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Augsburger Geschichte

17.08.2017

Die längste Bildergeschichte Augsburgs

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4 Bilder
Postkarte von 1908: Eines der fünf Hauptbilder stellte die Erbauung der Fuggerei dar. Rechts ist Maria, die Patronin des Hauses Fugger, in den Freskenzyklus eingefügt.
Bild: Sammlung Häußler

Am Fuggerhaus gab es Fassadenmalerei auf 60 Meter Länge zu bewundern. Viele Häuser der Stadt waren einst bunt.

Die Kernstadt war einst bunt: Schauseiten von Häusern waren oftmals bemalt. Das modern gestaltete Weberhaus am Moritzplatz ist eine Erinnerung an diese Zeit. Die längste Bildergeschichte stand besonders im Blickfeld: Es war die rund 60 Meter lange Fassade des Fuggerhauses an der Maximilianstraße. Davon zeugen nur mehr Bilder.

Von beeindruckender Schärfe

Der Fotograf Carl Jochner hatte 1864 als erster mit fünf Aufnahmen die frisch freskierte Fassade dokumentiert. Zu dieser Zeit waren nur Schwarz-Weiß-Fotos möglich. Sie sind von so beeindruckender Schärfe, dass sie noch 30 Jahre später als Vorlagen für Drucke verwendet wurden. Aneinandergereiht ergaben die Fotos die gesamte Bilderfolge. In drei Formaten bot Carl Jochner seine Aufnahmen an: Sie waren von Minibildern (6,5 mal 9,5 Zentimeter) bis zu den auf Kartons aufgezogenen Abzügen in der Größe der Negativplatten (18 mal 24 Zentimeter) zu kaufen.

Ein Textheftchen lieferte dazu die Informationen. Darin heißt es zur Entstehung der Bemalung: „In der Maximilianstraße in Augsburg steht das Wohnhaus des fürstlich Fugger’schen Geschlechts. Im Jahre 1860 erteilte der Fürst Leopold Fugger-Babenhausen – als Haupt der Familie – dem Augsburger Maler Ferdinand Wagner den Auftrag, dieses Haus mit Fresken zu schmücken, deren dargestellter Gegenstand aus der Geschichte Augsburgs entnommen sei.“

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Ferdinand Wagner war in Schwabmünchen geboren und in Augsburg ansässig geworden. Er wusste, was er seinem Auftraggeber schuldig war: Er wählte nicht nur Motive aus der Geschichte der Stadt, sondern stellte mit seinem Mitarbeiter Johann Fröschle die Verdienste der Familie Fugger für die Reichsstadt Augsburg dar.

Ruf nach Konstanz

Ferdinand Wagner brachte die 1863 vollendete Bemalung des Fuggerhauses viel Publicity als Fassadengestalter ein. Es gab sofort Anschlussaufträge. 1864 kam ein Ruf nach Konstanz.

Dort sind seine Fresken am Rathaus noch erhalten. 1868 bemalte Ferdinand Wagner den Palast der Grimaldis in Monaco. Die Ausmalung der St.-Jakob-Kirche in Friedberg 1871/72 war sein letztes großes Werk. Am 13. Juni 1881 starb Ferdinand Wagner. Auf dem katholischen Friedhof an der Hermanstraße wurde er bestattet.

Die Fuggerhaus-Bemalung war schnell vergänglich. Das dokumentieren Fotos aus den 1870er- und 1880er-Jahren. Darauf sind bereits Schäden erkennbar. In den Jahren 1909 und 1914 wurden die stark verblassten, verschmutzten und an vielen Stellen ganz fehlenden Fresken aufgefrischt beziehungsweise ergänzt. Zur Restaurierung wurden großformatige Zeichnungen auf Karton angefertigt. Diese bunten Vorlagen dienten auch zur Herstellung farbiger Postkarten. Es sind Fünfer-Serien. Sie ergeben aneinandergelegt – wie schon die SchwarzWeiß-Aufnahmen von 1864 von der Erstbemalung – die gesamte Fuggerhaus-Fassade.

Da jeder Postkartenverleger die Straßenfront des Fuggerhauses im Programm hatte, wurde sie in kurzen Abständen oftmals fotografiert. Anhand solcher Bildpostkarten ist die abermalige Vergänglichkeit der aufgefrischten Bemalung verfolgbar. In den 1930er-Jahren sind wiederum Fehlstellen erkennbar. Im Februar 1944 kam der Totalverlust: Der einstige Fuggerpalast wurde von Bomben getroffen und brannte aus.

Zeitgeschmack erforderte moderne Gestaltung

Zur Wiederaufbauzeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg war eine Rekonstruktion der Fassadenmalerei nach altem Vorbild nicht denkbar. Der damalige Zeitgeschmack forderte eine moderne Gestaltung.

1951 war die Fassade wiederhergestellt. Zur Enttäuschung der meisten Augsburger war sie lediglich geometrisch gegliedert, und zwar in Farbtönen von Gelb bis Braun, die kaum jemand erfreuten. Als 1992 eine Auffrischung nötig war, wurden dunklere Farben gewählt. Den einzigen Farbklecks an der Fassade bildet das 15 Quadratmeter große, 16 Zentner schwere Eichentor mit dem Wappen Kaiser Karls V. Es wurde am 16. August 1952 in die Angeln gehoben.

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