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Ärger

27.02.2015

Ein Pfarrheim entzweit eine Gemeinde

Pfarrer Gerhard Groll (links) und Kirchenpfleger Anselm Berger versuchen, die Wogen zu glätten.
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Pfarrer Gerhard Groll (links) und Kirchenpfleger Anselm Berger versuchen, die Wogen zu glätten.

Die Kirchenverwaltung erklärt, warum sie das intakte Gebäude in Kriegshaber für den Neubau des Hospizes abreißen will. In Gesprächen möchte sie die aufgebrachten Katholiken nun doch noch für diese Idee gewinnen

Der Ort des Treffens hat Symbolcharakter: Die Kirchenverwaltung der Pfarrei Heiligste Dreifaltigkeit in Kriegshaber bittet im Pfarrhof zum Gespräch, in jenem denkmalgeschützten Haus, das nach ihren Plänen das künftige Gemeindezentrum werden soll. Im Mittelpunkt steht indes eine andere Immobilie: Das Pfarrheim, das abgerissen werden soll, um dort ein Hospiz bauen zu können. Die Gemeinde läuft gegen dieses Vorhaben Sturm. Nachfolgend erklären wir, warum sich die Stimmung so aufgeladen hat und wie Pfarrer Gerhard Groll und die Mitglieder der Kirchenverwaltung die Wogen glätten wollen.

Wie kam die Idee auf, den Neubau des St.-Vinzenz-Hospizes auf dem Grundstück der Kriegshaber Pfarrei zu errichten?

Der Pfarrei werden ihre Immobilien immer mehr zu einer finanziellen Belastung, auch angesichts rückläufiger Katholikenzahlen und Spenden. Die Unterhaltskosten der Immobilien bleiben gleich oder steigen sogar. Sowohl in der Kirche als auch im Pfarrhof stehen Investitionen an. Diese Probleme sind der Diözese bekannt. Domkapitular Armin Zürn, Vorsitzender des Hospizvereins, fragte die Kirchenverwaltung daraufhin, ob sie sich vorstellen könne, ein Gemeindegrundstück für den nötigen Hospizneubau herzugeben. Über mehrere Monate hinweg nahm die Idee Formen an.

Warum steht mit dem Pfarrheim die Immobilie zur Disposition, die am besten im Schuss ist?

Die Kirche und der denkmalgeschützte Jugendstil-Pfarrhof können nicht abgerissen werden. Das Pfarrheim hingegen, 1967 erbaut, 1984 erweitert und vor einigen Jahren für 300000 Euro saniert, ist aus Sicht der Kirchenverwaltung ersetzbar: Ein Großteil der Gemeindeaktivitäten soll sich künftig im Pfarrhof abspielen, der mithilfe der Diözese saniert wird. Zusätzlich kann der Saal des Hospizes genutzt werden.

Ist es für die Pfarrei tatsächlich attraktiv, ein intaktes Gebäude für einen Erbpachtvertrag zu opfern?

Laut Kirchenverwaltung kann das Pfarrheim nur mit einem Zuschuss der Diözese von jährlich 9000 Euro existieren. Kommt der Vertrag mit dem Hospizverein zustande, erhält die Pfarrei 60 Jahre lang jährlich 16000 Euro, also insgesamt knapp eine Million EuroGeld, mit dem Rücklagen gebildet werden können. Zusätzlich fallen die Unterhaltsleistungen für das Pfarrheim und das ebenfalls zum Abbruch vorgesehene ehemalige Mesnerhaus weg und machen wegfallende Einnahmen wett.

Diese Pläne stoßen auf wenig Gegenliebe. Warum fühlt sich die Gemeinde hintergangen?

Auf der Internetseite des Bistums wird der Hospiz-Neubau in Kriegshaber als beschlossene Sache präsentiertDieser Eindruck entsteht auch durch einen Brief, den der Hospizverein an seine Mitglieder verschickte. Zeitgleich fand eine öffentliche Pfarreiversammlung statt, in der nicht nur die normalen Gemeindemitglieder, sondern auch die aktiven Gruppen wie der Pfarrgemeinderat erstmals von den Plänen erfuhren. Die Kirchenverwaltung betont, dass der Neubau auf dem Pfarreigrundstück noch nicht beschlossen ist. Es müssen noch zahlreiche Fragen geklärt werden, etwa was die Sanierung des Pfarrhofes angeht. Die Veröffentlichungen des Bistums und des Hospizvereins sind laut Kirchenverwaltung nicht mit ihr abgestimmt worden.

Bedeuten die Irritationen nun das Aus für den Hospiz-Neubau?

Unterschrieben ist der Vertrag noch nicht. Der Hospizverein will die Entscheidung der Pfarrei abwarten, favorisiert das Grundstück aber nach wie vor. Auch die Kirchenverwaltung der Dreifaltigkeit hofft, dass der Vertrag zustande kommt.

Wie will die Kirchenverwaltung die Gemeinde mit ins Boot holen?

Allen Gruppierungen und Personen, die das Pfarrheim nutzen, werden Gespräche mit Mitgliedern der Kirchenverwaltung angeboten. Dabei sollen Ideen gesammelt, aber auch der Raumbedarf der einzelnen Nutzer geklärt werden. Als größte Herausforderung entpuppt sich die Unterbringung der Jugendgruppen, die im bisherigen Pfarrheim großzügige Räume haben.

Und wenn der Deal doch platzt?

Dann sehen Pfarrer Groll und die anderen Verantwortlichen mit großer Sorgeden nötigen Sanierungen in Kirche und Pfarrhof entgegen. Auch wenn die Diözese die Instandsetzung bezuschusst, muss die Pfarrei einen Eigenanteil aufbringen.

Für Verwunderung sorgt in der Gemeinde auch, dass sich die Pfarrei angesichts der finanziellen Nöte für ihren Friedhof in Kriegshaber eine neue Aussegnungshalle leistet.

Tatsächlich entsteht auf dem Friedhof gerade eine neue Aussegnungshalle. Von den knapp 1,8 Millionen Euro Gesamtkosten muss die Pfarrei rund eine halbe Million selbst schultern. Der Friedhof ist aber eine eigene Kostenstelle und hat mit dem übrigen Haushalt der Gemeinde nichts zu tun. Es findet weder ein Zufluss finanzieller Mittel vom Friedhof zur Gemeinde statt, noch kann Geld aus dem Friedhofsbetrieb für die anderen Immobilien verwendet werden.

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