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26.07.2010

Eine Tafel erinnert an das Schicksal Zehntausender

Lange habe die Vertriebenen darauf gewartet, jetzt wurde sie enthüllt: die Gedenktafel für das sogenannte "Regierungslager B", am Rande der Friedberger Straße. Foto: Ruth Plössel
Bild: Ruth Plössel

Für die lange Wartezeit entschädigt nach Ansicht von Bürgermeister Peter Grab jetzt das Ergebnis: Gestern weihten er und die Obmänner der Vertriebenenverbände eine Gedenktafel an der Schallschutz-Wand nahe der Haltestelle Theodor-Wiedemann-Straße ein, die an das "Regierungslager B" erinnert. Es ist Synonym dafür, dass Augsburg als größter Zielbahnhof für Vertriebene aus dem Sudetenland in der amerikanischen Besatzungszone galt.

Vor rund 100 Gästen bekräftigten die Stadtvertreter vor allem eines: die grandiose Wiederaufbauleistung, die von den Vertriebenen ausging. Wer heute im Gebiet zwischen Friedberger Straße und Sanderstraße unterwegs sei, könne sich kaum vorstellen, dass hier Ende August 1946 ein Auffanglager für rund 2000 Menschen eröffnet wurde. Mit diesen Worten versetzte Dr. Ortfried Kotzian, Leitender Regierungsdirektor am Haus des Ostens in München, die Festgesellschaft für einige Minuten um 64 Jahre zurück.

156 Vertriebenentransporte

Egal, ob die Transporte aus Neudek im Egerland, aus Karlsbad, aus Falkenau oder Braunau in Ostböhmen kamen - alle Redner würdigten vor allem die gelungene Integration, die von den Flüchtlingen ausging. Insgesamt erreichten 156 Vertriebenentransporte aus dem Sudetenland von Ende Januar bis Ende Oktober 1946 Augsburg, als die amerikanischen Besatzungsbehörden die Grenze zur Tschechoslowakei schlossen. Neben dem Regierungslager A bei der Ballonfabrik in der Austraße und dem Lager C bei der Nähfadenfabrik Ackermann in Göggingen machte das Lager B auf der sogenannten "Vierziger Wiese" Augsburg zum größten Ziel für Vertriebene.

Begleitet von getragenen Tönen der Egerländer Musikanten aus Willishausen und Teilnehmerinnen in farbenfrohen Trachten aus Braunau enthüllten Bürgermeister Grab und der Integrationsbeauftragte Robert Vogl die Gedenktafel. Darauf ist zu lesen, dass in neun Monaten rund 180 000 Sudetendeutsche die schwäbische Hauptstadt erreichten. Auch Juri Heiser, Vertreter der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, und Gerhard Müller, Obmann der Sudetendeutschen, freuten sich über die Anerkennung der historischen Leistung. (sil)

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