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17.04.2009

Die vielfältigen Spuren des Johannes Haag

Augsburg Am 18. Dezember vorigen Jahres war an selber Stelle unter dem Titel "Johannes Haag erwärmte zuerst den Adel" die Geschichte der berühmten Maschinen- und Röhrenfabrik zu lesen. Der Ingenieur Johannes Haag (1819-1887) hatte 1851 seine "Werkstätte für allgemeinen Maschinenbau und für die Herstellung von Zentralheizungen" aus seiner Geburtsstadt Kaufbeuren nach Augsburg verlagert. Die Johannes-Haag-Straße und die "Haag-Villa" am einstigen Firmengelände erinnern an das Unternehmen und seinen Gründer. Als deren Geschichte im "Augsburg-Album" veröffentlicht wurde, lag weder ein Porträt des Industriellen noch ein Bild vom ursprünglichen Aussehen der Villa vor. Doch nun folgte eine "Informationsflut".

Im Inneren künstlerisch gestaltet

Der Senior der Augsburger Buchhändler, Wolfgang Seitz (87), stellte eine Werbebroschüre des Architekturbüros Jean Keller aus der Zeit um 1910 zur Verfügung. Darin führt der Architekt einen "Wohnhausumbau Johannes Haagstraße Nr. 14 für Herrn Dr. A. Reimer" auf. Das war Haags Schwiegersohn. Er hatte eineinhalb Jahre nach dessen Tod (29. Mai 1887) die 41-jährige Tochter und Universalerbin Rosetta geheiratet. Der nunmehrige "Fabrikdirektor" ließ alsbald die ohnehin schon repräsentative Villa weiter vergrößern und im Inneren künstlerisch neu ausgestalten. Die Jahreszahl "1890" in einem Deckenbild gibt den Zeitpunkt an.

Wann der noch in dem Gebäude steckende ursprüngliche Bau erstand, liegt allerdings nach wie vor im Dunkeln. Jedoch wie dieser aussah, ist durch ein Foto aus den 1870er Jahren bekannt. Dies ist Benjamin Aumann von den Städtischen Kunstsammlungen zu verdanken. Er reagierte beim Stichwort "Johannes Haag": Er ist mit ihm verwandt! Seine Großmutter war eine Nichte Haags und wurde im Stammhaus in Kaufbeuren geboren. Sie hinterließ reichlich Fotografien von der Familie Haag.

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Aus diesem Nachlass stammt die Aufnahme von der Villa aus der Zeit vor 1878 (also vor dem Umbau!). Weitere Aufnahmen aus dem alten Fotoalbum zeigen Rosetta Reimer, geborene Haag, und ihre Eltern, die ansonsten nicht bildlich überliefert sind.

Büsten ganz in Weiß

Dass es eine Gedenktafel mit einem Porträt von Johannes Haag am einstigen Firmengebäude in Kaufbeuren (Johannes-Haag-Straße 9) und sogar Büsten des Ehepaars gibt, ergaben die Kontakte mit der Leiterin des Stadtmuseums Kaufbeuren, Dr. Astrid Pellengahr. Die Büsten aus weißem Marmor befinden sich derzeit wegen der noch nicht abgeschlossenen Neueinrichtung des Museums im Depot. Fotos davon konnten jedoch sofort übermittelt werden. Der Kaufbeurer hatte nach dem Tod seiner ersten Frau (einer Cousine), von der seine 1847 in Kaufbeuren geborene Tochter Rosetta stammte, in Augsburg 1852 deren Schwester geheiratet. Sie war ebenfalls bereits verwitwet. Diese Ehe blieb kinderlos. So wurde Rosetta "am 25. Juni 1887 durch Erbschaft Alleinbesitzerin", wie der Kurzeintrag in dem im Stadtarchiv Augsburg verwahrten amtlichen Familienbogen lautet.

Ein Sammler "alten Glumbs"

Das Echo auf die Veröffentlichung über Augsburgs bedeutendsten frühen Heizungs- und Lüftungsbauer entspräche nicht den Erwartungen ohne die Reaktion eines heutigen Berufskollegen: Lorenz Wetzenbacher ist Sammler "alten Glumbs". Zu seinen Fundobjekten zählt ein zirka 100 Jahre alter Guss-Heizkörper. Frei auf verschnörkelten Füßen stehend, bildet heutzutage ein solch schwergewichtiges, mit floralen Ornamenten verziertes Eisenteil einen Blickfang in modernem Wohnambiente oder es ergänzt als stimmiges Detail eine Jugendstil-Einrichtung. In Messing gegossen ist auf der Reglerscheibe der Hersteller verewigt: "Joh. Haag AG Augsburg".

Einen exzellenten Nachweis für die Bedeutung der Industriefirma Johannes Haag stellt ein ebenfalls aus Privatbesitz zur Verfügung gestelltes 192-seitiges bebildertes "Verzeichnis ausgeführter Zentralheizungs- und Lüftungs-Anlagen etc." dar. Es wurde vermutlich 1912 herausgegeben.

Von der Reichsbank bis zur Feuerwehr

Mit handschriftlicher Widmung "Hochwohlgeboren Herrn Geheimem Hofrat Wolfram, Oberbürgermeister, Augsburg" überreicht, führt einige tausend ausgeführte Projekte auf. Sie reichen von der Reichsbank in Berlin über das Königliche Regierungsgebäude in Schleswig bis zur städtischen Feuerwehrzentrale in Wien. Dass über Jahrzehnte in Augsburg kaum ein großer Neubau von der Villa bis zu zahlreichen Fabriken ohne Heizung, Lüftung oder Absaugung von Haag blieb, ist selbstverständlich.

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