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Augsburg

14.03.2020

Die Zeit wird knapp für die Rettung der Hermann-Schmid-Akademie

Schüler der Hermann-Schmid-Akademie haben am Montag gegen das Aus der Augsburger Privatschulen demonstriert.
Bild: Bernd Hohlen

Plus Eltern suchen einen neuen Träger für die Augsburger Privatschulen. Dafür werden ihnen aber nur wenige Tage eingeräumt. OB Gribl versucht, die Wogen zu glätten.

Die Zeit läuft gegen Schüler, Eltern und Lehrer der Hermann-Schmid-Akademie – kurz HSA. Der private Betreiber, die Familie Schmid, will alle fünf Privatschulen, die unter dem Dach der Akademie vereint sind, bis zum Ende des Schuljahres schließen und das Gebäude verkaufen. Alle Schüler, die nicht ohnehin dieses Jahr ihren Abschluss machen, müssten sich dann womöglich eine neue Schule suchen. Eine Gruppe von Eltern versucht derzeit, einen neuen Träger für die Akademie zu finden. Und sie hat dafür nur wenige Tage Zeit – bis Dienstag.

Am Freitag gab es ein Treffen am runden Tisch – anwesend waren Vertreter der Stadt, der Eltern, der Schülersprecher sowie Schulgründer Hermann Schmid und seine Tochter Nicole. Teilnehmer berichten, Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) habe dabei versucht, die Situation nach den teils hitzigen Diskussionen in den vergangenen Tagen zu beruhigen. Er habe sich auch als Moderator angeboten.

Teilnehmer der Sitzung berichten, auch der OB habe Sympathie dafür gezeigt, die ganze Akademie zu erhalten. Den Elternvertretern, die einen neuen Betreiber suchen wollen, habe er dabei viel Erfolg gewünscht. Eine aktive Rolle bei der Betreibersuche hätten die Vertreter der Stadt – dabei waren auch Schulreferent Hermann Köhler und Finanzreferentin Eva Weber (beide CSU) – aber abgelehnt, sagt Elternvertreter Christoph Kunz. Das sei in erster Linie die Verantwortung des bisherigen Trägers, hieß es demnach.

Die Zeit wird knapp für die Rettung der Hermann-Schmid-Akademie

HSA in Augsburg: Eltern sind froh über Sinneswandel bei der Stadtspitze

Christoph Kunz sagt, ihnen sei aufgetragen worden, bis Dienstag mitzuteilen, wie die Trägersuche verlaufen sei und ob es konkrete Interessenten gebe. Kunz gehört zu einer Gruppe von Eltern, die sich zusammen gefunden haben, nachdem am vergangenen Freitag das geplante Aus der Privatschule bekannt geworden war. Auch Michael Krauß ist Vater von zwei Kindern, die an der Hermann-Schmid-Akademie unterrichtet werden. Er sagt: „Wir fühlen uns bei der Betreibersuche schon etwas auf uns alleine gestellt“. Allerdings sei er froh, dass sich bei der Stadtspitze inzwischen zumindest ein Sinneswandel ergeben habe. Der Fokus liege jetzt nicht mehr – wie anfangs noch – alleine darauf, möglichst schnell das Schulgebäude zu kaufen, um die Raumnot staatlicher Schulen zu lindern. Das sei ein großer Fortschritt.

Bei einer Pressekonferenz am Montag hatte Gribl noch den zunächst eingeschlagenen Kurs der Stadt verteidigt. Er hatte dabei betont, die Familie Schmid sei bereits im Januar auf Bildungsreferent Hermann Köhler zugekommen. Er selbst, so Gribl, habe sich Mitte Februar erstmals mit dem Thema beschäftigt. Es habe Handlungsbedarf gegeben, weil sich kein anderer freier Träger gefunden habe, der die Akademie übernehmen wollte.

Eine Gruppe von Eltern und Lehrern (von links: Christoph Kunz, Betriebsrat Hermann Kick und Michael Straußen) will für die Schule kämpfen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Der OB sagte bei der Pressekonferenz auch, für eine Schließung der HSA bräuchten die Verantwortlichen finanzielle Mittel, um einen Sozialplan für die Beschäftigten sicherzustellen. Dafür müsse das Gebäude verkauft werden. Mit dieser Einschätzung lag Gribl aber daneben. Wie Nicole Schmid, Prokuristin der Akademie, auf Anfrage bestätigt, sei es nicht möglich, das Geld aus einem Verkauf des erst 2015 eingeweihten Gebäudes in einen Sozialplan zu stecken. Der Grund dafür: Das Schulhaus gehört dem Förderverein der HSA-Schulen. Das Personal ist aber bei einer gemeinnützigen GmbH angestellt, die die Schulen betreibt.

Die Betreiber wollen alles verkaufen - und vor allem das Schulgebäude

Das Konstrukt ist auch für die Suche nach einem neuen Träger für die Akademie von Bedeutung. Der neue Träger müsste nicht nur die Betreiber-GmbH kaufen, sondern dem Verein auch das Gebäude abkaufen. Wie Nicole Schmid deutlich macht, geht es ihr und ihrem Vater darum, die gesamte HSA mit allen Verpflichtungen zu verkaufen – also offenbar auch mit dem Schulhaus und den Krediten, die darauf noch lasten. Einen konkreten Interessenten gibt es zwar, es handelt sich dabei um die Augsburger Lehmbaugruppe, die bereits zahlreiche Privatschulen in der Region betreibt. Doch Lehmbau würde zwar Akademie übernehmen wollen, nicht aber das Schulhaus kaufen. Dass die Stadt das Gebäude kauft, um es dann – zumindest vorübergehend – an die Lehmbaugruppe zu vermieten, ist offenbar ebenfalls nicht denkbar.

OB Gribl habe am runden Tisch gesagt, die Stadt sei schließlich „kein Immobilienhändler“, berichten die Elternvertreter. Das Verhältnis zwischen Hermann-Schmid-Akademie und Lehmbaugruppe gilt ohnedies als belastet. Weil beide in Augsburg Technikerschulen betreiben, gab es zumindest früher offenbar ein starkes Konkurrenzdenken. Als die HSA vor Kurzem noch eine Unternehmensberatung beauftragte, nach einem Träger zu suchen, wurde die Lehmbaugruppe nicht angefragt. Die Elternvertreter hoffen trotzdem auf eine Einigung. Christoph Kunz sagt, der Schulgründer Hermann Schmid und seine Tochter hätten nicht nur eine Verantwortung für die betroffenen Lehrer und Schüler, sondern auch eine gesellschaftliche Verantwortung.

Hermann-Schmid-Akademie wurde im Augsburger Wahlkampf wichtig

Die geplante HSA-Schließung ist im Endspurt kurz vor der Kommunalwahl zu einem wichtigen Thema geworden. Die CSU musste Kritik dafür einstecken, dass sie unmittelbar, nachdem die Schließung bekannt wurde, bereits den Kauf des Schulgebäudes forderte – um darin das Peutinger-Gymnasium unterzubringen. HSA-Betriebsrat Hermann Kick sagt, es habe ihn „entsetzt“, wie wenig es zunächst um das Schicksal von rund 560 Schülern und etwa 80 Lehrkräften gegangen sei.

Inzwischen ist man auch bei der CSU zurückgerudert. Vor allem die Realschule, die unter dem Dach der HSA betrieben wird, soll erhalten bleiben. Im Zweifel soll in dem Gebäude eine Außenstelle einer staatlichen Realschule eingerichtet werden. Am Dienstag soll die HSA auch im Stadtrat ein Thema werden. Eigentlich war vorgesehen, dass die Räte in nichtöffentlicher Sitzung darüber abstimmen, ob die Stadt einen Kauf des Gebäudes prüfen soll.

Die SPD fordert dagegen eine öffentliche Aussprache. OB-Kandidat Dirk Wurm sagt auch, er wünsche sich eine aktivere Rolle der Stadt bei der Suche eines Betreibers. Und schließlich eine Erklärung dafür, warum der Zeitdruck für einen Kauf des Gebäudes so groß sein soll. Kurt Gribl hatte gesagt, es bestünde sonst die Gefahr, dass die bisherigen Besitzer dort ein „Dienstleistungszentrum“ einrichten. Darauf angesprochen sagt Nicole Schmid: „Das Gebäude ist ein perfektes Schulhaus, in dessen Konzeption ich jahrelange Arbeit und viele Ideen einfließen ließ. Ich wünsche mir, dass es weiterhin für viele Schülergenerationen eine optimale Lernumgebung bietet.“ Eine andere Nutzung wäre nur zu durchdenken, so Schmid, wenn es keinen Bedarf als Schule gäbe.

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Die Diskussion ist geschlossen.

14.03.2020

Die Stadt Augsburg ist hier meiner Meinung mach sehr wohl gefragt und zwar in der Rolle der Vermittler zwischen der Familie Schmid und interessierten neuen Trägern. Sollte die Familie potentielle neue Träger auf Grund persönlicher Befindlichkeiten blocken oder vergraulen darf man dabei nicht einfach zusehen und es riskieren dass 600 Schüler und 80 Lehrer auf der Straße stehen - oder gehen die persönlichen Beziehungen der Familie Schmid vielleicht bis in hohe politische Ämter?

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14.03.2020

Nach wie vor verwundert mich, dass die Rolle, die die Familie Schmid spielt so völlig unhinterfragt bleibt bzw. nicht kritisiert wird. Sie ist es doch, die die Schüler binnen weniger Monate auf die Straße setzen will. Unter fadenscheinigster Begründung. Ein Schulbetrieb ist doch etwas anderes als ein mittelständischer Betrieb mit dieser Anzahl von Angestellten. Da hat man doch eine Fürsorgepflicht für seine Schüler. Die HSA hat die Verpflichtung, die jetzt immer der Stadt Augsburg angehängt wird. Grillt doch die mal . Die HSA könnte doch den Betrieb weiter laufen lassen und eben allmählich aus, mit sich jährlich reduzierenden Klassen und Lehrern. Die freiwerdenen Schulräume könnte man an die Stadt vermieten als Ausweichquartier, wenn es im PG mit den Sanierungsarbeiten los ginge und dann, wenn der Schulbetrieb der HSA abgewickelt ist, dann kann man sehen, was aus dem Gebäude wird. Warum will die Familie das Gebäude denn so sehr fix versilbern?

Dass der Stadt das aufgegeben wird, was eigentlich Sache der HSA wäre, das finde ich unverschämt.

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15.03.2020

Frau Maja S,

Ein neuer Kommentar zum neuen HSA-Artikel - das geht.

Aber eine Antwort auf die Fragen zum "alten" HSA-Artikel
vom 07.03.("Peutinger-Gymnasium zieht wohl in die
Hermann Schmid-Akademie") geht nicht.

Warum nicht ??

.

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14.03.2020


"Eine aktive Rolle bei der Betreibersuche hätten die Vertreter der Stadt – dabei waren auch Schulreferent Hermann Köhler und Finanzreferentin Eva Weber (beide CSU) – aber abgelehnt"
Die Stadt weiß schon seit Januar von der geplanten Schließung und den Eltern gibt man jetzt nur bis Dienstag Zeit einen neuen Träger zu finden. Eine aktive Rolle lehnt man ab, Hilfe sieht anders aus, man lässt uns hier bewusst allein, weil man wohl nach wie vor nur an dem Gebäude interessiert ist, die Schüler und Lehrer sind den Verantwortlichen offenbar egal, deutlicher kann man es ja nicht sagen, das ist wirklich bitter.

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14.03.2020

>> Er hatte dabei betont, die Familie Schmid sei bereits im Januar auf Bildungsreferent Hermann Köhler zugekommen <<

Dann wäre der Einzug des Förderbeitrages Februar auf Treuwidrigkeit zu prüfen...

>> Die Betreiber wollen alles verkaufen - und vor allem das Schulgebäude <<

Der Eindruck drängt sich immer mehr auf, dass es sich hier um ein Immobiliengeschäft handelt. Ein Gebäude ohne Aula und Turnhalle ist ja auch marktgängiger als eine Schule. Da kann die Stadt nicht lange verhandeln sondern muss den aufgerufenen Preis für das "neue PG" bezahlen. Vielleicht spendet der "Verein" (ist der gemeinnützig oder eher eine Immobilien GmbH?) irgendwem noch was für den teuren Wahlkampf?

Eigentlich hätte ich von der Stadt sofort Initiative für eine Veränderungssperre erwartet, um eine willkürliche Umnutzung der Schule zu verhindern. Da passiert auch nichts...

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