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Ausstellung

28.10.2017

Die Farben der Erde

Klaus Zöttl verbildlicht „Die Geburt der Farbe“ (Naissance de Couleur), die er an den Felswänden Südfrankreichs entdeckt hat.
Bild: Fred Schöllhorn

Klaus Zöttl zeigt in der Ecke-Galerie die Wunder selbst gewonnener Pigmente

Es ist Ergebnis eines Projekts über 20 Jahre. Als Klaus Zöttl 1996 in Südfrankreich nach einem Gewitterregen an einer nassen Felswand „grüne und violette Gesteinsbänder leuchten“ sah, war es um ihn geschehen. Er hatte Blut geleckt und begann in der Region Herault den Farben der Erde nachzuspüren. Wie die selbst gewonnenen Farben zum Bild kommen, macht seine hinreißende „Erde“-Ausstellung in der Ecke-Galerie zum Erlebnis.

Südfrankreich steht im Mittelpunkt, wo Zöttl vor allem in Granges sein „Basislager“ immer wieder aufschlug, um die Kostbarkeiten aus dem Boden, den Gesteinsspalten zu schürfen, kratzen, bröseln und akribisch zu sortieren. 120 Farbtöne hat er erschlossen. In der Ausstellung kann man den Weg der Naturfarben zum Kunstwerk nachvollziehen. Man wähnt sich in einer Alchimistenküche, wo archäologische Werkzeuge wie kleine Bohrer, Löffel, die entstandene Bilderwelt erlebbar machen. Wie Zöttl den Weg der Farbgewinnung dokumentiert, ist nicht nur vom mineralogischen Aspekt her fesselnd, sondern mündet wie von selbst in seinem künstlerischen Kraftstrom.

So sind die Bindemittel-Testserien, die ein wunderbares Spektrum von warmen, gelb-roten Tönen, über feine Grau- und Braunwerte bis zum kühlen Blau und Grün ausbreiten, als fesselnde figurale, landschaftliche, auch abstrakte Ausdrucksmomente gehalten. Jede Miniatur ist selbst ein eigenes Kunstwerk. Wenn er in den Bildern „Naissance de Couleur“ (Geburt der Farbe) eine gelb-rot dämmernde Hügellandschaft leuchten lässt, wenn Unebenheiten kleine Schatten werfen, ist eine solche authentische Wirkung mit synthetischen Farben nicht vorstellbar – Farbe und Motiv aus derselben Gegend.

Klaus Zöttl, bekannt durch seine hochvirtuosen, oft sozialkritischen Bilder, zaubert aber auch in seinen mittleren und großen Exponaten mit thematischen Anmutungen von der fast urweltlichen Gebirgslandschaft bis zur Szene „Auf hohem Ross“. Der große Triptychon „Spuren hinterlassen“ mit Neil Armstrongs Mond-Fußspur, einem ins Handy vertieften Jungen, dazwischen Einsteins Relativitäts-Formel, präsentiert den kritischen Künstler. Nicht nur der südfranzösische Hérault, auch das kanarische La Palma und unser erdgeschichtlich nicht weniger faszinierendes Nördlinger Ries zeigen Klaus Zöttl zur Stelle, wenn die Pigmente von Boden bis zum Pinsel ihren Weg finden.

Elias-Holl-Platz 6, bis 19. November, geöffnet Mi. bis Fr. 14 - 18, Sa. 13 - 16 Uhr und nach Vereinbarung unter 0821/24404655, mobil 0152/59324312. Finissage 19. November, 11 Uhr, mit dem Künstler. Der sehr schöne Katalog kostet 19 Euro.

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