Konzert

24.04.2014

Die Mischung stimmt

Bei Electric Bazar Cie liebäugelt Rockabilly mit Balkan-Polka

Ungehörtes ist fast schon an der Tagesordnung, wenn der Augsburger Verein für interkulturelle Konzerte Karman e.V. zum Konzert lädt. So auch beim Electric Bazar Cie, der mit seiner „exotischen Rock’n’Roll Show“ in der gut besuchten Ballonfabrik gastierte und knappe 90 Minuten lang ein schillerndes Panoptikum voll des musikalischen Wahnsinns darbot.

Wenn überhaupt, war diese knallbunte Mixtur, die sich da so überaus wohlklingend von der Bühne herab ausbreitete, mit Frank Zappa und seinen Mothers of Invention aus den 70ern zu vergleichen. Nur gab es beim französischen Quartett mehr Rock’n’Roll Flair und mehr Nostalgie in zeitgenössischer Aufbereitung. Anders gesagt: Rockabilly in morbider Verlangsamung liebäugelte mit griechischer Folklore, mit Balkan-Polka, mit Musette und Tom Waits. Was theoretisch unvereinbar klingt, entpuppte sich als großartige und stimmige Melange mit Tiefgang.

Die Liebe zu ungeraden Metren war das eine Bindeglied, das die Songs von Frontmann Etienne Grass und seinen Mannen prägte. Das andere war der unvergleichliche Sound, den die vier Musiker mit ihren Instrumenten kreierten.

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Wo Jonathan Caserta an Kontrabass und E-Bass mit pumpendem Puls den am nostalgischen Drumset agierenden, einfallsreichen Schlagzeuger Rowen Berrou symbiotisch ergänzte, glänzte Guillaume Le Guern an Klarinette und Baritonsaxofon mit kraftvoller Virtuosität, die sich insbesondere in den extatischen solistischen Ausbrüchen des großen Blasinstrumentes machtvoll, manchmal nahezu derb Bahn brach. Dazu die immer rauchige, überaus wandlungsfähige Stimme von Etienne Grass, der mit seiner schwarzmatt lackierten, semiakustischen Gretsch-Gitarre für den nötigen Rockabilly-Flair sorgte.

Die freche und frische Mixtur des Electric Bazar Cie fand in „I Put a Spell on You“, der einzigen Covernummer des Quartetts, in der wild-wüsten Fassung von Screaming Jay Hawkins dargeboten, ihren abschließenden, dennoch nur vorläufigen Höhepunkt. Denn viele Zugaben mussten noch folgen, bevor sich das aufgeheizte Publikum endlich zufriedengab.

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