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Augsburg

28.02.2019

Es rührt sich wieder was im Holzerbau

Die Küche im Holzerbau ist wieder mit Leben erfüllt: Holzerbau-Vertreter Eugen Gröbner, Eckart Wieja vom Jobcenter, Gabriele Reglin von der Gesellschaft für Bildung, Integration und Beruf (BIB), Holzerbau-Vorsitzender Gregor Lang, Sozialreferent Stefan Kiefer, Sarah Kaewthung (Auszubildende) und Koch Eugen Ritz (von links).
Bild: Annette Zoepf

Seit Februar gibt es im Haus einen Koch und zwei Auszubildende. Hier ist dargestellt, was das Schöne an dieser Arbeit ist.

Im Bürgertreff Hochzoll klappern die Pfannen. Nach zwei Jahren Leerstand herrscht in der Küche dort seit Anfang Februar wieder Leben. Sogar Azubis gibt es. Eine Kooperation zwischen Bürgertreff, der Gesellschaft für Bildung, Integration und Beruf (BIB), dem städtischen Sozialreferat und dem Jobcenter bringt jetzt wieder Leben in die Küche des Holzerbaus. Nachdem Bernd Beigl mit seiner Kulturküche 2016 pleite ging und der Bürgertreff Hochzoll seither keinen neuen Betreiber finden konnte, war die Küche verwaist.

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Zwar erhielten die Kinder der beiden Hortgruppen, die im ersten Stock des Vereinsgebäudes untergebracht sind, noch Essen im großen Saal. Die Verpflegung selbst wurde jedoch von außen geliefert. Seit Februar bereiten wieder ein Koch und zwei Auszubildende täglich 70 Portionen für die Kinder zu. Eine Ausweitung des Angebots für den Stadtteil und das Jugendhaus, das einige Meter weiter im Ensemble „Alte Schule“ 2020 eröffnet werden soll, ist angedacht.

Heute gibt es Ofenkartoffel mit Kräuterquark, dazu Gemüsesticks und hinterher Wackelpudding. Eugen Ritz schwenkt hier jetzt die Pfannen. Nebenher absolviert der Koch seinen Ausbilderschein bei der IHK. „Ich find’s toll, es ist ein besonderer Ort, und die Küche selbst ist professionell ausgestattet“, sagt der junge Mann mit dem Hipster-Bart. Zwei Auszubildende hat er schon: Sarah (27) lernt Servicefachkraft, Francis (18) Köchin.

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Tagschicht, Berufsschule und Förderunterricht

Die beiden sind Teil des Programms „Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen“, das vom BIB organisiert und vom Jobcenter sowie dem Sozialreferat finanziert wird. Die BIB-Fachleute begleiten junge Flüchtlinge, aber auch Menschen, die wie Francis und Sarah in besonderen Lebenssituationen Unterstützung brauchen. Das Konzept für sie im Holzerbau: Sie arbeiten Tagschicht, besuchen die Berufsschule und bekommen im BIB in der Memminger Straße acht Stunden Förderunterricht. „Zwei Sozialpädagoginnen trainieren soziale Kompetenzen wie Pünktlichkeit sowie Zuverlässigkeit und simulieren Prüfungen“, berichtet Gabriele Reglin, Geschäftsführerin des Unternehmens. Der Bildungsträger ist von gemeinnützigen Projekten bekannt: Er betreibt unter anderem den Tante-Emma-Laden und Café in der Fischertorstraße und im Ellinor-Holland-Haus sowie den Fahrradladen „Kette und Kurbel“ in der Eichleitnerstraße. Insgesamt werden zehn junge Leute in diesen Projekten mit Mitteln des Jobcenters ausgebildet.

Francis gefällt’s. „Koch ist mein Traumberuf“, erklärt die 18-Jährige mit den blauen Haaren. Sie machte 2016 ihren Hauptschulabschluss, fand danach jedoch nie den Weg ins Arbeitsleben. Sie gibt zu, dass ihr das Aufstehen schwerfällt, auch der Umgang mit vielen Menschen auf engem Raum ist nicht so ihr Ding. Ihr jetziger Arbeitsplatz gefällt ihr. „Es ist total nett, die Kollegen, die Kinder. Auch wenn ich morgens vielleicht mal zu spät komme, ist nicht gleich großes Geschrei“, sagt sie. Bei den Kindern kommen von allen Angeboten die Gemüsesticks am besten an – das hat sie in den ersten zwei Wochen schon festgestellt. Ihre Kollegin Sarah hat die Tische eingedeckt für den Mittagsansturm. Sie ist schon Hotelfachfrau, nutzt aber die Möglichkeit der Förderung, um trotz ihrer zwei Kinder wieder im Arbeitsleben Fuß zu fassen. Auch ihr gefällt es. Vor allem, dass sie nicht im Zwei- oder Dreischichtsystem arbeiten muss, kommt ihr entgegen. Beide erhalten ein Ausbildungsentgelt von jeweils 380 Euro.

Die Arbeit wirkt tief in den Stadtteil hinein

Eckart Wieja, Geschäftsführer des Jobcenters, ist froh über das neue Angebot. „Die Arbeit hier wirkt stark in den Stadtteil hinein, sodass die Azubis auch selbstverständlicher in die Gesellschaft eingebunden sind. Wir fördern das zunächst für drei Jahre mit 120000 Euro pro Jahr, suchen aber schon nach der zweiten Azubi-Generation. Wir wollen das Projekt langfristig etablieren.“ Die Stadt steuert jährlich weitere 30000 Euro aus dem Etat des Sozialreferats bei. „Wir setzen auf eine Vernetzung und einen Austausch mit dem zukünftigen Jugendcafé in der Alten Schule“, erklärt Referent Stefan Kiefer. Den Sanierungsabschluss der Alten Schule, deren Betrieb als Jugendtreff im Zuständigkeitsbereich des Sozialreferats liegen wird, sowie die Inbetriebnahme des Cafés dort sind laut Kiefer für Anfang 2020 geplant.

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