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Weltbild

21.02.2015

Diese Einzelschicksale stecken hinter der Weltbild-Pleite

Nicht einmal die Hälfte der 600 entlassenen Weltbild-Mitarbeiter hat bisher einen neuen Job gefunden. Drei von ihnen haben mit uns ganz offen über ihre Jobsuche gesprochen.

Die Zeit läuft: Für den Großteil der Betroffenen endet die Transfermaßnahme bereits im März. Danach droht die Arbeitslosigkeit. Die bisherige Bilanz klingt zunächst einmal ernüchternd. Nur etwa 265 der ehemaligen Weltbild-Mitarbeiter haben bislang einen neuen Arbeitsplatz gefunden. Experten der Transfergesellschaft kümmern sich um sie, helfen bei praktischen Dingen wie dem Verfassen einer Bewerbung und bei der Vermittlung. In den Büros treffen sie sich mit ihren persönlichen Beratern, die ihnen Tipps für die Stellensuche geben.

Der Versand-Mitarbeiter: Hoffnung nicht aufgeben

Zum Glück ist Alfred G. ein optimistischer Mensch. Sonst hätte er vermutlich schon einige Male die Flinte ins Korn geworfen. 51 Jahre ist der Augsburger alt. Bis vergangenen März war er Gruppenleiter im Versand der Weltbild-Gruppe. Seitdem ist er ohne Job. Das will er unbedingt ändern. „Aber es ist unheimlich schwierig.“ Schwieriger als er sich das jemals vorgestellt hätte. 80 bis 100 Bewerbungen habe er bereits geschrieben, in allen Bereichen. Doch lange ist nicht mal ein Vorstellungsgespräch herausgesprungen. „Ich bin wohl für viele zu alt“, mutmaßt der ehemalige Versand-Mitarbeiter.

Selbst nach einem sechsmonatigen Praktikum haben sich zuletzt alle Hoffnungen auf einen neuen Job wieder zerschlagen. Zusammen mit seinem Berater in der Transfergesellschaft hat er nun noch einmal an seinen Bewerbungsunterlagen gefeilt. „Es wird Zeit, dass ich langsam Arbeit finde“, sagt er. Ende März läuft seine Transfermaßnahme aus, dann gilt er offiziell als arbeitslos, was sich auch finanziell bemerkbar machen wird. Doch der 51-Jährige glaubt weiter an seine Chance, ist auch bereit für Neues. Vielleicht hat er jetzt sogar einen Job in Aussicht. „Ich darf die Hoffnung einfach nicht aufgeben.“

Die Führungskraft: Gelassenheit und Zuversicht gelernt

Eigentlich hätte Martina T. am 11. Januar einen Termin auf höchster Ebene gehabt. Doch die Gesprächspartner kamen nicht. Wie sie erfuhr, waren sie gerade dabei, den Insolvenzantrag vorzubereiten. Ein Schock für die 49-Jährige. „Ich werde den Tag nie vergessen.“ Direkt nach dem Abitur hatte sie bei der Verlagsgruppe begonnen – als Ferienjobberin. Sie war geblieben und bis zur Abteilungsleiterin im Einkauf aufgestiegen. Weltbild war für sie in den gut 27 Jahren mehr als ein Arbeitgeber. „Das ist, wie wenn man mit jemandem verheiratet ist.“

Die Trennung vom Gewohnten, von den Kollegen, dem Miteinander fiel ihr schwer. Nach der Kündigung musste sich die ehemalige Führungskraft neu orientieren und das Alte abschließen – auch bei der Jobsuche. „Ich war anfangs immer auf der Suche nach dem, was ich verloren hatte.“ Doch das gab es nicht. 50 Bewerbungen hat sie bisher geschrieben. Ein neuer Job ist noch nicht in Sicht. Doch die 49-Jährige ist zuversichtlich – und fast ein bisschen dankbar. „Ich habe in den letzten Monaten persönlich sehr viel gelernt“, sagt sie. Gelassenheit und Zuversicht zum Beispiel. „Irgendwann wird der richtige Job schon noch kommen.“

Die Teilzeit-Kraft: Mit Abfindung und Übergangsgeld weich gefallen

Petra G. kann wieder lachen. „Es geht mir gut“, sagt die 46-Jährige. Seit Januar hat die Mutter dreier Kinder einen neuen Teilzeit-Job in der Auftragsabwicklung eines Online-Händlers. „Alles ist perfekt.“ Die Arbeitszeit, das Gehalt, die Kollegen. Und trotzdem: Der Blick zurück, er schmerzt noch immer. 21 Jahre lang hat die 46-Jährige für Weltbild gearbeitet, zuletzt im Call-Center. Es war ihre „berufliche Heimat“, wie sie sagt. Bis zum 31. März 2014. Gleichzeitig mit etwa 50 anderen Mitarbeitern wurde sie an diesem Tag über ihre Kündigung informiert.

Tränen flossen, man fiel sich in die Arme. „Das war eine Abfertigung, das war nicht schön.“ Die ehemalige Weltbild-Mitarbeiterin ist sich bewusst, dass es den Leuten in ihrem Unternehmen in der Folge besser erging, als vielen anderen. Die Unterstützung durch die Transfergesellschaft, die Abfindung, das Übergangsgeld – man sei „butterweich gefallen“. Und irgendwann, als Wut und Trauer nachgelassen haben, sei auch das Umdenken gekommen. „Nix ist für immer, das habe ich gelernt.“ Der Blick ging nach vorn. Die Friedbergerin schlug selbst bei Unternehmen in der Region auf, erkundigte sich nach freien Stellen. Nach nur sechs Bewerbungen kam die Zusage.

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