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Augsburg

24.03.2020

Drohendes Schul-Aus: Ist die Hermann-Schmid-Akademie noch zu retten?

Die Schüler hängen an ihrer Schule: Die private Hermann-Schmid-Akademie will zum Schuljahresende den Betrieb einstellen. Eltern, Lehrer und Schüler protestieren dagegen.
Bild: Bernd Hohlen

Plus Schüler, Eltern und Lehrer hoffen darauf, dass die private Hermann-Schmid-Akademie in Augsburg erhalten bleibt. Doch das wird schwierig. Eine Zukunft hat wohl nur die Realschule.

Für die rund 560 Schüler der Hermann-Schmid-Akademie – kurz HSA – ist die Situation noch immer unklar. Die Akademie, unter deren Dach fünf Privatschulen betrieben werden, will zum Ende des Schuljahres den Betrieb einstellen. Rund 200 Schüler sollen noch regulär ihre Abschlüsse machen. Alle anderen müssen sich, Stand jetzt, eine neue Schule suchen. Eltern, Schüler und Lehrer kämpfen nach wie vor dafür, dass die Akademie in ihrer bisherigen Form erhalten bleibt. Doch die Zeichen dafür stehen nicht gut.

Übernahme der Hermann-Schmid-Akademie ist fraglich

Zur Akademie gehören unter anderem eine Realschule, eine Technikerschule und eine Wirtschaftsschule. Damit die HSA so bleibt wie bisher, müsste sich ein neuer privater Träger finden, der sie übernimmt. Die  Die  Augsburger Lehmbaugruppe, die bereits mehrere Schulen in der Region betreibt,, die bereits mehrere Schulen in der Region betreibt, hat zwar ihr Interesse bekundet. Doch ob es mit einer Übernahme der Akademie wirklich klappt, ist offen – oder sogar eher fraglich. Lehmbau-Geschäftsführer Raphael Brandmiller sagt, er sei mit der HSA in Kontakt, warte derzeit aber noch auf genauere Zahlen, um sich ein umfassendes Bild von der Situation an der Akademie machen zu können.

Ein entscheidender Punkt ist aber das Gebäude der Akademie. Es wurde erst vor fünf Jahren eingeweiht, die Baukosten dafür lagen bei rund 20 Millionen Euro. Das Gebäude gehört dem Förderverein der Akademie, betrieben werden die Schulen von einer gemeinnützigen GmbH. Hinter beiden Institutionen stehen der Schulgründer Hermann Schmid und dessen Tochter Nicole. Für die bisherigen Betreiber ist der Verkauf des noch mit einem Kredit belasteten Gebäudes offensichtlich wichtig.

Drohendes Schul-Aus: Ist die Hermann-Schmid-Akademie noch zu retten?

Neuer Träger muss Gebäude kaufen

Daran könnte es aber auch scheitern, denn ein neuer Träger müsste auch das Gebäude kaufen. Lehmbau-Chef Brandmiller sagt, mit dem Gebäude-Thema habe man sich bisher noch nicht befassen können. Was es nicht einfacher macht: Die Zeit für eine mögliche Übernahme drängt. Bis spätestens zum Ende der Osterferien muss klar sein, wie es nächstes Schuljahr mit der Akademie weitergeht. Sonst, so heißt es bei den Behörden, könne man nicht mehr rechtzeitig Alternativen organisieren. Aktuell sieht es daher eher danach aus, als ob die Akademie zerschlagen werden muss.

Aus einem Schreiben von Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) an die Stadtratsfraktionen geht hervor, wie das aussehen könnte. Die private Realschule mit rund 180 Schülern würde dann wohl in eine staatliche Schule umgewandelt. Sie könnte der Grundstock für eine dritte staatliche Realschule in Augsburg sein, die ohnehin kommen sollte. Die Stadt Augsburg müsste das Gebäude kaufen. Die Technikerschüler könnten womöglich, zumindest teilweise, an der Technikerschule der Lehmbaugruppe unterkommen. Die Klassen der Wirtschaftsschule könnten an der städtischen Reischleschen Wirtschaftsschule unterrichtet werden, eventuell sogar im bisherigen Klassenverband. Gerade die Eltern der Realschule fürchten aber, dass in diesem Fall die besondere Atmosphäre der Schule verloren geht. Die angestellten Lehrer könnten auch nicht 1:1 vom Freistaat übernommen werden.

Petition fordert Erhalt der Schule in Augsburg

Angela Giessweins Sohn besucht derzeit die siebte Klasse der Rudolf-Diesel-Realschule an der HSA. Sie habe die familiäre Atmosphäre an der Schule immer geschätzt, sagt sie, den besonderen Einsatz der Lehrer, die Förderung der Schüler in kleinen Klassen. Nur wenige Tage nachdem die Schließung der Akademie bekannt gegeben wurde, stellte sie deshalb eine Petition dazu ins Internet. Auf der Plattform „Open Petition“ fordert sie den „Erhalt der Rudolf-Diesel-Realschule, des Technikums sowie der Berufsfachschulen und Wirtschaftsschule“.

Die Hermann-Schmid-Akademie schließt zum Ende des Schuljahres ihre Pforten. Viele Eltern sind entsetzt über diese Entscheidung.
Bild: Silvio Wyszengrad


In der Begründung führt Giesswein aus, dass die Realschule unter einem neuen Träger mit neuer Geschäftsführung oder aber mittels einer Verstaatlichung erhalten werden soll. Es fehlten derzeit „massiv Realschulplätze in Augsburg, die Schließung der Schule würde diese Situation zusätzlich verschärfen“. Die Bildung als auch das Wohlbefinden der Kinder sehe sie in Gefahr. In den Berufsfachschulen ständen viele Schüler durch eine Schließung ohne Abschluss und Alternative da. Für die Schüler der Technikerschule würde es im näheren Umfeld ebenfalls keine vergleichbare und bezahlbare Schule geben.

Eltern misstrauen zum Teil der Stadt

Anfang der Woche hatte ihre Online-Petition, die an den Oberbürgermeister gerichtet ist, bereits gut 3000 Unterstützer, über 1400 stammen davon aus Augsburg. Gemeinsam mit weiteren engagierten Eltern sind Aktionen geplant, die nun allerdings teilweise durch die Corona-Krise ausgebremst wurden. Angela Giesswein sagt: „Wir wollten uns an der großen Demonstration der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft beteiligen, die dann aufgrund des Virus in einer viel kleineren Form stattfand“. Über die sozialen Netzwerke versuchen die Eltern jetzt, ihren Interessen weiter Nachdruck zu verleihen.

Mehrere Eltern, die für den Erhalt der HSA kämpfen, misstrauen auch den Vertretern der Stadt. Das machen sie in einer Pressemitteilung deutlich. Sie glauben nicht, dass die Stadt ein ernsthaftes Interesse hat, die Akademie als Ganzes zu erhalten. Bei der Stadt allerdings sieht man sich zu Unrecht in der Rolle eines Sündenbocks. Damit die HSA wie bisher bleiben könne, müssten sich der bisherige und ein neuer privater Träger einig werden. Die Stadt könne dabei als Moderator agieren, heißt es. OB Gribl habe sich dafür auch angeboten. Mehr Macht habe die Stadt nicht.

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