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Augsburg

28.11.2017

Erst vor kurzem erfuhr sie vom Mord an der Mutter

So berichtete unsere Zeitung im Jahr 1993 über den Mord an Angelika B. Ihre Leiche war in Gessertshausen nahe der Bahnlinie gefunden worden.
Bild: Marcus Merk (Original) / Bernd Hohlen (Repro)

24 Jahre nach dem Mord an Angelika B. gibt es einen Verdächtigen. Die Tochter wuchs bei Adoptiveltern auf und erfuhr erst spät, wer ihre Mutter war. Was sie heute beschäftigt.

Als Susanne K.* herausfand, wie ihre leibliche Mutter hieß, wusste sie nicht, was der Frau zugestoßen war. Susanne K. war größtenteils bei Adoptiveltern aufgewachsen. Mit 18 Jahren erhielt sie schließlich Einblick in die Akten. Ihre Geburtsurkunde, das Scheidungsurteil ihrer leiblichen Eltern, zwei Namen. Den ihres Vaters, ein Angehöriger der US-Armee. Und jenen von Angelika B., ihrer Mutter. Erinnerungen an die beiden, an ihre frühe Kindheit, hatte sie nicht, sagt Susanne K. heute. Aber das Bedürfnis, mehr über ihre leiblichen Eltern zu erfahren.

Ein Prozess, der schmerzhaft war. Denn Angelika B. war mit 36 Jahren Opfer eines Verbrechens geworden, sie wurde in der Nacht auf den 25. September 1993 ermordet. Damals stand die Prostituierte regelmäßig an der südlichen Auffahrt der Hessenbachstraße zur Bürgermeister-Ackermann-Straße und wartete auf Freier. Jemand tötete sie in der Nacht und legte ihre Leiche später in einem Graben bei Gessertshausen ab. Trotz intensiver Ermittlungen der Kriminalpolizei blieb der Fall jahrelang ungeklärt.

DNA-Spuren brachten den Durchbruch

Wie berichtet, hat die Polizei nun nach mehr als 24 Jahren einen Tatverdächtigen festgenommen. Stefan E., ein 49-jähriger Augsburger. Nach Informationen unserer Redaktion sind es DNA-Spuren, die den möglichen Durchbruch bei den Ermittlungen gebracht haben. Die Ermittler der Kripo fanden den genetischen Fingerabdruck des Verdächtigen offenbar an mehreren Stellen der Leiche. Weil die Methoden der DNA-Analyse in den vergangenen Jahren immer besser geworden sind, ist es offenbar gelungen, die damaligen Spuren dem heute 49-Jährigen zuzuordnen.

Erst vor kurzem erfuhr sie vom Mord an der Mutter
Angelika B.

Es ist eine Neuigkeit, die bei Angehörigen des Opfers vieles aufwirbelt. Ihren leiblichen Vater, sagt Susanne K., habe sie nach drei Jahren ausfindig gemacht. Von ihrer Mutter wusste sie irgendwann, dass diese gestorben, jedoch lange nicht, wie Angelika B. umgekommen war. Das änderte sich 2015, als sich eine Schwester von Angelika B. bei ihr meldete und ihrerseits den Kontakt suchte. Das Leben ihrer Mutter, erzählt Susanne K., muss kein leichtes gewesen sein. Angelika B. heiratete früh und bekam drei Töchter, doch 1982 ging die Ehe in die Brüche. Ihr Ex-Mann zog mit dem ältesten Kind in die USA, als die Armee ihn dorthin beorderte. Susanne K. und ihre Schwester wurden bei Pflegeeltern groß, die sie adoptierten. Ihre Mutter, sagt Susanne K. heute, habe ihr eigenes Leben nicht auf die Reihe bekommen, und sie sei mit den Kindern wohl schlicht überfordert gewesen. Groll auf ihre leibliche Mutter hege sie nicht.

Die Mutter nie kennengelernt

Heute ist Susanne K. 38 Jahre alt und lebt in Nordrhein-Westfalen. Ob es zu einer Anklage gegen Stefan E. kommt, ist zurzeit noch offen. Der Beschuldigte bestreitet die Tat nach Auskunft seines Anwalts Klaus Rödl vehement. Sollte der Fall aber vor Gericht landen, will Susanne K. dabei sein, als Nebenklägerin. Durch den Mord, sagt sie, habe sie nie die Möglichkeit gehabt, ihre Mutter später noch einmal zu treffen, sie kennenzulernen. Jahrelang lebte sie in Augsburg und arbeitete in einem Imbiss in der Innenstadt. Dass der mögliche Täter dort Kunde gewesen sein könnte, sie ihn eventuell bedient hat, sei etwas, dass sie aktuell sehr belaste.

Auch eine Schwester von Angelika B. beschäftigt das Verbrechen bis heute. „Wir hatten ein gutes Verhältnis“, sagt Marianne S.*, und das sei auch dann so geblieben, als Angelika B. ins Milieu rutschte. „Zwei Wochen vor ihrem Tod habe ich sie noch besucht.“ Sie hätte nicht gedacht, dass nach 24 Jahren noch einmal Bewegung in den Fall komme. „Da kommt gerade vieles wieder hoch.“ Ihre Schwester sei ein absolut herzlicher Mensch gewesen, berichtet sie.

Sollte der Mordfall aus dem Jahr 1993 nun doch gelöst werden, wäre es eine spektakuläre Wendung. Zwar gibt es im Zuständigkeitsbereich der Augsburger Kripo seit 1963 insgesamt 27 ungeklärte Mordfälle, die meisten davon fallen jedoch in den Zeitraum bis 1979. In den letzten zwei Jahrzehnten hat die Kriminalpolizei jeden Mord geklärt, in den vergangenen 17 Jahren blieb nur der Fall eines Mordversuches ungelöst. *Namen geändert

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