18.05.2012

Ein Lob voll Spannung

Oratorienchor in der Herz-Jesu-Kirche

Kompliment, der Schwäbische Oratorienchor feierte sein zehnjähriges Jubiläum mit Felix Mendelssohn Bartholdy, ein Komponist, der im Hitlerdeutschland mit Aufführungsverbot belegt wurde. Lange litt die Mendelssohn-Rezeption unter Ressentiments.

Der „Lobgesang“ op. 52 – dargeboten vom Schwäbischen Oratorienchor in der Herz-Jesu-Kirche – rückte Mendelssohn Bartholdy ins Bild: Monumental spannt seine Sinfoniekantate drei Sinfoniesätze und eine zehnteilige Kantate zusammen. Viele Aspekte prallen darin aufeinander: Beethoven-Sinfonik, Bach-Choral und Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks (die 400-Jahrfeier war Anlass der Komposition, die Luther-Bibel-Übersetzung diente als Textquelle).

Chorleiter Stefan Wolitz fand aber zu einer stringenten Geschlossenheit und baute einen großartigen und packenden Spannungsbogen auf. Ja, er strafte damit Richard Wagner Lügen, der dieses Opus als „blöde Unbefangenheit“ abtat. Nicht nur, dass er als Leiter seinen Chor zu optimaler Übereinstimmung führte, nein, als hellwacher Dirigent weckte er zwischen Solisten, Chor und dem vortrefflichen Orchester, gebildet aus dem Bayerischen Staatsorchester, Synergieeffekte.

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Der Klangapparat auf dramaturgischer Linie

Souverän brachte er den großen Klangapparat auf dramaturgische Linie: Über das richtungsweisende Maestoso-Thema, den Tanzelan des Allegrettos und der ehrfürchtigen Religioso-Tiefe wurde das Feld stimmungsvoll bereitet, ehe der Chor die orchestrale Dominanz mit Jubellob brach: einen Lobpreis, den Priska Esers klar artikulierender Sopran personifizierte, bevor Tenor Attilio Glaser – lyrisch eindringlich – Gott inständig dankte.

Sopranduett und Chor – fein stimmten sich Priska Eser und Ulrike Wagner mit den Vokalisten ab. Zwingend lief all dies auf die Schlüsselstelle zu, mit der das Werk steht und fällt: Bohrend aus dem Todesdunkel heraus rüttelte der Tenor mit der dreimaligen Frage auf: „Hüter, ist die Nacht bald hin?“ Dies gewann existenzielle Aussagekraft. Die volle Leuchtkraft des Soprans erlöste. Hell flutete nun das Licht, von Chor und Orchester prismenartig aufgebrochen. Ein grandioser Moment, der inbrünstig Choraldank einforderte, den der Oratorienchor nuanciert auslotete.

Trefflich zum Lobgesang hingeführt hatte der Psalm op.42, wo sich Mendelssohns Handschrift schon klar ausprägt: Hier die berührenden Klangwirkungen der Sopran-Arie, von Ulrike Wagner fein gezeichnet, dort die beherzte Schluss-Stretta. Von allen Seiten Ovationen.

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