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Facebook-Beiträge sorgen für Diskussionen: Der Imam ist nicht irgendjemand

Kommentar Von Stefanie Schoene
06.11.2019

Prediger Orhan Sahin sorgte mit Facebook-Beiträgen nach den türkischen Angriffen in Syrien für Diskussionen. Ein Kommentar.

Ein Imam tut, was von ihm als türkischem Religionsbeamten erwartet wird: Er stärkt die Heimatfront. Blutrote Minarette, Soldaten als Ego-Shooter, 1000 Jahre „Banner des Islam“. Friedlich geht anders. Selbst vor einem Post der verfassungsfeindlichen Grauen Wölfe schreckt er nicht zurück. Er emotionalisiert und radikalisiert. Und der Vereinsvorsitzende äußerte im Gespräch mit unserer Redaktion Verständnis. Die Posts ließ er löschen. Damit sind Stadt, Kirchen und Integrationsbeirat bis auf Weiteres zufrieden. Man müsse schließlich in Kontakt bleiben.

Der Imam ist nicht irgendjemand

Doch der Imam ist nicht irgendjemand. Als Multiplikator der größten Augsburger Moschee ist er Seelsorger für hunderte Gemeindemitglieder, erteilt an den Wochenenden Islamunterricht für Jugendliche und Kinder. Er ist eingebunden in das Netzwerk der Religionsbeauftragten in der Region, und in engem Kontakt mit dem Religionsattaché des türkischen Generalkonsulats München. Und er trifft hier auf einen ohnehin seit den 1970er-Jahren stark verwurzelten politischen Islam türkischer Prägung.

Nicht umsonst sorgte in den 1980er- und 90er-Jahren der extremistische Kalifatstaat in Augsburg für bundesweite Unruhe. Mit einer Todesfatwa rief der Augsburger „Emir“ damals in seiner Moschee am Königsplatz offen zum Mord auf. Ein Mann wurde erschossen, die Organisation 2001 verboten, der Emir ausgewiesen. Doch die Radikalisierung in Teilen der Bevölkerung blieb. Immer wieder heizen nationalistisch-islamistische Organisationen die Stimmung in der Stadt an: 2014 eine aggressive Anti-Israel-, 2015 eine aus dem Ruder gelaufene antikurdische Kundgebung, 2016 forderte ein Ditib-Imam auf dem Rathausplatz die Todesstrafe für Gülen-Anhänger, im Jahr 2018 störten Graue Wölfe die Proteste linker und kurdischer Organisationen gegen den ersten türkischen Einmarsch in Nordsyrien.

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Augsburg nennt sich gerne Friedensstadt

Der Boden für nationalistische Prediger wie Orhan Sahin ist bereitet. Dabei nennt Augsburg sich gerne Friedensstadt und „bunt“. Jahrelange Recherchen und die jetzigen Ereignisse zeigen aber, dass in den vielen zuständigen Gremien der Stadt diese Menschen nicht ernst genommen werden. Der Glaube, antidemokratische Haltungen gäbe es nur unter Deutschen und hier vor allem in der AfD, diskriminiert die Einwanderer. Weil er sie politisch infantilisiert und unmündig hält.

Lesen Sie dazu auch: Türkische Angriffe in Syrien: In Augsburg glaubt man an den Dialog

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Die Diskussion ist geschlossen.

06.11.2019

>> Der Glaube, antidemokratische Haltungen gäbe es nur unter Deutschen und hier vor allem in der AfD, diskriminiert die Einwanderer. Weil er sie politisch infantilisiert und unmündig hält. <<

Sie meinen also, man kann politisch intelligent und mündig Herrn Erdogan wählen? Nein, Sie haben sich hier total verrannt, weil Sie der Afd noch was mitgeben wollten.

Natürlich gibt es in Deutschland eine große politische Ignoranz gegenüber nationalistischen Bewegungen bei Menschen mit Migrationshintergrund. Ihre Aufstellung zeigt dies mit großer Deutlichkeit nur für unser kleines Augsburg.

Und wenn sich der SPD Außenminister Maas aus innenpolitischen Gründen an die AKP Regierung ranschmeißt um den Syrienplan von AKK zu kritisieren, zeigt das nur die völlige Flexibilität der Politik gegenüber antidemokratischen Haltungen.

https://www.augsburger-allgemeine.de/politik/Maas-und-Cavusoglu-erteilen-Kramp-Karrenbauers-Syrien-Plan-Abfuhr-id55816156.html

Herrn Trump fasst man dagegen wie die Afd nur mit der Pinzette an. Die Bundesregierung hat da längst eine vernünftige Linie verloren und gerade die erstaunliche Liberalität gegenüber islamistischen Bewegungen trägt sicher zu den Wahlerfolgen der Afd bei.

Ja wer das unterstützt ist unmündig und infantil!

https://www.blick.ch/news/hafrin-khalef-35-kam-nicht-in-die-schweiz-weil-sie-den-kurden-in-syrien-helfen-wollte-dieses-maedchen-kaempfte-fuer-den-frieden-und-fand-den-tod-id15569584.html



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