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Augsburg Geschichte

30.03.2017

Die Afa begann im Stadtgarten

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5 Bilder
Wie eine kleine Stadt wirkte das Ausstellungsgelände beim Wittelsbacherpark. Vor 30 Jahren endete dort die Afa-Ära.
Bild: Fred Schöllhorn, Archiv

In der Wirtschaftswunderzeit gab es die erste Ausstellung beim Ludwigsbau. Vor 30 Jahren standen letztmals Zelthallen am Wittelsbacherpark.

Als Traditionsmesse wird die am 1. April beginnende Augsburger Frühjahrsausstellung (afa) inzwischen bezeichnet. Zu Recht: Die erste afa fand vom 29. April bis 10. Mai 1953 beim Ludwigsbau im Stadtgarten statt. 95000 Besucher kamen damals. Diese Messe hatte bereits Vorläufer. Das Nachkriegsmessewesen entwickelte sich in Augsburg, nachdem seit Juni 1948 die kaufkräftige D-Mark gegolten hatte. Mit dem neuen kaufkräftigen Geld begann eine Epoche, die als Wirtschaftswunderzeit zum Begriff wurde. Am wachsenden Wohlstand suchte man natürlich auch in Augsburg teilzuhaben.

Bei den Verkaufsmessen stand Augsburgs landwirtschaftlich geprägtes Umland im Blickfeld. Dort bestand schon Ende der 1940er-Jahre ein hoher Investitions- und Modernisierungsbedarf. Es war die Zeit der Umstellung von Pferden, Ochsen oder Kühen als Zugtiere zum Schlepper. Die Technisierung in der Landwirtschaft kam in Gang: Melkmaschinen lösten das Melken von Hand ab, Selbsttränken für Rinder wurden in Ställen installiert, Gummibereifung ersetzte eisenbeschlagene Holzräder an Ackerwagen.

Zelthallen und ein Freigelände

Die technische Modernisierung bot gute Chancen für eine Landwirtschaftliche Ausstellung. Sie fand vom 30. September bis 11. Oktober 1950 im Stadtgarten zwischen der Gögginger Straße und der Rosenaustraße beim Ludwigsbau statt. Im Parkgelände standen Zelthallen und ein weites Freigelände stand zu Verfügung. Es wirkte zwar improvisiert, doch die Landwirtschaftsmesse war ein voller Erfolg.

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Das 1950 getestete bahnhofs- und stadtnahe Gelände erwies sich als ideal für solche Verkaufsmessen. So fand vom 29. Juni bis 15. Juli 1951 am selben Standort die Ausstellung Industrie – Handel – Handwerk – Landwirtschaft statt. Drei Leichtbauhallen mit insgesamt 8820 Quadratmetern überdachter Fläche wurden aufgebaut. Auch die Nahrungs- und Genussmittel-Ausstellung im Herbst 1952 fand hier statt.

Ausweitung beim Ludwigsbau war nicht möglich

1953 wurde dann die Frühjahrs-Ausstellung „erfunden“. Sie sollte die Möglichkeit für ein breit gefächerten Sortiment bieten. Sie lockte 95000 Besucher an, und die Aussteller forderten für künftige Messen mehr Fläche. Eine Ausweitung beim Ludwigsbau war nicht möglich, so wurde zum Messejahr 1955 ein weitaus größeres neues Areal zwischen Wittelsbacherpark und St.-Anton-Kirche erschlossen. Vier temporäre Hallen konnten aufgebaut werden. 1955 war vom 16. Juni bis 17. Juli Messezeit. Mit einer Folge von drei Ausstellungen wurde der neue Messeplatz einweiht: „Industrie- und Gewerbeschau“ (16. bis 26. Juni), „Die Welt der Frau“ (3. bis 17. Juli) sowie „Forst, Jagd, Fischerei und Gartenbau“ (8. bis 17. Juli).

1955 kündigte Oberbürgermeister Klaus Müller den Bau einer Mehrzweckhalle auf dem neuen Messeareal an. Doch dazu kam es nicht. 32-mal fand hier die Augsburger Frühjahrsausstellung in jeweils neu aufgestellten Zelthallen statt. Die afa übte enorme Anziehungskraft aus. 1964 wurde die 100000-Besucher-Grenze überschritten, 1980 kamen 131395.

Proteste hatten Erfolg

Immer wieder kam der Ruf nach festen Hallen. „Nicht hier!“, protestierten die Antonsviertler. 1971 sammelten sie 17000 Unterschriften gegen das Vorhaben. Der grüne Park war bereits in etlichen Etappen geschrumpft. Die Kongresshalle, der Hotelturm und ein Parkhaus hatten Flächen versiegelt. 1965 war die Sporthalle am Rand des Wittelsbacherparks eingeweiht worden. Die massiven Proteste hatten Erfolg. Von einem dauerhaften Ausstellungsgelände am Wittelsbacherpark werde Abstand genommen, versicherten politisch Verantwortliche.

1978 wurde das jetzige Messegelände an der Friedrich-Ebert-Straße konzipiert. Bis zur Verwirklichung verging ein Jahrzehnt. 1987, vor 30 Jahren, fand die letzte afa-Zeltmesse bei der St.-Anton-Kirche statt. Die nächste lief vom 29. April bis 8. Mai 1988 in den Hallen auf dem neuen Messezentrum ab. Erst hier konnte die afa endgültig das ihr in der Fachwelt anhaftende „Brühwürfelmesse“-Image ablegen.

Die bereits 1971 angekündigte Renaturierung des alten Standortes folgte. Weite Rasenflächen, Kinderspielplätze, Baumgruppen und ein Spazierwegenetz wurden geschaffen. Um 35000 Quadratmeter wuchs die oftmals beschnittene grüne Insel.

Weitere Informationen über die Ausstellungs- und Parkhistorie enthält das reich bebilderte Buch „Augsburgs grüne Insel – Stadtgarten und Wittelsbacherpark“ (im Buchhandel).

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