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Augsburg

23.02.2015

Eine Gemeinde ist mit ihrem Pfarrer über Kreuz

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2 Bilder
Dieses Transparent hängt dieser Tage an einem Wohnhaus in Kriegshaber. Die Gemeinde kämpft um ihr Pfarrheim.
Bild: Annette Zoepf

Katholiken in Kriegshaber kämpfen gegen den Abriss ihres Pfarrheims. Dort soll ein Hospiz entstehen. Die Menschen fühlen sich von ihrem Seelsorger übergangen. Und was sagt er?

Das Transparent an der Hausfassade spricht eine deutliche Sprache. „STOP – Kein Abriss des Pfarrheims“, steht darauf geschrieben. Am Nachbargebäude prangt in großen Lettern der Appell „Stark machen für unser Pfarrheim“. Die katholische Gemeinde Heiligste Dreifaltigkeit in Alt-Kriegshaber macht mobil gegen die Pläne ihrer Kirchenverwaltung, das 1967 erbaute und 1984 erweiterte Pfarrzentrum an der Ulmer Straße abzureißen. Es soll dem Neubau des St.-Vinzenz-Hospizes weichen.

Verhältnis zwischen Pfarrer und Gemeinde getrübt

Dass die Gemeinde gegen die Pläne Sturm läuft, hat mehrere Gründe. „Unser Pfarrheim ist top in Schuss und wird rege genutzt“, sagt etwa Claus Wörz als Sprecher eines Teams, das seit Jahren die Vermietung und Wartung der Immobilie in Eigenregie und mit großem freiweilligen Einsatz schultert. Seine Bilanz liest sich anders als die von Pfarrer Gerhard Groll und Kirchenpfleger Anselm Berger. Die beiden betrachten das Pfarrheim als finanzielle Belastung und verweisen auf jährlich 10 000 Euro Zuschuss der Diözese und sprechen von 90 Prozent Fremdnutzern im großen Saal. Die Ehrenamtlichen dagegen heben 26 000 Euro Rücklagen hervor, die in den vergangenen Jahren in die Instandhaltung investiert worden seien, und sagen, die Eigennutzung sei erheblich höher.

Überhaupt scheint das Verhältnis zwischen Groll und seiner Gemeinde getrübt. Viele sind sauer, dass nur die Kirchenverwaltung, nicht aber der Pfarrgemeinderat und das Pfarrheim-Team vor der öffentlichen Versammlung über die Abriss- und Neubaupläne informiert wurden. „Die haben das alles im stillen Kämmerlein beschlossen“, kritisiert die Ehrenamtliche Maria Neumann. Sätze wie „Pfarrei freut sich über großartigen Partner für die Zukunft“ auf der Homepage des Bistums gießen noch zusätzliches Öl ins Feuer.

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Vereine und Kirchengruppen hätten nach Abriss weniger Platz

Dabei, und darauf legen die Katholiken wert, habe niemand etwas gegen das Hospiz, das Sterbenden einen würdevollen letzten Lebensabschnitt ermöglicht. Sie stemmen sich nur dagegen, dass dafür ein intaktes Gebäude abgebrochen werden muss, das „nicht nur Heimat für die Pfarrei, sondern auch für zahlreiche Vereine und Gruppierungen ist“. Die Aussicht, den kleinen Saal des Hospizes mitbenutzen zu können und Ersatzräume im Pfarrhaus zu bekommen, ist für sie kein angemessener Ersatz.

Vor allem die Pfarrjugend, die bislang im Keller des Heims sehr viel Platz hat, müsste sich mit einem Bruchteil zufriedengeben. Demonstrativ verließen etwa 30 vor allem junge Gemeindemitglieder am Samstag die Vorabendmesse, die Groll hielt. Gestern verteilten Katholiken vor dem Gottesdienst Buttons mit der Aufschrift „I love Pfarrheim“ sowie „Du sollst nicht lügen“. Parallel dazu starteten Frauenbund und Kolpingsfamilie eine Unterschriftenaktion für den Erhalt des Gebäudes. Zusätzlich dürfte das Thema in dieser Woche bei der Visitation von Diözesanvertretern in der Heiligsten Dreifaltigkeit ganz oben auf der Tagesordnung stehen.

Ob das Pfarrheim dem Hospiz weicht, entscheidet die Pfarrei

Und Pfarrer Groll? „Ich registriere das, was sich in der Gemeinde abspielt und bin angesichts der für viele emotional anstrengenden Situation nicht überrascht von den Reaktionen“, sagt er. Gleichwohl habe er in persönlichen Gesprächen den Eindruck gewonnen, dass dem Vorhaben auch Verständnis entgegengebracht werde. Angesichts der stark sinkenden Zahl der Katholiken würden die Immobilien in ihrer Gesamtheit zu einer immer stärkeren finanziellen Belastung. „Da die Kirche und das denkmalgeschützte Pfarrhaus keine Optionen sind, können wir nur bei Pfarrheim und Mesnerhaus etwas verändern.“

Wie sich die aktuelle Diskussion auf die Neubaupläne des Hospizes auswirkt, kann Pfarrer Armin Zürn, Vorsitzender des Hospiz-Trägervereins, nicht einschätzen. Für den Verein sei das Grundstück in Kriegshaber der Favorit unter mehreren Angeboten gewesen. „Wir haben im Vorfeld vieles erwogen.“ Geplant ist, dass das Hospiz das Areal in Kriegshaber auf Erbpachtbasis erwirbt und jährlich rund 16 000 Euro Mietzins dafür zahlt. „Wir haben noch nicht unterschrieben“, betont Zürn.

Ob es dazu kommt, müsse die Pfarrei entscheiden. Sollte der Vertrag nicht zustande kommen, will der Verein weitersuchen. Denn an dem Vorhaben, die Kapazität des stationären Hospizes von derzeit neun auf künftig 14 Plätze zu erhöhen, wird nicht gerüttelt. Eine Erweiterung am bestehenden Standort in Hochzoll-Süd ist nicht möglich. Das Grundstück ist begrenzt, das Hospiz hat die Immobilie angemietet. „Wir können dort aber solange bleiben, bis wir etwas anderes haben“, sagt Zürn.

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