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Augsburg

24.04.2015

Endlich wieder Rofa mit NT

In den besten Zeiten hatte er einen Bekleidungssponsor

Discjockey Jürgen NT Endres hat sich mit seinen Donnerstagabenden in der Rockfabrik von 1993 bis 2002 einen Namen gemacht. Jetzt kehrt er an seine frühere Wirkungsstätte zurück.

Es war 1994. Die Band Offspring brachte ihr Album „Smash“ heraus, welches sich bislang weltweit über zehn Millionen Mal verkaufte. Prodigys Album „Music for the Jilted Generation“ schoss in den britischen Charts von null auf Platz eins. Kurt Cobain, Sänger und Gitarrist der Band Nirvana, nahm sich am 5. April in seinem Haus in Seattle sein Leben. Es war das Jahr, in dem der Donnerstagabend in der Rockfabrik explodierte. „Crossover – Indie – Wave“ hieß der Abend in der Rofa, DJ NT legte die Musik auf, die die Massen in die große Disco am Riedinger Park bewegte. Jürgen NT Endres stand dort schon länger am Mischpult. Musik war schon immer sein Ding.

Das hatte mit den eigenen Vorlieben zu Wave, Gothic, Industrial und Elektronik als Teenager begonnen und hatte den 19-jährigen Stettenhofener neben seiner Ausbildung zum Industriekaufmann zu einem Nebenjob im ehemaligen Gersthofener Unimarkt gebracht. Dort verkaufte er CD und war seiner Leidenschaft ganz nah: Neue Platten hören, den Kunden Scheiben empfehlen oder nach Raritäten suchen.

Als der damalige Chef der Rockfabrik eines Tages vor ihm stand und eine Reihe von CD einkaufen wollte, gab ihm Jürgen NT Endres ebenfalls den einen oder anderen Tipp: Das sei neu, da müsse er unbedingt reinhören und das auch unbedingt mitnehmen. Die Tipps brachten ihm schließlich seinen ersten Job als Discjockey ein. „Tage später habe ich einen Anruf von ihm bekommen, ob ich nicht in der Rockfabrik auflegen möchte“, erinnert er sich. DJ NT war geboren.

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Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits viel Ahnung von Musik, allerdings zuvor noch nie aufgelegt. „Meine DJ-Daddys waren Rudi Schäble vom Inbase und DJ Heiner aus dem M1 in Aichach“, erzählt er. Bei ihnen sei er immer am DJ-Pult gestanden, schließlich begann er einfach selber damit: Ab 1993 legte er donnerstags in der Rockfabrik auf. Zehn Jahre sollte das sein Termin in der Rocke sein. „Am ersten Abend war der Laden voll, dann ging es plötzlich auf 120 Gäste runter. Dann sind aber von Mal zu Mal mehr Besucher gekommen.“ Ende 1994 platzte der Laden aus allen Nähten. Nachdem Jürgen Endres seine Ausbildung als Industriekaufmann beendet hatte, widmete er sich schon bald ganz der Musik.

Neben seiner Arbeit in der Gersthofer CD-Abteilung, war er beim ProMarkt in Göggingen und bei Holme in der Karlstraße und später in den Media-Märkten beschäftigt. Er legte immer mehr auf: Mal bei dem MTV-Snowboard-Opening in Sölden, mittwochs Wave in der Rockfabrik, donnerstags schließlich Crossover und Indie, freitags schon einmal in der Rockfabrik in Ludwigsburg, samstags in Garmisch. Später kam der Dienstag in der Mahagoni Bar dazu, der Freitag in der Kantine. Es ist eine Zeit, in der er soviel auflegt, dass er sogar einen Bekleidungssponsor hatte. Es waren andere Zeiten. „Damals gab es drei feste Weggehtage. Das war in Augsburg zunächst Donnerstag und Samstag, später kam noch der Dienstag dazu“, sagt er. Heute sei das nicht mehr so. „Da verlassen viele nur noch am Samstag die eigenen vier Wände.“ Auch die Zeiten in der Rofa ändern sich. Die Musik, die über ein Jahrzehnt nicht mehr wegzudenken war, zieht nicht mehr so viele Besucher an.

Jürgen NT Endres, der 2002 bereits parallel in der Kantine auflegte, fing dort schließlich als Booker an, was er bis heute in freiberuflicher Tätigkeit macht. Bands buchen, überreden, dass sie auch in Augsburg auftreten, gehört zu seinem Job. „Es macht Spaß zu sehen, ob ich den richtigen Riecher hatte oder nicht“, sagt er. Während Kraftklub auf dem Modular-Festival 2012 groß gefeiert wurde, spielten sie bereits in ihrer Anfangszeit vor 150 Zuschauern in der Musikkantine ein Konzert. „Cro“ wurde als er noch nicht einmal 10000 Facebook-Fans hatte, für den kleinen Klub für eine minimale Gage gebucht, bevor er dann durch die Decke ging und die Kantine innerhalb weniger Tage ausverkaufte.

Die Berliner Band Beatsteaks, die auf ihrer Deutschlandtour im vergangenen Jahr in der Dortmunder Westfalenhalle spielte, oder den Münchner Zenith ausverkaufte, gab auch in dem Klub in der ehemaligen Reese-Kaserne schon drei Konzerte. „Wir sind wohl einer ihrer Lieblingsklubs. Die Band hat bei uns das erste Mal gespielt, als sie schon megabekannt waren und selber angefragt“, so Jürgen NT Endres.

Daneben organisiert der 41-Jährige seit 2004 „Lovepop-Partys“, die „queeren“ Disco-Abende für Schwule, Lesben und ihre Freunde in Augsburg, Stuttgart und München. Gerade nach der Schließung des queeren „Fegefeuer“-Klubs sei so ein Treffpunkt für die Szene in Augsburg wichtig, so der mittlerweile in Pfersee lebende DJ. „Die Besucherzahlen sind zwar in den vergangenen Jahren insgesamt zurückgegangen, bleiben aber auf einem stabilen Niveau. Viele nutzen einfach zum Kennenlernen inzwischen das Internet und nicht mehr einen Partyabend.“ Er selbst ist ebenfalls nicht mehr so viel im Nachtleben unterwegs. „Darüber freut sich auch mein Freund sehr. Jetzt haben wir mehr Zeit für uns“, sagt er.

Doch auf einen Abend freut er sich ganz besonders. Am 30. April, natürlich ein Donnerstag, kehrt er in die Rockfabrik zurück und wird die Musik „von früher“ auflegen. Ein Abend zu dem sich bereits viele ehemalige Gäste von nah und fern angekündigt haben. Jürgen NT Endres: „Mir haben schon einige Augsburger geschrieben, die inzwischen in ganz Deutschland verstreut wohnen und die Party mit einem Familienbesuch zu Hause verbinden.“

Party Die „Remember the legendary Rofa-Donnerstag“-Party findet am 30. April in der Rockfabrik statt. Einlass ist um 21 Uhr. Eintritt: 7 Euro.

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