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Augsburger Geschichte

27.09.2017

Digitale Stadtführer lösen Papier ab

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Mit 27 Holzstichen und einem zweifarbigen Stadtplan versehen ist ein 1886 erschienener Stadtführer. Das 1877 eröffnete Theater nimmt eine ganze Seite ein.
Bild: Sammlung Häußler

Schon vor mehr als 250 Jahren gab es Wegweiser zu Augsburgs Merkwürdigkeiten. Minibildschirme in der Hand weisen heute den Weg.

Augsburg-Besucher aller Altersgruppen halten oftmals auf dem Weg zur Fuggerei, zur St.-Anna-Kirche oder zum Fugger- und Welser-Museum ein Smartphone in der Hand: Sie lassen sich satellitengesteuert dorthin führen. Am Rathausplatz sieht man auch Touristen, die sich auf einem gedruckten Stadtplan zurechtzufinden versuchen. Sie sind dabei, eine Stadterkundung in althergebrachter Weise festzulegen. Die papierenen Unterlagen haben sie bei der Tourist Information erhalten.

Dort gibt es Flyer mit Stadtplan und einem vorgeschlagenen Stadtrundgang sowie für besonders Wissensdurstige reich bebilderte Stadtführer: Broschüren und Bücher im Jackentaschenformat mit Informationen zu Augsburger Sehenswürdigkeiten. Deren Geschichte beginnt um 1745 mit einem „Wegweiser zu Augspurgs vornehmsten Merkwürdigkeiten“. Solche „Augsburg-Erklärer“ haben eine ureigene Entwicklung.

16 Seiten mit 157 Objekten

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Anno 1745 umfassen 111 Hinweise auf das, was „in Augspurg ist sehens-würdig“, acht Seiten. Dieser Wegweiser war ein Erfolg. Bereits 1750 druckte derselbe Verleger ein auf 16 Seiten erweitertes Heftchen mit 157 Objekten. Auch der Titel wurde präziser: „Die vornehmsten Merckwürdigkeiten, welche von Fremden und Reisenden in des H. Römischen Reichs Freien Stadt Augspurg verdienen besehen und angemerckt zu werden“. Der Führer war also für Augsburg-Touristen verfasst.

Unter Merkwürdigkeiten verstand man Sehens-, Beachtens- und Merkenswertes. So gab es Kurzinformationen über öffentliche Gebäude, Kirchen, bemalte Häuser, Gartengüter, Wassertürme, Stadttore und die Stadtbefestigung. Nicht nur das historische Augsburg wollte man dem Besucher anno 1750 nahebringen: Auch Gasthöfe und die beliebtesten Naherholungsplätze wurden empfohlen. Der meist mehrere Tage in Augsburg verweilende Reisende sollte das Lueginsland, den Hochablass oder die „Wirtschaft zu den sieben Tischen“ besuchen.

Auch für die Augsburger gedacht

Die Verleger hatten Mitte des 18. Jahrhunderts eine Bedarfslücke entdeckt, denn bereits 1753 gaben sie den im Format und Umfang abermals vergrößerten dritten Augsburg-Führer heraus. Nun zogen andere Drucker nach. So erschienen bis zum Jahr 1800 weitere 13 „Wegweiser durch Augsburg“. Das ab 1772 angebotene 144-Seiten-Büchlein „Die vornehmsten Merkwürdigkeiten der Reichs-Stadt Augsburg“ von Paul von Stetten hebt sich im Inhalt und im Niveau von diesen Kurzführern ab. Das kleinformatige Buch richtete sich auch an die Augsburger. Es enthält Informationen über Patrizier, Kaufleute, Künstler, Geistlichkeit, Gelehrte und über bedeutende Bauwerke. Die Beschreibung des Rathauses nimmt allein 24 Seiten ein.

Paul von Stetten bediente die Bildungsbürgerschicht. Das trifft insbesondere auf seine 1788 auf 206 Seiten erweiterte „Beschreibung der Reichs-Stadt Augsburg“ zu. Darin erläutert er nicht nur öffentliche Gebäude, die Befestigung, Kirchen, Klöster und andere Baulichkeiten, sondern auch die Verfassung der Reichsstadt Augsburg sowie die sozialen und ökonomischen Verhältnisse. Paul von Stetten beschreibt das Schulwesen, informiert über Stiftungen, die Religionsverfassung und Märkte, Kunst- und Naturaliensammlungen. Auch er vergisst die „Vergnügungen und Erholungs-Gelegenheiten“ nicht. Dieses Kapitel ist eine fundierte Quelle über das Freizeitverhalten der Augsburger vor rund 230 Jahren.

Zwischen 1800 und 1900 folgten fast 50 Wegweiser und Büchlein mit dem Titel „Augsburg, wie es ist“. Auf Bebilderung wurde erst ab etwa 1825 Wert gelegt. Kupferstiche, Stahl- und Holzstiche sowie Lithografien waren nun eingebunden. Das 1886 erstmals gedruckte 64-Seiten-Bändchen „Augsburg“ enthält 27 Holzstiche und einige kleine Pläne. Nach 1895 erschienene Stadtführer sind mit Fotos illustriert. Sie hießen nun „Illustrierter Führer durch Augsburg und Umgebung“, „Führer durch Augsburg. Kurze Beschreibung der Stadt und ihrer Sehenswürdigkeiten“ – um nur einige Titel zu nennen. Im 19. Jahrhundert traten Neubauten als sehenswert in den Fokus: 1828 die Börse, 1859 das Krankenhaus, 1877 das neue Theater, 1879 das Wasserwerk am Hochablass.#

Reichhaltiges Informationsangebot

Als Herausgeber fungierten Augsburger und überregional tätige Verleger. Dazu kam der im Dezember 1891 gegründete Verein zur Förderung des Fremdenverkehrs. Er hieß ab 1911 Verkehrsverein Augsburg. Er ließ ausführliche „Amtliche Führer“ oder „Offizielle Führer“ drucken. Daneben gab es stets Kurzführer von unterschiedlichen Verlegern. So ist es noch immer. Das gedruckte Informationsangebot über Augsburg ist nach wie vor reichhaltig.

Heutzutage, im digitalen Zeitalter, nutzen jedoch Besucher vermehrt die diversen Augsburg-Apps. Sie liefern alle Informationen auf den kleinen Bildschirm in der Hand und weisen den Weg zu ausgewählten Sehenswürdigkeiten, zu Lokalen und an jeden beliebigen Punkt der Stadt.

Bei uns im Internet

Frühere Folgen des Augsburg-Albums finden Sie unter

www.augsburger-allgemeine.de/

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