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Augsburg

19.09.2019

Fall Sophia: Mörder fuhr mit Leiche im Lastwagen nach Augsburg

Boujemaa L. wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.
Bild: Daniel Karmann, dpa

Plus Am Mittwoch ist ein Fernfahrer verurteilt worden, weil er die Tramperin Sophia Lösche ermordet hat. Ermittlungen zeigen: Am Tag nach der Tat hielt er sich längere Zeit in der Region auf.

Der Fall beschäftigte im Sommer vorigen Jahres viele Menschen. Eine Woche lang war die Studentin Sophia Lösche, 28, scheinbar spurlos verschwunden. Sie wollte von Leipzig nach Nürnberg trampen und von dort weiter in ihre Heimatstadt Amberg. Am Mittag des 21. Juni stand fest, dass sie nie wieder nach Hause kommen wird. Mitarbeiter einer Tankstelle in Spanien fanden die gefesselte, nackte Leiche der Tramperin. An diesem Mittwoch ist der Fernfahrer Boujemaa L., 42, deshalb vor dem Bayreuther Landgericht zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden.

Die Ermittlungsergebnisse in dem Fall zeigen: Am Tag nach der Tat hielt sich der Fernfahrer längere Zeit im Raum Augsburg auf. Vermutlich lag Sophia Lösches Leiche während dieser Zeit in der Schlafkoje im Führerhaus seines Lastwagens.

Wann, wo und warum musste die Tramperin Sophia Lösche sterben? Der Prozess gegen einen Lkw-Fahrer konnte viele Fragen nicht wirklich beantworten. Nun aber hat das Landgericht Bayreuth sein Urteil gesprochen.
Video: dpa

Sophia Lösche ist am 14. Juni 2018 an einer Tankstelle in der Nähe von Leipzig in den Lastwagen gestiegen. Erschlagen hat er die Studentin laut dem Urteil noch am selben Abend. Mit einem Radmutternschlüssel, auf einem Autobahnparkplatz nahe Bayreuth. Boujemaa L. soll zuvor vergeblich versucht haben, sich der jungen Frau sexuell zu nähern. Sophia Lösche habe den Fernfahrer deshalb geohrfeigt. Es gab Streit – und der Fernfahrer rastete wohl aus. Wo er danach mit seinem Lastwagen hinfuhr, konnten die Ermittler anhand der GPS-Daten des Lkw nachvollziehen. Sie haben seine Fahrt durch Europa akribisch ermittelt.

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Er fuhr scheinbar ziellos umher und steuerte dann Augsburg an

Boujemaa L. steuerte am Tag nach der Tat scheinbar ziellos Rasthöfe an. Womöglich suchte er schon da eine Stelle, an der er die Leiche unbemerkt loswerden kann. Außerdem lud er in Lauf bei Nürnberg Elektroteile auf seinen Laster auf. Danach fuhr er in Richtung Augsburg weiter. Auch hier hatte er beruflich zu tun.

Die Ermittlungen haben ergeben, dass er – mit der Leiche im Führerhaus – eine Firma in Lechhausen ansteuerte. Hier lud er gegen 14 Uhr Anti-Rutschmatten auf. Dass er im Lkw auch eine Leiche transportierte, ahnte keiner der Beschäftigten. Kurz darauf stoppte er an Raststätte Augsburg-Ost, um zu tanken. Außerdem bezahlte er hier Mautgebühr, exakt 34,18 Euro. Dann setzte er sich wieder ans Steuer und machte sich auf den Weg nach Langweid am Lech im Kreis Augsburg. Auch dort lud er Ware zu – dieses Mal zehn Fässer mit Chemikalien für die Textilindustrie. Am späten Nachmittag verließ er dann die Region, abends überquerte der 42-Jährige bereits die Grenze nach Frankreich.

Spanische Polizisten sichern den Fundort der Leiche von Tramperin Sophia Lösche nahe der Autobahn bei Asparrena.
Bild: Jesus Andrade/El Correo, dpa

Die Polizei kam dem Fernfahrer auf die Schliche, weil sie auf Drängen von Sophias Familie Bilder von Überwachungskameras jener Tankstelle auswertete, an der Sophia Lösche in den Laster stieg. Auf den Aufnahmen kann man das Kennzeichen lesen. Als dann am 19. Juni sein Lastwagen in einem südspanischen Ort ausbrannte, wurde Boujemaa L. festgenommen. Wollte er mit dem Feuer Spuren vernichten? Zwei Tage später wurde dann auch die Leiche gefunden. Anfangs hatte der Familienvater die Tat bestritten. Vor Gericht legte er aber ein Geständnis ab.

Mordfall Sophia: Von der Familie des Opfers gibt es Kritik an der Polizei

Die Familie der 28-jährigen Studentin hatte kritisiert, dass die Polizei nicht schnell genug tätig geworden sei – auch, weil es Uneinigkeit über die Zuständigkeit gegeben habe. Die Familie zweifelt zudem an, dass Sophia Lösche bereits tot war, als Boujemaa L. mit ihr durch Deutschland fuhr. Sophia Lösches Bruder sagte am Ende des Prozesses, er glaube, dass der „finale Tatort“ in Frankreich liege.

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