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Augsburg

29.04.2019

Ewige Baustelle: Warum es im "Geisterhaus" am Schmiedberg schon wieder hakt

In diesem Haus in zentraler Lage sollten eigentlich im März Büros und Wohnungen eröffnet werden. Doch die Sanierung verzögert sich seit langem. Das ärgert Anwohner.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Plus Eigentlich sollte aus dem "Geisterhaus" am Schmiedberg bis März ein Wohn- und Geschäftszentrum werden. Doch die Arbeiten stocken - zum Ärger der Anwohner.

Von ihrer Dachterrasse aus hat Gabriele Teschner einen tollen Blick auf Teile der Augsburger Altstadt und den Hinteren Lech. Eine kleine Idylle mitten in der Stadt. Dreht man sich auf der Terrasse allerdings in die andere Richtung, ist es mit der Idylle vorbei: Man guckt dann nicht mehr auf verwinkelte Gässchen und plätscherndes Wasser, sondern auf ein großes, eingerüstetes Gebäude an einer wichtigen Verkehrsachse in der Innenstadt. Auf eine Baustelle.

Seit Jahren passiert an dem Gebäude am Schmiedberg wenig; ab und an herrschte in den vergangenen Jahren etwas Betrieb im früheren Möbelhaus, man hörte dann Gehämmer und Gebohre, Bauarbeiter liefen umher, luden Materialien ab. Oft allerdings wirkte das Gebäude verwaist. Verschiedene Eigentümer hatten verschiedene Pläne, aus denen allesamt nichts wurde.

Neuer Zeitplan für das "Geisterhaus": Fertigstellung bis Herbst 2019?

Der heruntergekommene Bau wurde gar als "Geisterhaus" bekannt. Bis März dieses Jahres allerdings sollte alles besser werden, Wohnraum entstehen, die Sanierung der Brache zu einem modernen Wohn- und Geschäftshaus Fortschritte machen, ja: gar abgeschlossen sein. Die Pläne: 55 Apartments in gehobener Ausstattung zwischen 30 und 60 Quadratmetern sowie zwei Penthäuser mit je etwa 200 Quadratmetern sollen gebaut werden, dazu eine Gewerbefläche im Erdgeschoss erricht werden, mit rund 830 Quadratmetern Größe. Nun ist der März schon eine Weile vorbei, abgeschlossen ist die Sanierung allerdings noch lange nicht.

Ewige Baustelle: Warum es im "Geisterhaus" am Schmiedberg schon wieder hakt

Zwar hat sich an der Fassade sichtbar etwas getan, besonders groß sind die Veränderungen in den vergangenen Monaten allerdings nicht mehr gewesen. Bauarbeiter sah man zuletzt nur noch sporadisch. Und ein Blick ins Innere des leer stehenden Gebäudes zeigt, dass dort bislang kaum etwas gemacht wurde. Anwohnerin Gabriele Teschner ärgert der Zustand des Gebäudes. Seit elf Jahren wohne sie am Leonhardsberg, sagt sie. Seit elf Jahren habe sie das marode Haus vor der Nase und vor allem die einfach nicht enden wollenden Baustelle vor der Haustür, mit all den Begleiterscheinungen einer größeren Baustelle: Lärm, Dreck. Teschner sagt, sie verstehe nicht ganz, warum sich das Projekt seit Jahren immer wieder verzögere und warum ein Gebäude in derartiger Lage nicht längst saniert worden sei.

Eine berechtigte Frage. Woran liegt die erneute Verzögerung? Der zuständige Architekt für das Gebäude ist Jürgen Stark aus München. Er sagt, die Baustelle stagnierte zuletzt, unter anderem weil einige Materialien zu spät geliefert worden seien. Nun aber solle es weitergehen, das Projekt werde weiterhin verfolgt. Als Fertigstellungstermin peile man nun den Herbst dieses Jahres an. Ein Sprecher des aktuellen Immobilieneigentümers sagt auf Anfrage unserer Redaktion, man werde das Projekt auf jeden Fall fertig stellen. Auch er nennt den Herbst als neuen Termin.

Eigentümer des "Geisterhauses" änderte immer wieder Pläne

Seit 2011 gehört die Problemimmobilie einem Geschäftsmann aus Dubai. Erst wollte der Eigentümer das Haus wieder verkaufen, dann ein Stadthotel draus machen. Nun soll es eben jenes Wohn- und Geschäftshaus werden. Wie mehrfach berichtet, sind die geschäftlichen Hintergründe des Mannes aus Dubai, der laut öffentlich einsehbaren Registern ursprünglich aus Kasachstan stammt, für Augsburger Verhältnisse ziemlich ungewöhnlich, manche Hintergründe wirken rätselhaft.

So steht der Geschäftsmann nach Recherchen unserer Redaktion hinter einer internationalen Firmengruppe namens "AKA International", zu der unter anderem ein Unternehmen namens "AKA Petroleum" gehört, das als Kontaktadresse auf seiner Internetseite ausgerechnet die Baubrache am Schmiedberg angab, ehe die Homepage nach früherer Berichterstattung in unserer Redaktion aus dem Netz verschwand. Weitere geschäftliche Verbindungen des Eigentümers liegen nach Recherchen unserer Redaktion in Großbritannien, Ghana, China, Zentralasien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. In Augsburg ist der Geschäftsmann bislang noch nicht öffentlich in Erscheinung getreten.

Die Sanierung der Immobilie am Schmiedberg hatte in der Vergangenheit immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Mitte September gab es etwa eine Durchsuchung der Polizei auf der Baustelle. Auslöser war der Verdacht auf einen Diebstahl von Baumaschinen gewesen. In dem Gebäude waren zu der Zeit mehrere Baufirmen tätig. Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft wurden die Ermittlungen eingestellt, weil sich ein zunächst bestehender Anfangsverdacht gegen drei Beschuldigte nicht erhärten ließ.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Eva Maria Knab: Schmiedberg: Diesem Investor mag man nicht mehr glauben

Der Blick von oben auf die Baustelle am Innovationspark: Hier entstehen unter anderem ein Hotel, ein Supermarkt und ein Parkhaus. Außerdem befinden sich zwei neue Institute im Bau.
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Bild: Silvio Wyszengrad
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