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Kreis Augsburg

11.02.2019

Ein Landwirt aus der Region erzählt, warum er auf Bio umgestiegen ist

Die Familie Rotter hat ihren Hof auf bio umgestellt. Unkraut wird auf den Feldern mechanisch zu Leibe gerückt und nicht mit chemischen Mitteln. Sebastian Rotte zeigt einen sogenannten Striegel.
Bild: Marcus Merk

In Supermärkten stehen immer mehr Bioprodukte, doch in der Region wirtschaften nur wenige Bauernhöfe ökologisch. Wie ein Umstieg gelingen kann.

Zwei Biogasanlagen direkt im Ort und drei im Nachbardorf – für Franz Rotter aus Gablingen war klar: „Da konnten und wollten wir nicht mehr mitmachen.“ Die einzige Chance war, auf ökologische Landwirtschaft umzustellen und zu Bioland zu gehen. Im Frühjahr 2016 war es dann so weit. „Und ich habe es bisher keine Sekunde bereut“, sagt Rotter, der Kartoffeln, Ackerbohnen, Weizen, Roggen, Hafer, Sojabohnen und Kleegras anbaut. Obwohl Bio-Produkte bei den Verbrauchern immer gefragter werden, sind Landwirte wie Franz Rotter eher noch die Ausnahme.

Das zeigen Zahlen von Franz Högg vom Amt für Landwirtschaft in Kaufbeuren: Im Landkreis Augsburg wurden demnach im Jahr 2018 sechs und im Landkreis Aichach-Friedberg zwölf neue Anträge für die Umstellung auf den ökologischen Betrieb und das entsprechende Siegel gestellt. Somit kommt der Landkreis Augsburg mittlerweile auf 82 und der Landkreis Aichach-Friedberg auf 75 Bio-Bauernhöfe. Dies entspricht jeweils gut fünf Prozent der Betriebe. Waren es zunächst Milchbauern, die auf eine biologische Produktion umstellten, würde dieser Trend nun auch mit „gewisser Verzögerung im Ackerbau ankommen“, erklärt Högg. „Ich bin zuversichtlich, dass immer mehr Bauern umstellen werden.“

Der Landwirt nutzt seit 20 Jahren weniger Dünger

Franz Rotter ist gerne einer dieser noch relativ wenigen ökologischen Landwirten. Finanziell gehe es ihm zwar nicht besser oder schlechter, aber „innerlich, so vom Gefühl her, ist es ganz anders“. Seine Familie und er nutzen für ihren Betrieb bereits seit 20 Jahren wenig Dünger. „Ich werde auch immer wieder ‚Regenwurmguru‘ genannt, weil ich die Regenwürmer hüte wie mein Kind und zum nächsten Acker trage“, fügt er schmunzelnd hinzu. Sein Kollege im Gemeinderat, Josef Wetzstein, Geschäftsführender Landesvorsitzender bei Bioland, habe immer wieder nachgefragt, wann Rotter denn endlich umstelle. „Er meinte, dass wir sowieso bereits fast alle Auflagen erfüllen würden.“ Und tatsächlich: Franz Rotter konnte wirklich von heute auf morgen umstellen. „Die einzige große Investition war der Bau eines Getreidelagers“, erklärt Rotter. Doch nicht jeder Hof sei dazu in der Lage, da man teilweise viel Geld in die Hand nehmen müsse, so Rotter. „Wenn ich nicht meinen Sohn Sebastian gehabt hätte, der den Betrieb weiterführt, dann hätte ich mich nicht getraut. Da müssen schon zwei Generationen dahinterstehen.“

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Berater Franz Högg sieht es genauso. Nicht jeder Bauer hat das Glück, den bisherigen Betrieb fast genauso weiterführen zu können und dennoch das Bio-Siegel zu erhalten. „Wenn ein Hof beispielsweise mitten in einem Dorf ist und der Bauer zu einem Laufhof ausbauen möchte, muss dies erst genehmigt werden“, erklärt er. Die baulichen Änderungen seien hoch und mit ebenso hohen Kosten verbunden. Zudem variieren die Anforderungen von Siegel zu Siegel stark. Beispielsweise unterliegen Biowaren aus dem Ausland der EU-Bio-Verordnung. Diese ist jedoch weniger anspruchsvoll als die Siegel der deutschen Bioverbände: „Die Ansprüche für den Erhalt der Bio-Siegel wie Bioland werden außerdem immer höher“, ergänzt Högg.

Wenn ein Landwirt umgestiegen ist, bleibt er meist dabei

Die Politik will den Bauern den Umstieg auf Bio erleichtern. Die Bayerische Staatsregierung hat beispielsweise 2012 das Programm „BioRegio Bayern 2020“ ins Leben gerufen, durch das die Erzeugung von Bio-Produkten aus Bayern bis zum Jahr 2020 verdoppelt werden soll. „Das Programm hat gefruchtet“, erklärt Franz Högg. Durch intensive Beratung seien die Bauern bei der Umstellung unterstützt worden. Zusätzlich biete das Bayerische Kulturlandschaftsprogramm seit 2015 eine fünfjährige finanzielle Förderung, die Landwirte in Anspruch nehmen können. Wenn ein Betrieb erst einmal umgestellt hat, komme es nur selten vor, dass ein Landwirt wieder zur „normalen Landwirtschaft“ zurückkehrt. Die vereinzelten Fälle seien eher dem „allgemeinen Strukturwandel“ zuzuschreiben, da die Landwirtschaft an sich jährlich um zwei bis drei Prozent abnehme, so Högg. Bio-Betriebe inklusive.

Damit sich Bauernhöfe nach der Umstellung auch halten können, sei die Nachfrage besonders wichtig. Högg erklärt, dass der ökologische Betrieb nur dann Sinn mache, wenn „der Bauer weiß, dass er sicher einen Abnehmer hat“. Auch für Franz Rotter ist dies der entscheidende Punkt. Nur wenn die Bio-Produkte gekauft werden, würden sich die hohen Investitionen für eine Umstellung lohnen. Franz Rotter sagt dazu: „Nicht nur bio reden, sondern auch bio kaufen!“

Auch die lokale Politik möchte die Entwicklung hin zu mehr bio unterstützen. Stadt und Landkreis Augsburg wollen eine staatlich anerkannte Öko-Modellregion werden. Das Ziel: Produktion und Verbrauch heimischer Bio-Lebensmittel sollen angekurbelt werden. Die Bewerbung dafür wurde eingereicht. Wenn sie erfolgreich ist, bezahlt der Freistaat 75 Prozent der Kosten für einen Projektmanager – maximal 150.000 Euro in zwei Jahren. Danach ist laut einer Pressemitteilung eine Verlängerung um bis zu drei Jahre möglich.

An wen sich Interessierte wenden können

Interessierte Landwirte, Verarbeiter oder Händler, aber auch sonstige Interessengruppen oder Verbraucher können sich bei der Stadt unter Telefon 0821/ 324-2062 oder im Landratsamt per E-Mail an wirtschaftsfoerderung@LRA-a.bayern.de melden.

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