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Augsburg

31.01.2020

Die Fuggerei soll Vorbild für das soziale Wohnen der Zukunft sein

Die Fuggerei ist die älteste Sozialsiedlung der Welt. Seit bald 500 Jahren führt die Fugger-Stiftung ihre Geschäfte. Nun will diese Stiftung das Konzept der „Fuggerei 2.0“ entwickeln, um auch im 21. Jahrhundert moderne soziale Wohnformen anbieten zu können.
Bild: Marianne Stenglein

Plus Soziale Wohnkonzepte sind wegen der hohen Immobilienpreise schwer zu realisieren. Kann ein Modell wie die Augsburger Fuggerei auch in Zukunft funktionieren?

Augsburg ist Stifterstadt: 155 gemeinnützige Stiftungen sind in der Stadt verzeichnet, die bekannteste dürfte die Fuggerei sein. Jakob Fugger – er soll einer der reichsten Menschen seiner Zeit gewesen sein – gründete am 23. August 1521 selbst drei Stiftungen. Eine davon verwaltet bis heute die älteste Sozialsiedlung der Welt. Zum 500-jährigen Bestehen im kommenden Jahr hat die Fuggerei Großes vor – ihr Konzept soll in die Gegenwart übertragen werden.

Wie die Sprecherin der Fuggerei Astrid Gabler erklärt, beschäftige man sich in Vorstand und Geschäftsführung der Fuggerschen Stiftungen seit einigen Jahren mit der 500-Jahr-Feier. „Wir stellen immer wieder das internationale Interesse an der Fuggerei fest, bedingt durch den Modellcharakter der Siedlung.“ Weil Wohnen ein Megathema sei und bleibe, gehe es nun um die Frage: „Wieso funktioniert die Sozialsiedlung und was kann man daraus für die Zukunft lernen?“ Eine Frage, die auch den Sozialausschuss der Stadt beschäftigt.

Unter Vorsitz von Bürgermeister Stefan Kiefer ( SPD) diskutierten die Stadträte über einen Antrag der CSU-Fraktion. Gemeinsam mit den Fuggerschen und anderen Stiftungen sollen Konzepte für Wohnen in modernen und bürgerschaftlichen Gemeinwohlprojekten umgesetzt werden. In Augsburg gibt es aktuell rund 8000 Sozialwohnungen und jede neue Wohnanlage in Augsburg soll künftig 30 Prozent Wohnraum mit Sozialbindung aufweisen.

Augsburger Fuggerei steht Wohnkonzepten für die Zukunft Pate

Aber: Der CSU-Antrag und die Idee der Fuggerschen Stiftungen gehen weit über die Verwirklichung von günstigem Wohnraum hinaus. Vielmehr denkt man darüber nach, Wohnquartiere zu schaffen, die Wohnen mit pädagogischen Konzepten sowie mit Arbeitsplätzen, Treffpunkten für die Bewohner, mehrere Generationen verknüpfen – um nur ein paar Ideen zu nennen. Denn konkret ist noch nichts, alle Parteien stehen am Anfang.

Beispiele für solche modernen, urbanen Wohnformen lassen sich in Augsburg bereits finden. Etwa das Ellinor Holland Haus, ein Projekt der Stiftung Kartei der Not. Im Haus finden Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind, eine vorübergehende Bleibe, um sich zu sortieren und mit Hilfe von Fachleuten zu lernen, ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen.

Kiefer sagte im Ausschuss: „Wir wollen als Stadt mit allen relevanten Partnern sprechen und gegebenenfalls zusammenarbeiten.“ Dazu gehört beispielsweise die Katholische Waisenhaus-Stiftung mit der St. Gregor-Jugendhilfe; sie haben dem Ausschuss bereits ein Konzept vorgelegt. Das „Urban Village“ könnte gemeinschaftliches Wohnen von Menschen mit besonderen Bedürfnissen, Betreuern, Senioren und anderen verwirklichen. Oder die städtische Fritz-Hintermayr-Stiftung, die ihre Bungalow-Anlage im Antonsviertel neu konzeptionieren möchte. Eine höhere Bebauung, eine Ausweitung der Klientel von Senioren auf Menschen jeglicher Altersgruppe, von Betreuern und Zu-Betreuenden ist angedacht.

Augsburg: Fuggerei trifft auf das "Megathema Wohnen"

Doch noch ist das alles Zukunftsmusik. Im Sozialausschuss einigte man sich zwar, dem ging aber eine teils intensive und wenig sachdienliche Diskussion voraus. So vertrat Stadtrat Alexander Süßmair (Polit-WG) die Auffassung, „Stiftungen sind anachronistische Überbleibsel“ und „zutiefst undemokratisch“. Eine Aussage, die bei Max Weinkamm ( CSU) Widerspruch hervorrief. „Ich hoffe, Leute wie Herr Süßmair erhalten niemals die Macht in diesem Staat.“ Schließlich wurde der Mehrheitsbeschluss getroffen, das Transformationsprojekt „Fuggerei 2.0“ der Fuggerschen Stiftung in der Entwicklung zu begleiten. Das gleiche gilt für Ideen von St. Gregor, der AWO-Augsburg und der Hintermayr-Stiftung. Darüber hinaus sollen auch andere Stiftungen und Interessierte mit den Verantwortlichen zusammengebracht werden. Potenzial gebe es zur Genüge, sagte Kiefer. Wo dann letztendlich gebaut werden soll, in welcher Form und was die Stadt finanziell dazu beitragen kann (und muss), das alles wird in den kommenden Monaten eruiert, so viel wurde während der Ausschuss-Sitzung bereits klar.

Auch der Fuggersche Stiftungsadministrator Wolf-Dietrich Graf von Hundt bekräftigte im Ausschuss die Bereitschaft der Stiftung, mit allen relevanten Playern zu sprechen. Im Telefonat fügt Fugger-Sprecherin Gabler hinzu: „Wir haben natürlich Wunschszenarien.“

Warum gerade jetzt diese Konzepte Stadt und (Privat)Stiftungen beschäftigen, liegt auf der Hand: Wenn am 23. August 2021 der 500 Geburtstag der Fuggerei gefeiert wird, ist nationale und internationale Aufmerksamkeit garantiert. Sowohl die Stadträte im Sozialausschuss als auch die Fugger-Stiftung erklärten, wie wichtig die Feierlichkeiten rund um diesen Jahrestag für das Marketing der sozialen Wohnkonzepte sind. So sollen aber nicht nur potente Geldgeber aus aller Welt auf die Ideen aufmerksam werden, bestenfalls finden sie Nachahmer in anderen Städten. Denn das „Megathema Wohnen“ treibt nicht nur Augsburg um.

Lesen Sie dazu auch: Gibt es in Augsburg zu viele Studentenwohnungen?

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