lokal mit viel Holz und Liebe zum Detail umgebaut haben. Die Gäste können sich an der gut sortierten Bar einen Whisky oder ein Guinness-Bier servieren lassen. Die Speisekarte bietet unter anderem Steaks, Burger und Salate. Mit Quizabenden, hin und wieder Livemusik und Whisky-Seminaren wollen die Wirte ihrem altersgemischten Publikum die Gaststättenkultur ihrer Heimat näherbringen.

Viele Pferseer kennen das Lokal in der Löwenstraße 1 aus der Zeit, als es noch Indian Palace hieß. Elf Jahre lang kamen dort Currys, Thali- und Tandoori-Platten auf den Tisch, dann verlegten Geschäftsführerin Nurhan Yanik und ihr Team ihren „indischen Palast“ nach Neusäß. Als dort die Immobilie wegen eines Wohnbauprojekts abgerissen wurde, schaute sich die Pächterin wieder in Pfersee um – und wurde wenige Gehminuten vom alten Standort in der Augsburger Straße 39 fündig.

Spezialität aus Mersin

Auch Birhan Yilmaz wurde in seinem Heimatstadtteil Pfersee fündig, als er sich auf die Suche nach Räumen für einen Imbiss machte. Sein Oskar’s Tantuni Food befindet sich direkt neben dem irischen Pub, in der Löwenstraße 2. Früher lernten die Besucher hier für den Führerschein. Heute kommen sie vor allem, um diverse Tantuni-Spezialitäten zu kosten. Tantuni ist mageres, ganz klein gewürfeltes Kalbfleisch, das im Wok angebraten und nach Belieben mit diversen Soßen und Gewürzen serviert wird. Bei dem Gericht handelt es sich nach Angaben von Yilmaz um eine Spezialität aus der türkischen Stadt Mersin. Der junge Unternehmer, der eigentlich Maschinenbautechniker von Beruf ist, möchte in den nächsten Monaten seinen modern eingerichteten Imbiss um ein paar Tische im Freien erweitern. Auch die Speisekarte soll wachsen. Türkische Pizza, Pommes und Döner will Yilmaz aber auch künftig nicht anbieten. Denn diese Gerichte gebe es überall, sagt er.

Internet Die reich bebilderte Seite „Alte Pferseer Wirtschaften“ von Wolfgang Konrad, herausgegeben von der Bürgeraktion Pfersee Schlössle, ist zu finden unter der Adresse www.alte- pferseer-wirtschaften.weebly.com.

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