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04.07.2010

Endstation am Bahnhof in Oberhausen

Endstation Oberhauser Bahnhof. Dort saßen gestern viele Passagiere fest.

Georg Redelberger nimmt's mit Gleichmut: "Bis Augsburg ging es ja ganz gut." Das ist freilich nicht viel für eine Bahnreise vom Lechfeld nach Würzburg, die am Oberhauser Bahnhof abrupt endete. So wie Redelberger erging es gestern Hunderten von Bahnreisenden. Sie mussten am Oberhauser Bahnhof einen unfreiwilligen Aufenthalt einlegen, weil die Gleise zwischen dort und dem Hauptbahnhof komplett gesperrt waren. Alle Regionalzüge von und nach Ulm und Donauwörth waren davon betroffen. Die Fernverkehrszüge wurden über den Rangierbahnhof umgeleitet, nach Bahnangaben gab es in diesem Bereich Verspätungen von durchschnittlich einer Viertelstunde.

Kurz vor zwei Uhr morgens war gestern ein Güterzug entgleist, der auf dem Weg aus dem österreichischen Gummern ins polnische Kostrzyn war. Fünf von 16 Waggons sprangen aus bislang ungeklärter Ursache aus den Gleisen, ein mit 55 Tonnen Marmormehl (Calziumcarbonat) beladener Kesselwagen kippte um. Der Lokführer überstand den Unfall unverletzt, doch die Gleisanlagen zwischen Hauptbahnhof und Oberhauser Bahnhof erwischte es auf einer Länge von rund einem halben Kilometer schwer.

Herausgerissene Gleise, verbogenes Metall: "Das war ein richtiges Trümmerfeld", sagt der Augsburger Feuerwehrsprecher Friedhelm Bechtel. Etwa eine Stunde nach dem Unglück wurde die Augsburger Feuerwehr zur Hilfe gerufen, weil das Marmormehl aus dem umgekippten Kesselwagen auslief. Die lauwarme weiße Flüssigkeit, die in der Baubranche ebenso eingesetzt werden kann wie beim Brötchen backen, musste aufgefangen, das Leck am havarierten Kesselwagen geflickt werden. Über zwei Stunden lang waren 40 Mann von Berufsfeuerwehr und Freiwilliger Feuerwehr Oberhausen im Einsatz.

Den ganzen Tag über arbeiteten die Reparaturtrupps der Bahn fieberhaft. Bevor sie sich an die beschädigten Gleise machen konnten, mussten die tonnenschweren Waggons des verunglückten Güterzuges mithilfe von zwei Spezialkränen geborgen werden. Die Bahn sperrte deshalb die Strecke zwischen Hauptbahnhof und Oberhauser Bahnhof und setzte auf der kurzen Strecke Busse ein. Die Folge waren Wartezeiten - der an Sonntagen ansonsten beschauliche Oberhauser Bahnhof, vom Zustand her nicht gerade eine der Vorzeigeimmobilien der Stadt, glich einem Bienenstock.

Endstation am Bahnhof in Oberhausen

Touristen schleiften Gepäck und Fahrräder treppauf treppab, dem Servicepersonal der Bahn stand der Schweiß auf der Stirn ob der vielen Anfragen. "Gott sei Dank ist das an einem Sonntag passiert," entfuhr es einer Bahnbediensteten.

Denn feiertags ist der Andrang auf die Züge überschaubar und es gibt kaum gestresste Berufspendler. So war auch die Stimmung unter den Fahrradtouristen aus dem Odenwald gelöst, als sie am frühen Nachmittag bereits über eine Stunde auf ihren Zug Richtung Ulm warteten. Die neun Herren hatten eine zweitägige Rundtour inklusive Abstecher nach Andechs hinter sich und waren nicht bereit, sich die gute Laune vermiesen zu lassen.

Krisensitzung in der Nacht

Angespannt dagegen die Stimmung bei der Bahn. Schon am Morgen hatte das Unternehmen bekannt geben müssen, dass die Strecke den ganzen Tag über gesperrt werden muss. Am frühen Nachmittag hieß es bereits, dass die Reparatur bis Mitternacht dauern würde. Gestern Abend wurde dann mitgeteilt, dass die Strecke noch bis mindestens zum heutigen Montag, 15 Uhr, gesperrt bleiben wird.

Die für die Bahn zuständige Bundespolizei nahm noch am Sonntag die Ermittlungen auf, um die Ursache des Unglücks zu klären. Dabei wurde sie von Experten des Eisenbahnbundesamtes unterstützt.

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